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Fed-Chef Warsh verteidigt Unabhängigkeit trotz enger Regierungskontakte

Kevin Warsh bestätigt regelmäßigen Austausch mit der Trump-Administration, schweigt aber über direkte Gespräche mit dem Präsidenten.

Fed-Chef Warsh verteidigt Unabhängigkeit trotz enger Regierungskontakte

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hat bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Mittwoch seine Unabhängigkeit verteidigt – und gleichzeitig bestätigt, dass er sich „oft" mit der Trump-Administration trifft. Ob er seit seinem Amtsantritt direkt mit Präsident Donald Trump gesprochen hat, ließ Warsh jedoch offen. Er deutete aber an, dass dies kein Problem darstellen würde, falls es der Fall gewesen wäre.

Warsh befindet sich erst seit sieben Wochen im Amt und steht bereits unter erheblichem Druck. Investoren versuchen herauszufinden, welchen Kurs die Federal Reserve bei den Leitzinsen einschlagen wird – während Warsh die Kommunikation der Fed über ihre geldpolitischen Pläne bewusst zurückfährt. Erschwerend kommt hinzu, dass er von einem Präsidenten ernannt wurde, für den niedrigere Zinsen ein entscheidendes Auswahlkriterium waren und der seit Warshs Bestätigung weiterhin öffentlich Zinssenkungen fordert.

Glaubwürdigkeit als zentrales Kapital

Jede Andeutung, dass Warsh seine geldpolitischen Ansichten nicht unabhängig vertritt, könnte seine Fähigkeit gefährden, den gespaltenen Offenmarktausschuss (FOMC) zu einem Konsens zu führen. Der FOMC ist das wichtigste Entscheidungsgremium der Fed für die Zinspolitik. Warsh wiederholte bei seinen zweitägigen Auftritten vor dem Kongress – zunächst am Dienstag im Repräsentantenhaus, dann am Mittwoch im Senat – wiederholt sein Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Notenbank und deren Glaubwürdigkeit.

Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme zu möglichen Gesprächen zwischen Trump und Warsh ab. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu privaten Gesprächen des Präsidenten, hieß es. Gleichzeitig erklärte das Weiße Haus, Trump überlasse Warsh die Entscheidung darüber, wie die Fed zu führen sei – auch wenn der Präsident generell weiterhin niedrigere Zinsen wünsche.

Inflation bleibt zentrales Thema

In seiner Aussage vor dem Kongress betonte Warsh, dass die Inflation in den vergangenen 63 Monaten über dem 2-Prozent-Ziel der Fed gelegen habe. Zwar sanken die Verbraucher- und Erzeugerpreise laut den in dieser Woche veröffentlichten Daten im Juni, doch Warsh hütete sich davor, voreilig einen Sieg zu verkünden. Diese vorsichtige Haltung zur Inflation ist innerhalb der Fed durchaus umstritten.

Warsh hat eine Task Force eingerichtet, um die Denkweise der Fed in Bezug auf die Inflation grundlegend zu überprüfen. Ob die Fed die Schlussfolgerungen dieser Task Force übernehmen wird, ist jedoch offen. Auch beim Zinskurs ist der FOMC gespalten: Fed-Gouverneur Christopher Waller und der Präsident der New Yorker Federal Reserve, John Williams, erklärten in den vergangenen Tagen, dass es notwendig sein könnte, die Zinsen in diesem Jahr anzuheben.

Enge Verbindung zu Finanzminister Bessent

Warsh pflegt nach eigenen Angaben eine besonders enge Beziehung zu Finanzminister Scott Bessent. Die traditionellen wöchentlichen Frühstückstreffen zwischen Fed-Chef und Finanzminister hat er beibehalten – und darüber hinaus weitere Kontakte geknüpft. Ein Sprecher Bessents lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Warsh und Bessent verbindet zudem ein gemeinsamer Mentor: der renommierte Investor Stanley Druckenmiller. Warsh war mehr als ein Jahrzehnt lang für Druckenmiller tätig, bevor er Fed-Vorsitzender wurde. Bessent arbeitete zu Beginn seiner Karriere als Hedgefonds-Manager ebenfalls für Druckenmiller. Beide kannten sich bereits gut, bevor sie ihre aktuellen Ämter antraten.

Auch Trumps oberster Wirtschaftsberater Kevin Hassett bestätigte am Mittwoch in der CNBC-Sendung „Squawk Box", dass er kürzlich mit Warsh gesprochen habe. Hassett gab an, er habe dabei Warshs neue Task Forces gelobt. Zum Vergleich: Aus den von der Fed veröffentlichten Terminkalendern geht hervor, dass Warshs Vorgänger Jerome Powell sich nur wenige Male außerhalb der regulären Frühstückstreffen mit Bessent traf oder mit ihm telefonierte. Im Jahr 2026 gab es laut diesen Unterlagen nur ein solches zusätzliches Treffen.

Bilanzpolitik und neues Fed-Abkommen

Vor seinem Amtsantritt hatte Warsh angekündigt, ein neues „Treasury-Fed Accord" aushandeln zu wollen – in Anlehnung an das historische Abkommen von 1951, das die moderne Unabhängigkeit der Federal Reserve begründete. Warsh hatte erklärt, dem Finanzminister dabei einige Befugnisse über die Bilanz der Fed übertragen zu wollen. Seit seinem Amtsantritt hat er diese Pläne jedoch nicht weiter ausgeführt und stattdessen eine weitere Task Force zur Überprüfung der Bilanzpolitik eingerichtet.

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