Fed-Präsidentin Daly: KI kein Inflationstreiber im Kurzfristhorizont
Mary Daly sieht KI langfristig als deflationäre Kraft, aber nicht als relevanten Faktor für die aktuelle Geldpolitik.

Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, hat sich klar zur Rolle der Künstlichen Intelligenz in der aktuellen Inflationsdebatte geäußert. Auf einer Bloomberg-Tech-Veranstaltung in San Francisco erklärte sie am Donnerstag, dass KI weder inflationär noch deflationär auf die Preise wirke – zumindest nicht im geldpolitisch relevanten Zeithorizont.
Daly räumte zwar ein, dass KI über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren durchaus eine deflationäre Wirkung entfalten könnte. Für die Geldpolitik der Fed, die auf einen Zeithorizont von rund zwölf Monaten ausgerichtet ist, sei dieser langfristige Effekt jedoch „kein dringliches Thema". Die Notenbank konzentriert sich auf kurzfristig steuerbare Preisimpulse, nicht auf strukturelle Technologietrends, die erst in der ferneren Zukunft wirksam werden.
Zölle und Energiepreise als eigentliche Inflationstreiber
Deutlich konkreter äußerte sich Daly zu den tatsächlichen Ursachen des aktuellen Inflationsanstiegs. Sie machte höhere Zölle sowie gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise für den Preisdruck verantwortlich. Die Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln führte sie dabei auf den Iran-Krieg zurück, der die Märkte zuletzt zusätzlich belastet hat.
Damit erteilte Daly Spekulationen eine klare Absage, wonach der technologische Wandel durch KI hinter dem jüngsten Inflationsschub stecken könnte. Die Ursachen seien vielmehr geopolitischer und handelspolitischer Natur – Faktoren, die die Fed in ihrer Zinspolitik direkt berücksichtigen muss.
Langfristiges Potenzial von KI bleibt unbestritten
Grundsätzlich zweifelt Daly nicht am transformativen Potenzial der Künstlichen Intelligenz. Die Einschätzung, dass KI auf lange Sicht deflationär wirken könnte, ist unter Ökonomen weit verbreitet: Technologische Produktivitätsgewinne senken typischerweise die Produktionskosten und können so dämpfend auf das Preisniveau wirken.
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Zur AktienanalyseFür die Fed und andere Zentralbanken weltweit stellt sich jedoch die Frage, wie stark und wie schnell solche Effekte eintreten. Daly machte deutlich, dass dieser Zeithorizont für die kurzfristige Geldpolitik schlicht zu weit entfernt ist, um heute schon handlungsrelevant zu sein. Die Notenbank reagiert auf das, was in den nächsten zwölf Monaten auf die Preise wirkt – und das sind derzeit Zölle sowie geopolitisch bedingte Energiepreisschocks.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Aussage Dalys ein wichtiges Signal: Die US-Notenbank sieht in KI keinen Grund, ihre Zinspolitik anzupassen. Der Fokus bleibt auf den klassischen Inflationstreibern – Handelspolitik und Rohstoffpreise – die auch die europäischen Märkte direkt beeinflussen.


