Fed-Mitglied Kashkari warnt vor Inflationsrisiken und schweigt zu Zinszeitpunkt
Neel Kashkari, Präsident der Minneapolis Fed, mahnt zur Wachsamkeit gegenüber Inflation – und hält Prognosen zum nächsten Zinsschritt für verfrüht.

Neel Kashkari, Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, hat am Mittwoch in Tokio eindringlich vor wachsenden Inflationsrisiken gewarnt. In einem Interview mit Reuters betonte er, die Fed müsse sich darauf konzentrieren, die sich abzeichnenden Inflationsgefahren einzudämmen. Gleichzeitig erklärte er, es sei „viel zu früh", um vorherzusagen, wann die Zinsen das nächste Mal geändert werden könnten – obwohl die Märkte bereits eine Erhöhung im Oktober einpreisen.
Kashkari verwies auf eine „inflationäre Schockwelle", die durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöst worden sei und weiterhin anhalten könnte. „Wir haben seit fünf Jahren weltweit eine hohe Inflation, wobei der Konflikt im Iran die Energiepreise und damit verbundene Kosten in die Höhe treibt. Das betrifft praktisch jede Volkswirtschaft der Welt", sagte er. Diese Entwicklung mache sich bereits am Anleihenmarkt bemerkbar.
Inflationsrisiko überwiegt Sorgen um den Arbeitsmarkt
Bei der Abwägung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahost-Krieges auf die USA sieht Kashkari das Inflationsrisiko als gewichtiger an als das Risiko einer Verschlechterung am Arbeitsmarkt. Dennoch betonte er, die Fed müsse „beides im Auge behalten". Während sich der US-Arbeitsmarkt in einer „ordentlichen Verfassung" befinde, sei Inflation ein reales Problem, mit dem die Menschen täglich konfrontiert seien.
Besonders hob Kashkari hervor, dass steigende Energiepreise mit zeitlicher Verzögerung auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreifen. „Der andere wirklich wichtige Faktor ist schlichtweg, dass wir seit fünf Jahren eine erhöhte Inflation haben. Das beeinflusst meine Bereitschaft, über das hinwegzusehen, was ansonsten ein vorübergehender Angebotsschock sein sollte", sagte er. Reagiere die Fed nicht auf diesen anhaltenden Preisdruck, bestehe das Risiko, die öffentliche Wahrnehmung zu nähren, dass die Notenbank es mit der Rückkehr zur Preisstabilität nicht ernst meine.
Kashkari hatte im April für die Entscheidung der Fed gestimmt, die Zinsen unverändert zu lassen. Er gehörte jedoch zu den Abweichlern, die sich gegen eine taubenhafte Guidance aussprachen, die eine Zinssenkung als nächsten Schritt signalisierte. Die Fed solle stattdessen eine neutrale Guidance verfolgen, die signalisiert, dass die Zinsen je nach eingehenden Daten sowohl steigen als auch fallen könnten.
Neutrale statt falkenhafte Tonalität bevorzugt
Auf die Frage, ob er weiterhin eine neutrale statt einer falkenhaften Haltung bevorzuge, antwortete Kashkari: „Ich denke, für den Moment ja. Wir müssen abwarten, was mit dem Iran-Krieg passiert. Verhandlungen finden statt und täglich gibt es neue Schlagzeilen. Wir müssen sehen, wohin diese letztendlich führen." Selbst bei einer schnellen Einigung zwischen den USA und dem Iran dürften die Inflationsauswirkungen noch eine Weile anhalten, da es Monate dauern würde, bis sich die Lieferketten normalisiert haben.
Zu den Markterwartungen einer Zinserhöhung im Oktober sagte Kashkari deutlich: „Ich denke, es ist viel zu früh für mich, eine solche Vorhersage darüber zu treffen, wann der nächste Schritt erfolgen wird." Er wolle zunächst die Entwicklungen in den Verhandlungen und die Reaktion der globalen Lieferketten beobachten.
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Zur AktienanalyseStaatsverschuldung und neuer Fed-Vorsitzender im Blick
Kashkari äußerte sich auch zur Entscheidungsfindung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) auf Basis ihrer eigenen wirtschaftlichen Einschätzungen abstimmen werden. „Letztendlich werden es die besten Ideen sein, die den Ausschuss überzeugen", sagte er.
Darüber hinaus warnte Kashkari, dass Sorgen über die enorme Staatsverschuldung die Anleihenmärkte nervös halten könnten – sowohl in Japan als auch in den USA. Die USA befänden sich langfristig auf einem „unhaltbaren" fiskalischen Pfad, der von den Politikern korrigiert werden müsse. Bisher gebe es zwar keine klaren Anzeichen für eine schuldengetriebene Finanzkrise, doch Kashkari mahnte: „Ich weiß auch, dass es an den Finanzmärkten zu plötzlichen Bewegungen kommen kann, die destabilisierend wirken können." Kashkari hält sich derzeit in Tokio auf, um an einer Konferenz zur Geldpolitik teilzunehmen, die von der Bank of Japan und ihrem Think Tank ausgerichtet wird.


