Fed-Präsident Williams: Inflation am Höhepunkt, Zinsen gut positioniert
New Yorks Fed-Chef John Williams sieht mehrere Signale für einen Inflationsgipfel und verteidigt die aktuelle Zinspolitik der US-Notenbank.

John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, hat am Mittwoch in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern seines Distrikts fünf Gründe genannt, warum er davon ausgeht, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Aussagen kommen einen Tag nach überraschend positiven US-Inflationsdaten und mitten in einer Debatte über den weiteren Kurs der amerikanischen Geldpolitik.
„Es gibt ermutigende Gründe für die Erwartung, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und in den kommenden Quartalen leicht zurückgehen sollte", sagte Williams. Er erwartet, dass die Gesamtinflation bis zum Jahresende auf etwa 3,25 Prozent sinken wird, bevor sie sich weiter in Richtung des 2-Prozent-Ziels der Fed bewegt – das er für 2028 als erreichbar ansieht.
Krieg, Zölle und KI als Inflationstreiber
Als Hauptursachen für den jüngsten Preisanstieg nannte Williams den Krieg im Nahen Osten, anhaltende Auswirkungen von Zöllen sowie beschleunigte Ausgaben im Bereich Künstliche Intelligenz. Die USA und Israel hatten Ende Februar den Iran angegriffen, was die Ölpreise deutlich in die Höhe trieb und die Inflation in diesem Jahr sprunghaft ansteigen ließ.
Williams sieht jedoch Anzeichen dafür, dass diese Faktoren nachlassen. Beim Thema Zölle erwartet er keinen „erheblichen zusätzlichen Impuls", da auslaufende Abgaben lediglich durch neue ersetzt würden. Der Ölpreisanstieg habe „wahrscheinlich seinen Höhepunkt erreicht und wird sich wieder den Niveaus annähern, die vor den Kämpfen herrschten", so Williams.
Auch bei den KI-Investitionen zeigte sich der Fed-Präsident zuversichtlich: „Ungleichgewichte im Laufe der Zeit zurückgehen sollten, wenn mehr Angebot auf den Markt kommt." Zusätzlich betonte er, dass der Arbeitsmarkt keine Inflationsquelle darstelle und die Inflationserwartungen „gut verankert" seien – ein wichtiger Faktor, der der Fed geldpolitischen Spielraum verschaffe.
Zinsen bleiben vorerst unverändert
Trotz der ermutigenden Signale betonte Williams die Notwendigkeit, die Inflation dauerhaft auf das 2-Prozent-Ziel zurückzuführen. „Das Wirtschaftswachstum ist solide und liegt im Trend, und der Arbeitsmarkt ist ebenfalls solide und stabil", sagte er. „Angesichts der hohen Inflation ist es jedoch unerlässlich, dass wir sie dauerhaft auf das längerfristige 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve zurückführen. Die derzeitige Ausrichtung der Geldpolitik ist gut positioniert, um dies zu erreichen."
Die Märkte sehen das jedoch anders: Sie erwarten weiterhin, dass die Fed bereits im September die Zinsen anheben wird. Auch eine knappe Mehrheit von Williams' Kollegen im Offenmarktausschuss (FOMC) hatte im Juni eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt bis zum Jahresende in Aussicht gestellt.
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Zur AktienanalyseÜberraschender Rückgang der Verbraucherpreise
Einen Tag vor Williams' Rede hatte das Bureau of Labor Statistics gemeldet, dass die Verbraucherpreise im Juni einen unerwarteten Rückgang von 0,4 Prozent verzeichneten. Damit sank die jährliche Inflationsrate auf 3,5 Prozent – der stärkste monatliche Preisrückgang seit April 2020. Die Fed liegt damit aber weiterhin deutlich hinter ihrem Inflationsziel zurück.
Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hatte den Rückgang am Dienstag vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses dennoch relativiert. Der Preisrückgang stelle keinen Moment des „Missionserfolgs" dar. „Das ist nicht meine Sichtweise", sagte Warsh. Die Botschaft der US-Notenbank bleibt damit klar: Trotz positiver Signale ist es noch zu früh für Entwarnung an der Inflationsfront.


