Fed-Mitglied Musalem fordert Zinserhöhung um 25 Basispunkte
St.-Louis-Fed-Präsident Musalem schließt sich dem Chor der Notenbanker an, die eine Zinserhöhung bei der letzten Sitzung befürwortet hätten.

Alberto Musalem, Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, hat sich klar positioniert: Die US-Notenbank hätte den Leitzins bereits bei ihrer Sitzung am 29. Juli anheben sollen. In einer Rede in Brasilien erklärte er, er habe bei dem Treffen seine Präferenz für eine Erhöhung um 25 Basispunkte zum Ausdruck gebracht. Damit reiht er sich in den wachsenden Kreis von Fed-Vertretern ein, die eine straffere Geldpolitik fordern.
„Der Leitzins ist unser wichtigstes Instrument der Geldpolitik, und ich habe bei der Sitzung meine Präferenz für eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte zum Ausdruck gebracht", sagte Musalem. Sein Hauptargument: Bleibt die Geldpolitik auf dem derzeitigen Niveau, werde die Inflation im kommenden Jahr oder darüber hinaus wahrscheinlich zu hoch bleiben – deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent.
Die Fed hatte ihre Zielspanne für den Leitzins am 29. Juli unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen, obwohl die Inflation zu diesem Zeitpunkt deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent lag. Drei Notenbankvertreter stimmten bei dem Treffen für eine Anhebung, da sie dies für notwendig hielten, um den Preisdruck zu senken.
Frühe Zinsschritte besser als abrupte Korrekturen
Musalem begründete seine Haltung auch mit einem strategischen Argument: Frühere, schrittweise Zinserhöhungen seien vorzuziehen, da sie „weniger störend und weniger kostspielig sind als potenziell spätere, abrupte Zinsänderungen". Diese Logik ist in der Notenbankpolitik wohlbekannt – ein zu langes Abwarten kann dazu führen, dass später deutlich schärfere Eingriffe notwendig werden, die die Wirtschaft stärker belasten.
In den vergangenen Tagen haben sich mehrere Fed-Vertreter in ähnlicher Weise geäußert: Entweder hätte die Notenbank die Zinsen bereits letzte Woche anheben sollen, müsse dies in Zukunft tun oder solle dazu bereit sein, falls die Inflation nicht nachlasse. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hingegen hat kaum Orientierungshilfe gegeben und erklärt, die Finanzmärkte müssten die geldpolitischen Aussichten selbst einschätzen.
Musalem betonte dabei auch die Unabhängigkeit geldpolitischer Entscheidungen von Markterwartungen. „Wenn Sie der Meinung sind, dass es an der Zeit ist, die Politik in die eine oder andere Richtung zu ändern, sollten Sie diese Politik ändern, unabhängig davon, was an den Märkten eingepreist ist", sagte er. Er fügte hinzu: „Es gibt Zeiten oder Momente, in denen es in Ordnung ist, den Markt zu überraschen."
Warnung vor entankerten Inflationserwartungen
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Zur AktienanalyseBesonders deutlich wurde Musalem beim Thema Inflationserwartungen. Zwar erwarte die Öffentlichkeit eine Rückkehr der Inflation auf 2 Prozent, doch gebe es „fruchtbaren Boden dafür, dass sich die Inflationserwartungen potenziell entankern", falls die Fed den Preisdruck nicht unter Kontrolle bringe. Entankerte Inflationserwartungen gelten als besonders gefährlich, weil sie sich selbst verstärken können.
Musalem warnte zudem davor, die Zinspolitik lockerer zu halten als nötig, nur um ein starkes Produktivitätsniveau zu unterstützen. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Geldpolitik die zugrunde liegende Inflation spürbar dämpft, anstatt heute eine etwas höhere Inflation zu tolerieren, um morgen Produktivitätswachstum anzustreben", sagte er. Eine Zentralbank, die Inflation über dem Zielwert toleriere, riskiere ihre Glaubwürdigkeit – und damit die Verankerung der Inflationserwartungen.
Trotz der geldpolitischen Spannungen zeigte sich Musalem mit Blick auf die Konjunktur verhalten optimistisch. Die Wirtschaft sei in den letzten Monaten „widerstandsfähig" gewesen, und der Arbeitsmarkt habe sich mit solidem Beschäftigungswachstum und einer Arbeitslosenquote nahe ihrem längerfristigen Wert stabilisiert. Gleichzeitig merkte er an, dass die finanziellen Bedingungen die Wirtschaftstätigkeit sehr stark unterstützen und die Vermögenspreise erhöht seien – ein weiteres Argument für eine straffere Geldpolitik.


