EZB-Vizepräsident warnt vor erhöhtem Risiko einer Marktkorrektur
Luis de Guindos sieht trotz Rekordhochs an den Aktienmärkten erhöhte Korrekturrisiken durch geopolitische Spannungen und überhöhte Bewertungen.

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos, hat am Mittwoch gegenüber CNBC vor einem „erhöhten" Risiko einer Marktkorrektur gewarnt. Hintergrund ist die aktuelle Situation an den Aktienmärkten, wo Indizes trotz eines schwierigen Umfelds weiterhin neue Rekordstände erreichen. Als belastende Faktoren nannte de Guindos geopolitische Unruhen, fiskalische Herausforderungen sowie überhöhte Bewertungen.
Besonders die Dauer des Krieges im Iran könnte laut de Guindos entscheidend dafür sein, wie stark die Risiken für die Finanzmärkte letztlich ausfallen. Das Marktvertrauen in eine schnelle Lösung des Konflikts halte derzeit noch an – doch genau diese Erwartungshaltung könnte sich als trügerisch erweisen, sollte sich der Konflikt in die Länge ziehen.
EZB-Finanzstabilitätsbericht mit deutlichen Warnzeichen
Zeitgleich mit den Aussagen von de Guindos veröffentlichte die EZB ihren jüngsten Finanzstabilitätsbericht. Darin kommt die Zentralbank zu dem Schluss, dass der Ausblick für die Finanzstabilität im Euroraum von „geoökonomischen Spannungen und Störungen der Energieversorgung geprägt" sei. Der Bericht unterstreicht damit die Bedenken des EZB-Vizepräsidenten und zeichnet ein vorsichtiges Bild der aktuellen Lage.
Darüber hinaus hob die EZB im Stabilitätsbericht die Anfälligkeiten von Nichtbanken hervor – insbesondere jener Institute, die auf den privaten Märkten aktiv sind. Diese Akteure stellten ein weiteres Stabilitätsrisiko dar, so die Einschätzung der Zentralbank. Nichtbanken wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Private-Equity-Gesellschaften sind in den vergangenen Jahren zu immer bedeutenderen Akteuren im Finanzsystem geworden.
Inflation bei 3 Prozent – EZB in schwieriger Lage
Auf der geldpolitischen Seite steht die EZB vor einem Dilemma: Der Leitzins liegt derzeit bei 2 Prozent, während die Inflation im Euroraum im April auf 3 Prozent gestiegen ist. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat wiederholt betont, dass die Zentralbank bereit sei, die Zinsen anzuheben – selbst wenn sich der Inflationsanstieg als vorübergehend erweisen sollte. Gleichzeitig betonte sie, dass die Bank einen datenabhängigen Ansatz verfolgen werde.
Die nächsten wichtigen Inflationsdaten werden für den 2. Juni erwartet. Die darauffolgende EZB-Ratssitzung findet am 10. und 11. Juni statt – ein Termin, dem Anleger und Ökonomen mit besonderer Aufmerksamkeit entgegenblicken dürften.
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Zur AktienanalyseDe Guindos brachte die Herausforderung für die Geldpolitik auf den Punkt: Das Abwägen der Inflationsrisiken gegenüber den Risiken für das Wirtschaftswachstum bringe die Zentralbanken in eine „schwierige Lage". Auch der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, der ebenfalls dem EZB-Rat angehört, äußerte sich am Dienstag gegenüber CNBC. Er betonte, dass die europäischen Entscheidungsträger „als unabhängige Zentralbank das Notwendige tun werden, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen".
Was bedeutet das für Anleger?
Für deutsche Privatanleger verdeutlichen die Aussagen aus Frankfurt die Unsicherheit, die derzeit die Finanzmärkte prägt. Rekordhochs bei Aktienindizes auf der einen Seite, strukturelle Risiken durch geopolitische Konflikte, Energieversorgungsprobleme und eine noch nicht vollständig gebändigte Inflation auf der anderen – dieses Spannungsfeld dürfte die Märkte in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Die EZB-Sitzung im Juni wird dabei ein zentraler Wegweiser für die weitere geldpolitische Richtung sein.


