EZB-Umfrage: Inflationsausblick in der Eurozone bleibt stabil
Inflationserwartungen kaum verändert – Rückkehr zum 2%-Ziel erst 2028, Wachstumsprognosen jedoch deutlich gesenkt.

Die Inflationserwartungen in der Eurozone haben sich in den vergangenen drei Monaten kaum bewegt. Eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt, dass das Preiswachstum im kommenden Jahr spürbar sinken soll, bevor es im Jahr 2028 wieder den EZB-Zielwert von 2% erreicht. Für das laufende Jahr bestätigt die Umfrage eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,7% – identisch mit der Prognose aus dem Vorquartal.
Die Inflation in der Eurozone liegt seit Monaten bei rund 3%, angetrieben vor allem durch stark steigende Energiekosten. Die meisten Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass das Preiswachstum kurz vor seinem Höhepunkt steht und im Verlauf des Jahres 2027 wieder in Richtung des EZB-Zielwerts sinken wird. Die EZB-Umfrage dient als wichtige Grundlage für geldpolitische Beratungen und spiegelt die Einschätzungen von Fachleuten aus dem gesamten Euroraum wider.
Inflationsprognosen im Detail
Für das Jahr 2027 wurde die Inflationserwartung leicht von 2,1% auf 2,2% angehoben. Im Jahr 2028 soll die Teuerungsrate schließlich die Zielmarke von 2% erreichen und auf diesem Niveau verharren. Damit zeichnet die Umfrage ein Bild gradueller Normalisierung – ohne abrupte Sprünge, aber mit einem klaren Rückwärtstrend bei der Inflation.
Die EZB hatte die Leitzinsen am Donnerstag unverändert belassen. Als Begründung nannte die Notenbank, dass der Anstieg der Energiepreise bislang keine sogenannten Zweitrundeneffekte ausgelöst hat. Solche Effekte – etwa steigende Löhne als Reaktion auf höhere Preise – könnten eine anhaltend hohe Inflation verfestigen und wären für die Geldpolitik besonders problematisch. Gleichzeitig gab die EZB jedoch deutliche Hinweise auf eine mögliche weitere Straffung der Geldpolitik, möglicherweise bereits im September.
Wachstumsprognosen deutlich nach unten revidiert
Neben den Inflationsdaten liefert die Umfrage auch besorgniserregende Signale zur Konjunktur. Das Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr wird nun nur noch bei 0,6% gesehen – ein deutlicher Rückgang gegenüber der Prognose von 1,0% aus dem Vorquartal. Auch für das kommende Jahr wurde die Wachstumserwartung von 1,3% auf 1,2% gesenkt.
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Zur AktienanalyseDiese verhaltene Wachstumsdynamik war laut EZB ein weiterer Grund für die abwartende Haltung bei den Leitzinsen. Die Notenbank steht damit vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma: Einerseits bleibt die Inflation über dem Zielwert, andererseits schwächelt die Konjunktur im Euroraum spürbar. Für deutsche Anleger und Unternehmen bedeutet dies ein Umfeld, das von Unsicherheit und gedämpften Wachstumsaussichten geprägt bleibt.
Die Kombination aus stabilen Inflationserwartungen und gesenkten Wachstumsprognosen dürfte die geldpolitischen Debatten innerhalb der EZB in den kommenden Monaten weiter prägen. Ob die Notenbank tatsächlich bereits im September die Zinsen anhebt, bleibt abzuwarten – die Datenlage bis dahin wird entscheidend sein.


