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EZB hält Leitzins bei 2,25 Prozent trotz interner Anhebungsdebatte

Die Europäische Zentralbank beließ die Zinsen unverändert, diskutierte jedoch angesichts steigender Ölpreise über weitere Erhöhungen.

EZB hält Leitzins bei 2,25 Prozent trotz interner Anhebungsdebatte

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag ihren Leitzins unverändert bei 2,25 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel einstimmig – doch hinter den Kulissen war die Debatte alles andere als einheitlich. EZB-Präsidentin Christine Lagarde räumte ein, dass einige Ratsmitglieder eine weitere Zinserhöhung in Betracht gezogen hatten.

Lagarde erklärte vor Journalisten, es habe Mitglieder des EZB-Rats gegeben, „die sich fragten, ob wir nicht eine Anhebung in Betracht ziehen sollten". Die Entscheidungsträger hätten sich letztlich dafür entschieden, „unsere Zinsen vorerst" beizubehalten. Ausschlaggebend für die Diskussion war der erneute Anstieg der Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten.

Ölpreise erreichen 100 Dollar pro Barrel

Seit Anfang Juli sind die Ölpreise um mehr als 30 Prozent gestiegen. Hintergrund ist der Zusammenbruch des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran sowie anhaltende Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Am Donnerstag erreichten die Ölpreise erstmals seit Mai die Marke von 100 Dollar pro Barrel – ausgelöst durch Berichte, wonach von Iran unterstützte Huthi-Milizen zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen haben sollen.

Lagarde bezeichnete die jüngsten Entwicklungen im Roten Meer als „beunruhigend" und warnte, sie hätten bereits „Auswirkungen". Sie mahnte zudem vor dem Risiko, dass die Inflation die Prognosen übertreffen und größere Folgewirkungen auf andere Wirtschaftsbereiche haben könnte als bislang erwartet. „Die Unsicherheit bleibt hoch, und die vollen inflationären Auswirkungen des Energieschocks müssen sich erst noch zeigen", so die EZB-Chefin.

EZB war erste G7-Zentralbank mit Zinserhöhung

Im vergangenen Monat hatte die EZB die Kreditkosten bereits um einen Viertelpunkt angehoben und war damit die erste Zentralbank der G7-Staaten, die ihre Geldpolitik als Reaktion auf die durch den Nahostkonflikt ausgelösten Energiepreissteigerungen straffte. Die aktuelle Pause signalisiert, dass die Notenbank die weitere Entwicklung zunächst abwarten will, bevor sie erneut handelt.

Die EZB prognostizierte im vergangenen Monat, dass die Inflation in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte mit 3,4 Prozent ihren Höchststand erreichen würde – deutlich über dem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent. Für Anfang 2027 rechnet die Notenbank mit einer Inflationsrate von rund 3 Prozent. Lagarde betonte, die Zentralbank beobachte die „Intensität und Dauer" des Energieschocks „genau" und sei „gut aufgestellt, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen".

Lagarde schließt Rücktritt in diesem Jahr aus

Neben der Zinsentscheidung äußerte sich Lagarde auch zu ihrer eigenen Zukunft an der Spitze der EZB. Auf entsprechende Fragen schloss sie einen Rücktritt in diesem Jahr kategorisch aus. „Sie werden mich vor 2027 nicht loswerden", sagte sie vor Journalisten. Ob sie ihre achtjährige Amtszeit, die im Oktober nächsten Jahres endet, vollständig absolvieren wird, ließ sie jedoch offen.

Für deutsche Anleger und Sparer bleibt die Lage damit vorerst unverändert: Der Leitzins bleibt auf dem aktuellen Niveau, während die Notenbank die Entwicklungen an den Energiemärkten und die geopolitischen Risiken im Nahen Osten weiter genau beobachtet. Eine erneute Zinserhöhung ist angesichts der internen Debatten im EZB-Rat nicht ausgeschlossen, sollte der Inflationsdruck weiter zunehmen.

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