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Fed nominiert Wall-Street-Anwalt Guynn als neuen Bankenaufsichts-Chef

Randall Guynn soll die einflussreiche Position übernehmen und die Regulierung der größten US-Banken mitgestalten.

Fed nominiert Wall-Street-Anwalt Guynn als neuen Bankenaufsichts-Chef

Die US-Notenbank Federal Reserve wird voraussichtlich Randall Guynn zum neuen Direktor für Bankenaufsicht und Regulierung ernennen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Guynn ist ein ehemaliger Partner der renommierten Anwaltskanzlei Davis Polk & Wardwell und hat in seiner Karriere die größten US-Banken vertreten.

Die Ernennung steht noch unter dem Vorbehalt einer Abstimmung durch den siebenköpfigen Gouverneursrat der Fed. Der Zeitpunkt dieser nicht-öffentlichen Abstimmung ist noch nicht bekannt. Guynn würde Michael Gibson ersetzen, der nach über 30 Jahren bei der Zentralbank im Juli seinen Ruhestand angekündigt hatte.

Seit Mai 2025 arbeitet Guynn bereits als Berater für Fed-Gouverneurin Michelle Bowman, die als Vizevorsitzende für Bankenaufsicht fungiert. Bowman gilt als Wunschkandidatin von Präsident Donald Trump für die Leitung der Bankenregulierung bei der Fed. In seiner neuen Funktion würde Guynn weiterhin direkt an Bowman berichten.

Historischer Bruch mit Fed-Tradition

Die mögliche Ernennung von Guynn würde einen bedeutenden Wandel für die Zentralbank markieren. Laut einer Analyse von Reuters-Pressemitteilungen hat die Fed diese einflussreiche Position seit mindestens 1977 ausschließlich mit langjährigen Fed-Karrieremitarbeitern besetzt. Ein Sprecher der Fed erklärte, dass sich Guynn seit seinem Eintritt im vergangenen Mai von allen Angelegenheiten ausgeschlossen habe, die Unternehmen betreffen, für die er im letzten Jahr anwaltlich tätig war.

Die Abteilung für Aufsicht und Regulierung trägt die Gesamtverantwortung für die Überwachung des US-Bankensektors durch die Fed. Zu ihren Aufgaben gehören die Festlegung von Regeln für die größten und komplexesten Finanzinstitute sowie deren Prüfung. Die Position des Direktors ist daher von erheblicher Bedeutung für die gesamte Finanzbranche.

Umfassende Reformpläne für Bankenaufsicht

Bowman hat bereits weitreichende Pläne zur Umstrukturierung der Abteilung angekündigt. Sie plant, den Personalbestand um etwa 30 Prozent auf rund 350 Mitarbeiter zu reduzieren – hauptsächlich durch natürliche Fluktuation, Pensionierungen und freiwilliges Ausscheiden. Bowman argumentiert, dass die nach der Finanzkrise 2008 eingeführten Regulierungen zu belastend geworden seien und das Wirtschaftswachstum bremsen würden.

Guynn brachte Bowman hinzu, um ihre umfassenden Bemühungen zur Reform der Bankenvorschriften und Aufsichtspraktiken zu unterstützen. Allerdings betont Bowman, dass ihr Ziel darin bestehe, die Branchenüberwachung zu schärfen, nicht einzuschränken. Diese Balance zwischen Deregulierung und effektiver Aufsicht dürfte eine der Hauptherausforderungen für Guynn werden.

Expertise aus vier Jahrzehnten Wall Street

Guynn gilt weithin als Experte für Bankenregulierung und leitete zuvor die Financial Institutions Group bei Davis Polk, wo er 1986 eintrat. Er hat eine Reihe von Banken und anderen Finanzinstituten vertreten, darunter die acht größten Kreditinstitute des Landes und mehrere Branchenverbände. Seine Biografie bei Davis Polk zeigt, dass er Kunden unter anderem bei Regulierungsvorschlägen beraten hat.

Während der Finanzkrise 2008 beriet Guynn die Federal Reserve Bank of New York bei der Rettungsaktion für die Versicherung American International Group. Er half auch Freddie Mac bei der Bewältigung der staatlichen Zwangsverwaltung. Bei den Bankenturbulenzen 2023 begleitete er Großbanken bei einer Notfall-Liquiditätsspritze von 30 Milliarden Dollar für die First Republic Bank und beriet JPMorgan bei deren Übernahme nach dem Zusammenbruch.

In einer Anhörung vor dem US-Kongress im Jahr 2024 kritisierte Guynn die Bemühungen der Fed, die Eigenkapitalanforderungen für Banken zu erhöhen. Er argumentierte, die Zentralbank habe keine ausreichenden Daten zur Untermauerung ihrer Position vorgelegt. Guynn betonte zwar, dass Banken strengen Eigenkapitalanforderungen unterliegen sollten, diese Standards jedoch an die Größe und das Risiko der Institute angepasst werden müssten.

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