EZB warnt vor Gefahren im Gewerbeimmobilien-Sektor
Steigende Finanzierungskosten und sinkende Gewinne bedrohen die Stabilität des Euroraums

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich ihre Besorgnis über den rückläufigen Trend des Gewerbeimmobilien-Marktes im Euroraum geäußert. In einer Zeit, in der die Finanzierungskosten erheblich steigen und die Gewinne schrumpfen, sieht sich dieser Sektor erheblichen Herausforderungen gegenüber. Im Vergleich zu Wohnimmobilien machen Gewerbeimmobilien lediglich zehn Prozent des gesamten Kreditengagements der Banken aus, während Wohnimmobilien einen Anteil von 30 Prozent ausmachen. Dennoch warnte die EZB in ihrem neuen Finanzstabilitätsbericht davor, dass der Gewerbeimmobiliensektor das Potenzial hat, wirtschaftliche Stresssituationen zu verstärken, was zu systemrelevanten Verlusten in der Bankenbranche führen könnte.
Die Auswirkungen des Abschwungs im Gewerbeimmobilien-Sektor beschränken sich jedoch nicht nur auf die Banken. Auch andere Teile des Finanzsystems, darunter Versicherungsunternehmen und Investmentfonds, könnten hohe Verluste verzeichnen, da sie stark mit diesem Sektor verknüpft sind. Insbesondere Bauträger stehen derzeit unter großem Druck, da die Preise fallen und die Auftragsbücher schrumpfen. Die vielversprechende Erholung des Gewerbeimmobilienmarktes nach den Auswirkungen der Corona-Krise wurde jäh durch die rapide steigenden Zinsen in der Eurozone abgebremst.
Um der Inflation entgegenzuwirken, hat die EZB seit Sommer 2022 ihre Schlüsselsätze bereits zehn Mal angehoben. Der Einlagensatz, der von Banken für das Parken überschüssiger Gelder bei der Notenbank genutzt wird, hat mit 4,00 Prozent mittlerweile den höchsten Stand seit Beginn der Euro-Währungsunion im Jahr 1999 erreicht.
Im ersten Halbjahr 2023 verzeichnete die EZB einen dramatischen Einbruch von 47 Prozent bei den Gewerbeimmobilien-Transaktionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der fallende Immobilienmarkt hat die Entwicklungen in diesem Sektor erheblich ausgebremst. Die größten börsennotierten Vermieter im Euroraum werden derzeit mit einem Kursabschlag von über 30 Prozent gegenüber ihrem Nettoinventarwert gehandelt, was den größten Abschlag seit 2008 darstellt.
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Zur AktienanalyseDie EZB prognostiziert, dass die Gewinne von Immobilienunternehmen in den kommenden Jahren weiter sinken werden und die steigenden Finanzierungskosten nur schwer aufholen können. Dies wird den Schuldendienst für diese Unternehmen erheblich erschweren. Die Währungshüter betonen die Anfälligkeit von Immobilienunternehmen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage und fordern sowohl Banken als auch Nichtbanken auf, sicherzustellen, dass ihre Rückstellungspraktiken und das Eigenkapital angemessen sind, um das Ausmaß der Verwundbarkeiten richtig widerzuspiegeln.


