FC Liverpool und Leicester City: Wer kauft einen Fußballclub?
Nach der Weltmeisterschaft belebt sich der M&A-Markt im Fußball – doch die Zahlen bleiben ernüchternd.

Der Fußball-Investmentmarkt zeigt neue Bewegung. Der FC Liverpool führt Gespräche über einen potenziellen Anteilsverkauf mit einem Konsortium, das von der Familie Mittal unterstützt wird – und dem wahrscheinlich auch US-Investoren angehören werden. Eine Bewertung von mehr als 6 Milliarden US-Dollar steht im Raum. Das würde belegen, dass die optimistische These – Fußballvereine seien weiterhin eine gute Anlage zur Wertsteigerung – nach wie vor Bestand hat.
Gleichzeitig halten die thailändischen Eigentümer von Leicester City den jetzigen Zeitpunkt für günstig, um einen Verkauf zu versuchen. Der Verein, der vor einem Jahrzehnt die Premier League gewann, ist in der vergangenen Saison in die dritte englische Liga abgestiegen. Auch Crystal Palace sucht nach Investoren oder potenziell neuen Eigentümern.
WM-Effekt: Belebt die Weltmeisterschaft den Markt?
Die Weltmeisterschaft hat in den USA einen Durchbruch-Sommer erlebt. Wesentlich mehr Amerikaner sahen das WM-Finale als das fünfte Spiel der NBA-Finals. Diejenigen, die Übertragungsrechte zu verkaufen haben – darunter die Fifa und die Premier League – reiben sich bereits die Hände. Das gilt auch für Banker, die Investment-Deals vermitteln wollen.
Doch in gewissem Maße hat sich nicht viel verändert. Viele Vereine sind schon seit geraumer Zeit stillschweigend offen für Angebote, aber die Gebote blieben aus. Liverpool selbst war vor nicht allzu langer Zeit am Markt und verkaufte schließlich nur einen sehr kleinen Anteil an einen Fonds mit engen Verbindungen zu den bestehenden Eigentümern. Wenn ein Investor einen mittelgroßen englischen Fußballverein kaufen wollte, stünde wahrscheinlich eine Fülle von Optionen zur Verfügung.
Langfristig könnten die Auswirkungen der diesjährigen Weltmeisterschaft die Dinge zumindest ein wenig aufmischen. Sollte das gestiegene US-Interesse dauerhaft anhalten, profitieren vor allem Vereine der Premier League und der Champions League. Andere Ligen dürften kaum einen Aufschwung spüren, da sich Rundfunkanstalten auf die Premiumprodukte konzentrieren werden.
Klub-WM als neue Einnahmequelle für Topklubs
Ein weiterer Faktor ist die Zukunft der Klub-Weltmeisterschaft. Ein gestärkter Fifa-Präsident Gianni Infantino wird voraussichtlich darauf drängen, das Turnier auf 48 Teams auszuweiten und es möglicherweise alle zwei statt alle vier Jahre auszutragen. Die Klub-WM könnte so zu einer neuen garantierten Einnahmequelle für etwa ein Dutzend großer europäischer Vereine werden – nicht unähnlich dem Modell der European Super League. In diesem Zusammenhang ergibt eine Rekordbewertung für Liverpool mehr Sinn, da große Vereine mit globaler Marke besonders gefragt sein werden.
Kleinere Vereine oder Klubs aus unteren Ligen werden hingegen weiterhin viel schwieriger zu verkaufen sein. Eine Wette darauf, eine Mannschaft in der Fußballpyramide nach oben zu führen, erscheint weniger attraktiv, wenn sich die Eliteklubs immer weiter absetzen.
Und die fundamentale Tatsache bleibt bestehen: Fußballvereine sind weiterhin Groschengräber. Die Vereine der Premier League erwirtschafteten im vergangenen Jahr zusammen einen Vorsteuerverlust von fast 1 Milliarde Britischen Pfund. Das WM-Fieber mag ein guter Zeitpunkt sein, um ein Gespräch über Investitionen im Fußball zu beginnen – doch die zugrunde liegenden Zahlen müssen sich erst noch verbessern.
The Hundred: Crickets neue Ära mit neuen Eigentümern
Abseits des Fußballs startete in England das Kurzformat-Cricket-Turnier „The Hundred" in sein sechstes Jahr. Erstmals seit dem Verkauf von Anteilen an allen acht Teams durch das England and Wales Cricket Board (ECB) – größtenteils an IPL-Teameigentümer und Führungskräfte aus dem Silicon Valley – tritt der Wettbewerb in einer neuen Phase an. Das eingeworbene Geld von mehr als 500 Millionen Britischen Pfund hat dazu beigetragen, eine Finanzkrise bei einigen Counties abzuwenden.
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Zur AktienanalyseDrei Teams haben ihre Namen geändert, um ihre Schwesterklubs in Indien und anderswo widerzuspiegeln. Die Gehaltsobergrenze wurde deutlich angehoben, was den Wettbewerb für Topspieler attraktiver macht. Der Schlüssel zu ernsthaftem Wachstum bleibt jedoch schwer fassbar: Ein bedeutendes internationales Publikum zu erreichen, gestaltet sich weiterhin schwierig – zumal indische Spieler nach wie vor nicht am Herrenturnier teilnehmen dürfen.
Commonwealth Games kämpfen um Relevanz
König Charles und Königin Camilla eröffneten die Commonwealth Games 2026 in Glasgow. Die Ausgabe ist bewusst kleiner gehalten: Glasgow richtet 10 Wettbewerbe aus – halb so viele wie bei der vorangegangenen Ausgabe. Die Kostenreduktion ist eine direkte Reaktion auf die Sorge, dass sich die Ausrichtung der Spiele schlichtweg nicht mehr lohne.
Mehrere englische Top-Athleten, darunter Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und Katarina Johnson-Thompson, haben ihre Teilnahme abgesagt. Eintrittskarten sind trotz kleinerer Austragungsorte noch in großem Umfang verfügbar. Die Entscheidung, die Übertragungsrechte an TNT Sport statt an die BBC zu verkaufen, hat die Spiele für den Großteil der britischen Bevölkerung zudem fast unsichtbar gemacht. Die nächste Ausgabe 2030 findet erstmals in Indien statt – in Ahmedabad.


