EZB-Umfrage: Eurozone-Firmen scheitern an Weitergabe der Kraftstoffkosten
Preissensible Verbraucher und chinesische Konkurrenz bremsen Preiserhöhungen – rund 40% der Unternehmen leiden unter Margendruck.

Unternehmen in der Eurozone tun sich schwer, gestiegene Kosten infolge des Iran-Schocks an die Verbraucher weiterzugeben. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach reagieren Haushalte weiterhin „sehr preissensibel" – und ein verschärfter Wettbewerb aus China macht die Lage zusätzlich schwieriger.
Die EZB hatte ihre Leitzinsen am Vortag unverändert gelassen und dabei betont, es gebe kaum Anzeichen dafür, dass höhere Kraftstoffkosten in breitem Maße auf Verbraucherpreise, Löhne und langfristige Erwartungen durchschlagen würden. Gleichzeitig hielt sie sich die Tür für eine mögliche Zinserhöhung im September offen. Die neue Unternehmensumfrage bestätigt nun diese Einschätzung.
Für die Erhebung befragte die EZB 76 große, außerhalb des Finanzsektors im Euroraum tätige Unternehmen. Die Gespräche fanden hauptsächlich zwischen dem 22. Juni und dem 1. Juli statt – kurz nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Konflikts, die Anfang Juli angesichts erneuter Feindseligkeiten scheiterte.
Margendruck bei rund 40% der Unternehmen
Rund 40% der befragten Unternehmen gaben an, dass die Preise in ihrem Sektor gestiegen seien – insbesondere bei Vorleistungsgütern und im Transportwesen, die direkt von den Öl- und Derivatepreisen abhängen. Die Preise für Petrochemikalien seien beispielsweise um 20 bis 30% gestiegen, so die EZB. Bei konsumnahen Unternehmen gab es hingegen bislang „kaum Anpassungen".
Da die höheren Kosten nicht durch entsprechende Preiserhöhungen im Einzelhandel aufgefangen werden konnten, verzeichneten ebenfalls rund 40% der Unternehmen einen spürbaren Margendruck. Die Unternehmen hatten ihre Preise in den drei Monaten bis Juni zudem weniger stark angehoben als erwartet und rechneten für das laufende Quartal mit einer weiteren leichten Abschwächung.
Lebensmitteleinzelhändler berichteten laut EZB, dass höhere Kraftstoffpreise im zweiten Quartal weniger Geld für Ausgaben in anderen Bereichen ließen. Dies verstärke die Tendenz der Verbraucher, von Markenprodukten auf Eigenmarken umzusteigen. Die Preise für einige Produkte der Unterhaltungselektronik seien aufgrund billigerer Importe aus Asien sogar gesunken.
Chinesische Konkurrenz und KI-Boom prägen das Bild
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Zur AktienanalyseDie allgemeinen Marktbedingungen seien „schwierig" gewesen, so die EZB, „wobei chinesische Hersteller zunehmend innovative Produkte zu niedrigen Preisen anboten." Dies belastet europäische Unternehmen zusätzlich und erschwert Preiserhöhungen weiter.
Auf der positiven Seite vermerkte die EZB einen Boom bei der künstlichen Intelligenz, der Unternehmensinvestitionen und -ausgaben ankurbele. Allerdings belasteten Wettbewerbsbedenken die traditionellen Investitionsausgaben. Dies führe dazu, dass europäische Fertigungsunternehmen ihre Investitionen zunehmend auf Asien oder Osteuropa statt auf den Euroraum konzentrierten – ein Trend, der die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum mittelfristig weiter belasten könnte.
Die Ergebnisse der EZB-Umfrage decken sich mit einer jüngsten Reuters-Analyse von Managementkommentaren, die ebenfalls kaum Hinweise auf breite Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen gefunden hatte. Für die EZB liefern die Daten damit vorerst Argumente gegen eine überstürzte weitere Zinserhöhung – auch wenn September als möglicher Termin weiterhin im Raum steht.


