FCAS-Kampfjet: Merz stellt Milliardenprojekt mit Frankreich infrage
Kanzler zweifelt am 100-Milliarden-Projekt - unterschiedliche Anforderungen belasten deutsch-französische Zusammenarbeit

Bundeskanzler Friedrich Merz hat erstmals öffentlich Zweifel am gemeinsamen Kampfjet-Projekt FCAS geäußert. Im Podcast "Machtwechsel" sprach er von einem "echten Problem im Anforderungsprofil" zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien. Die Aussagen des Kanzlers sorgen für Unruhe bei den beteiligten Rüstungskonzernen Airbus, Dassault Aviation und Indra Sistemas.
Die Differenzen zwischen Berlin und Paris wiegen schwer. Frankreich fordert ein atomwaffenfähiges und flugzeugträgertaugliches Kampfflugzeug - Anforderungen, die für die Bundeswehr nicht relevant sind. "Frankreich möchte nur ein Flugzeug bauen und es auf die eigene Spezifikation ausrichten", kritisierte Merz. Deutschland benötige jedoch ein anderes Anforderungsprofil.
Der Kanzler stellte zudem eine grundsätzliche Frage: "Brauchen wir eigentlich noch in 20 Jahren ein bemanntes Kampfflugzeug?" Diese Aussage dürfte die Aktionäre von Airbus und Dassault aufhorchen lassen. Das FCAS-Projekt hat einen Umfang von rund 100 Milliarden Euro und ist für beide Konzerne von strategischer Bedeutung.
Macron hält am Projekt fest
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagierte umgehend auf die deutsche Kritik. Er bleibe "dem Erfolg des Projekts verpflichtet", erklärte er am Rande eines Indien-Besuchs. Der militärische Bedarf habe sich nicht verändert - für Frankreich gehöre die nukleare Abschreckung von Beginn an zum Projekt. Frankreichs Verteidigungsministerin Alice Rufo betonte auf der Münchner Sicherheitskonferenz: "Es ist kompliziert, aber wir werden es schaffen."
Aus Paris kamen jedoch auch scharfe Töne. "Viel Erfolg, wenn sie das allein machen wollen. Wir wissen, wie man ein Kampfflugzeug baut", hieß es aus Regierungskreisen. Die Aussage zielt auf die deutsche Abhängigkeit von französischer Expertise im Flugzeugbau. Dassault Aviation verfügt mit der "Rafale" über jahrzehntelange Erfahrung, während Airbus bei Kampfjets auf die Eurofighter-Kooperation angewiesen ist.
Hundert Milliarden Euro stehen auf dem Spiel
Das Future Combat Air System soll ab den 2040er-Jahren das Rückgrat der europäischen Luftverteidigung bilden. Neben Kampfjets umfasst es Drohnen und neuartige Kommunikationssysteme. Bei der Bundeswehr würde FCAS den Eurofighter Typhoon ersetzen, bei Frankreich die Rafale. Die drei Partnerländer teilen sich die Entwicklungskosten zu je einem Drittel.
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Zur AktienanalyseFür die beteiligten Konzerne geht es um Milliardenumsätze und Tausende Arbeitsplätze. Airbus ist in Deutschland federführend, Dassault Aviation in Frankreich und Indra Sistemas in Spanien. Belgien hat seit 2023 Beobachterstatus. Die Entscheidung über die Fortsetzung des Projekts wurde bereits zweimal verschoben und soll nun bis Ende Februar fallen.
Das Projekt wurde 2017 von Präsident Macron und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel initiiert. Spanien stieg 2019 ein. Macron schloss ein Scheitern zuletzt nicht mehr aus: "Angesichts der strategischen Herausforderungen wäre es unverständlich, wenn industrielle Differenzen nicht überwunden werden könnten." Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein für die Zukunft der europäischen Rüstungsindustrie.


