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Fed-Chef Warsh: Supreme Court und EZB-Konferenz als frühe Bewährungsproben

Zwei große Ereignisse prägen die frühe Amtszeit von Fed-Chef Kevin Warsh: ein Supreme-Court-Urteil und ein EZB-Forum in Portugal.

Fed-Chef Warsh: Supreme Court und EZB-Konferenz als frühe Bewährungsproben

Die frühe Amtszeit von Kevin Warsh als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve steht in dieser Woche vor gleich zwei bedeutenden Bewährungsproben. Zum einen erwartet die Märkte ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, zum anderen tritt Warsh beim hochkarätigen EZB-Forum im portugiesischen Sintra auf. Beide Ereignisse könnten die Handlungsspielräume der Fed und ihres neuen Chefs nachhaltig beeinflussen.

Im Mittelpunkt des juristischen Verfahrens steht Fed-Gouverneurin Lisa Cook. Präsident Donald Trump hatte im vergangenen August ihre Entlassung angekündigt – ein bislang beispielloser Schritt in der Geschichte der US-Notenbank. Trump ist der erste Präsident, der versucht, ein amtierendes Mitglied des Fed-Gouverneursrats abzuberufen. Als Begründung führte er angebliche Falschangaben Cooks in einem Hypothekenantrag an.

Unabhängigkeit der Fed auf dem Prüfstand

Untergeordnete Gerichte stimmten darin überein, dass Cook mit ihrer rechtlichen Anfechtung wahrscheinlich Erfolg haben wird, und ließen sie im Amt verbleiben, während der Fall den Weg zum Supreme Court durchlief. Fed-Gouverneure können laut Gesetz nur „aus wichtigem Grund" – auf Englisch „for cause" – entlassen werden. Dieser Begriff wurde jedoch gerichtlich bislang nie definiert oder geprüft.

In einer Anhörung zu Beginn des Jahres zeigten sich die Richter des Obersten Gerichtshofs skeptisch gegenüber den Argumenten der Trump-Regierung. Obwohl das Gericht der Regierung erlaubt hat, Beamte anderer unabhängiger Behörden zu entlassen, deuteten frühere Urteile an, dass die Fed einen Sonderstatus genießt. Rechtsgelehrte interpretierten diese Haltung als Hinweis darauf, dass das Gericht eine Begründung finden würde, um die Entscheidungsträger der Zentralbank vor einer Abberufung nach Belieben zu schützen.

Trumps Vorgehen wurde weithin als Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed gewertet. Der Hintergrund: Trump war frustriert darüber, dass die US-Notenbanker nicht auf seine Forderungen nach drastischen Zinssenkungen reagierten. Er versuchte, im Gouverneursrat Platz für eigene Nominierte zu schaffen. Jüngste Wirtschaftsdaten zeigen, dass ein wichtiger Inflationsindikator im Mai mehr als das Doppelte des Fed-Ziels von 2 Prozent betrug – was in den Augen der Anleger die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Zentralbank die Zinsen eher anheben als senken wird.

Was ein Urteil für Warsh bedeuten würde

Sollte Cook im Amt bleiben dürfen und klare Schutzmechanismen etabliert werden, würde dies ein erhebliches Risiko für Warsh beseitigen. Konkret: Seine Führung der Fed könnte andernfalls von einer störenden Serie von Entlassungen durch Trump geprägt sein – wobei Warsh selbst Gefahr liefe, abgesetzt zu werden. Ein Urteil zugunsten von Cooks würde zudem Warsh und andere davor schützen, unter der Drohung einer Amtsenthebung frei handeln zu können.

Bisher fielen die Kommentare von Trump und Finanzminister Scott Bessent gegenüber Warsh jedoch versöhnlicher aus als gegenüber dem ehemaligen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Dessen Weigerung, die Zinsen zu senken, brachte ihm den spöttischen Spitznamen „Too Late" ein und führte zu einer inzwischen eingestellten strafrechtlichen Untersuchung sowie Forderungen nach seiner Abberufung. Powell bleibt weiterhin Mitglied des Fed-Gouverneursrats. „Kevin ist fantastisch, und ich möchte, dass er tut, was immer er will", sagte Trump Anfang des Monats in der NBC-Sendung „Meet the Press". „Ich möchte keinen großen Einfluss auf ihn ausüben."

Warshs Strategie: Keine Forward Guidance

Warshs Herangehensweise an sein Amt könnte ihm dabei helfen, Trumps Erwartungen zu steuern. Der neue Fed-Chef hat erklärt, er plane, Diskussionen oder eine sogenannte „Forward Guidance" – also Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen – so weit wie möglich zu vermeiden. Damit hält er seine eigenen Aussichten weitgehend aus der Öffentlichkeit und dem Blickfeld des Präsidenten fern.

Warsh betont seit Langem, dass er eine Steuerung der Finanzmärkte bezüglich der Fed-Entscheidungen in normalen Zeiten ablehnt. Er begann schnell, diese Vorliebe in die Praxis umzusetzen, indem er eine neue Grundsatzerklärung beaufsichtigte, in der die Formulierungen zur Forward Guidance gestrichen wurden. In seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Chef nach der Sitzung vom 16. bis 17. Juni sagte er auf eine entsprechende Reporterfrage: „Ihre Frage klang wie eine Aufforderung an mich, eine Forward Guidance zu geben. Wir haben die Forward Guidance abgeschafft."

Sein Auftritt am Mittwoch beim jährlichen Forum der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Bergort Sintra wird ein erster Test dafür sein, wie dieser Ansatz bei seinen globalen Kollegen ankommt. Warsh nimmt gemeinsam mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dem Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, und dem Gouverneur der Bank of Canada, Tiff Macklem, an einer Diskussionsrunde teil. Während Lagarde von der EZB ebenfalls von der Forward Guidance abgerückt ist, veröffentlicht die Bank of England recht detaillierte Kommentare zur erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung. Der US-Dollar spielt als wichtigste Reserve- und Handelswährung weltweit jedoch eine andere Rolle – unerwartete Bewegungen der US-Zinsen sind eine potenzielle Belastung für andere Märkte und Währungen.

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