EZB erwägt Zinspause im Juli nach erster Zinserhöhung
Insider berichten: EZB-Ratsmitglieder halten Pause bei der Juli-Sitzung für wahrscheinlicher als eine weitere Erhöhung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren angehoben – doch eine Folgemaßnahme im Juli scheint vorerst unwahrscheinlich. Zwei mit der Sitzung vertraute Insider berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass eine Zinspause bei der nächsten EZB-Sitzung am 22. Juli derzeit das wahrscheinlichere Szenario sei. Voraussetzung dafür ist, dass die Energiepreise nahe ihrem aktuellen Niveau bleiben.
Die Zinserhöhung erfolgte mit dem Ziel, die Inflation einzudämmen, bevor sich der durch den Iran-Krieg ausgelöste Anstieg der Treibstoffkosten weiter in der Wirtschaft der Eurozone ausbreitet. Die EZB reagiert damit auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld, in dem steigende Energiepreise den Preisdruck auf breiter Front zu verstärken drohen.
Wann könnte die EZB im Juli doch handeln?
Laut einer der Insider-Quellen wäre ein erneuter Anstieg des Ölpreises auf mehr als 100 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent notwendig, um eine Zinserhöhung im Juli auszulösen. Bislang seien Zweitrundeneffekte – also ein Übergreifen der Energiepreisinflation auf andere Waren und Dienstleistungen – ausgeblieben. Ein zweiter Insider ergänzte, dass auch ein unerwarteter Sprung der Kerninflation die Währungshüter zu einer weiteren Maßnahme bewegen könnte.
Die Kerninflation gilt als besonders aussagekräftiger Indikator für den zugrundeliegenden Preisdruck in einer Volkswirtschaft, da sie volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert. Ihr unerwarteter Anstieg würde signalisieren, dass sich die Inflation bereits tief in der Wirtschaft verankert hat – ein Szenario, das die EZB unbedingt verhindern will.
Weitere Zinsschritte bleiben auf dem Tisch
Trotz der möglichen Pause im Juli ist das geldpolitische Straffungsprogramm der EZB noch nicht abgeschlossen. Beide Insider wiesen darauf hin, dass die EZB-Projektionen insgesamt zwei weitere Zinserhöhungen vorsehen. Selbst bei einer Pause im Juli könnten die Währungshüter demnach zu einem späteren Zeitpunkt – möglicherweise im September – erneut handeln, sofern sich das Inflationsprofil nicht wesentlich verbessert.
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Zur AktienanalyseFür Anleger und Marktteilnehmer bedeutet dies: Die Richtung der EZB-Geldpolitik bleibt restriktiv, auch wenn das Tempo der Zinsschritte flexibel gehandhabt wird. Die Notenbank behält sich vor, auf neue Datenlage zu reagieren, anstatt einem starren Fahrplan zu folgen. Ein EZB-Sprecher lehnte gegenüber Reuters eine offizielle Stellungnahme ab.
Die Entwicklung der Energiepreise – insbesondere des Ölpreises – dürfte damit in den kommenden Wochen zu einem der wichtigsten Indikatoren für die nächste geldpolitische Entscheidung der EZB werden. Investoren werden die Datenlage zur Inflation sowie die geopolitische Lage rund um den Iran-Konflikt genau im Blick behalten müssen.


