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EZB erhöht Leitzins: Lagarde setzt klares Signal gegen Inflation

Die Europäische Zentralbank hebt den Leitzins von 2,0 auf 2,25 Prozent an – und sendet dabei eine wichtige Botschaft an die Märkte.

EZB erhöht Leitzins: Lagarde setzt klares Signal gegen Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gehandelt. Auf ihrer Sitzung am Donnerstag beschlossen die Währungshüter eine Anhebung des Leitzinses von 2,0 auf 2,25 Prozent – genau so, wie Analysten und Finanzmärkte es erwartet hatten. Die Entscheidung fiel mit großer Einigkeit, was das Signal zusätzlich verstärkt.

Der Hintergrund ist eindeutig: Die Inflationsrate im Euroraum liegt aktuell bei 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – deutlich über dem EZB-Zielwert von rund zwei Prozent, den die Notenbank mit stabilen Preisen gleichsetzt. Noch beunruhigender: Auch die Inflationserwartungen sind in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen.

Ökonomen werten den Schritt als Reputationsgewinn für die EZB. Die Deutsche Bank hebt hervor, dass die Notenbank damit als erste bedeutende Zentralbank auf den Krieg im Nahen Osten und den damit verbundenen Ölpreisschock reagiert. Vom Bankenverband heißt es, die EZB sei „auf der Höhe des Geschehens". Das ist eine bewusste Abgrenzung zum Jahr 2022, als die Währungshüter zu lange zögerten, bevor sie angesichts des durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks die Zinsen anhoben. Diesen Fehler wollte EZB-Präsidentin Christine Lagarde diesmal unbedingt vermeiden – und sie hat es geschafft.

Der entscheidende Balanceakt

Doch der eigentliche Zinsschritt war nicht das Wichtigste an diesem Tag. Entscheidend war, was Lagarde in ihrem anschließenden Statement kommunizierte. Zentralbanker sind nicht nur Ökonomen, sondern auch Kommunikatoren – und minimale Nuancen in ihrer Sprache können Märkte bewegen.

Lagarde betonte unmissverständlich, dass sich die EZB mit dieser Entscheidung nicht auf einen bestimmten Zinspfad festlege. Diesen Satz wiederholte sie gleich zweimal. Stattdessen werde man „abhängig von den Wirtschaftsdaten" entscheiden und „von Sitzung zu Sitzung" agieren. Damit balanciert die EZB-Chefin geschickt zwischen zwei Risiken: einer weiter steigenden Inflation auf der einen und einer schrumpfenden Wirtschaft auf der anderen Seite.

Die neuen Projektionen der EZB-Ökonomen spiegeln diesen Spagat wider. Für das laufende Jahr erwarten die Notenbanker nun eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent – im März waren es noch 2,6 Prozent. Das erwartete Wirtschaftswachstum im Euroraum wurde leicht auf 0,8 Prozent nach unten korrigiert, nach zuvor 0,9 Prozent.

Inflation bleibt bis 2027 ein Thema

Lagarde lieferte auch einen Ausblick: Bis ins erste Halbjahr 2027 werde die Inflation über dem Zielwert von rund zwei Prozent verharren. Erst danach – wenn sich die Teuerung bei Lebensmitteln und Dienstleistungen abschwäche und die Zweitrundeneffekte des Ölpreisschocks nachlassen – könnte sich die Inflationsrate wieder in Richtung des Zielwerts bewegen. Voraussetzung: Der Konflikt im Iran verschärft sich nicht weiter. Dieses Damoklesschwert bleibt über allen Prognosen hängen.

Dennoch sendet die EZB ein beruhigendes Signal. Indem sie sich nicht auf weitere Zinserhöhungen festlegt, vermeidet sie das Risiko, die ohnehin schwächelnde Wirtschaft mit zu hohen Zinsen abzuwürgen – sei es durch tatsächliche Maßnahmen oder allein durch die Erwartungen von Investoren und Verbrauchern. Für Privatanleger bedeutet das: Die Notenbank agiert vorsichtig und datengetrieben. Weitere Zinsschritte sind möglich, aber keineswegs garantiert.

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