Fed-Präsidentin Hammack warnt vor zu lascher Geldpolitik bei Inflation
Beth Hammack signalisiert mögliche Zinserhöhung, da die Inflation weiter steigt und die Geldpolitik möglicherweise nicht restriktiv genug ist.

Die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, Beth Hammack, hat am Dienstag deutliche Warnsignale gesendet: Die US-Notenbank könnte „bald" handeln müssen, um dem anhaltend hohen Inflationsdruck entgegenzuwirken. In einer Rede vor dem City Club of Cleveland machte Hammack klar, dass sie die Risiken einer verfestigten Inflation höher gewichtet als die Risiken für den Arbeitsmarkt.
„Basierend auf den Daten bereiten mir die wachsenden Risiken einer anhaltend hohen Inflation mehr Sorgen als die Risiken für die Vollbeschäftigung", sagte Hammack. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Geldpolitik „nicht restriktiv genug ist, um die Inflation auf 2 Prozent zu senken" – das offizielle Ziel der Fed. Diese Aussage ist bemerkenswert, da sie eine mögliche Kurskorrektur der Notenbank andeutet.
Hammack betonte dabei die Dringlichkeit eines frühzeitigen Handelns: „Wenn wir auf definitive Beweise warten, dass sich die hohe Inflation in der Wirtschaft verfestigt hat, könnten umfangreichere geldpolitische Anpassungen zu höheren Kosten erforderlich sein." Vorerst sei es angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten angemessen, die Zinsen stabil zu halten – doch sollten sich die jüngsten Trends fortsetzen, „könnte ein Handeln bald angebracht sein".
Nächste FOMC-Sitzung im Juni
Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) trifft sich am 16. und 17. Juni zur nächsten Sitzung. Marktbeobachter erwarten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass das Zinsziel in der aktuellen Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert bleibt. Hammack ist in diesem Jahr im FOMC stimmberechtigt und gehört damit zu den entscheidenden Stimmen bei der Zinspolitik.
Es wird zugleich die erste Sitzung unter der Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh sein. Warsh hatte sein Amt mit der Forderung nach Zinssenkungen angetreten – eine Position, die angesichts des zunehmenden Preisdrucks von wenigen Experten als realistisch eingestuft wird. Die Inflation liegt bereits seit Jahren über dem Fed-Ziel von 2 Prozent.
Verschärft wird die Lage durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der die globalen Energieströme beeinträchtigt hat. Dies hat die Inflation von einem bereits hohen Niveau weiter nach oben getrieben. Innerhalb der Fed spekulieren viele bereits über die Notwendigkeit künftiger Zinserhöhungen, sollte keine baldige Entlastung bei der Teuerung eintreten. Die Terminmärkte für Zinsfutures preisen für die Fed bereits eine Zinserhöhung zu einem späteren Zeitpunkt ein.
Breiter Preisdruck bei Waren und Dienstleistungen
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseHammack zeichnete ein düsteres Bild der Preisentwicklung: „Das Bild der Inflation ist nicht ermutigend. Die Inflation ist zu hoch und steigt weiter an." Die Daten zeigten einen „relativ breit angelegten Preisdruck bei Waren und Dienstleistungen außerhalb des Wohnsektors" – ein Zeichen dafür, dass die Teuerung nicht auf einzelne Bereiche beschränkt ist.
Als konkrete Treiber der Inflation nannte Hammack Energiekosten, Krankenversicherungen und Software. Besonders besorgniserregend sei das Risiko, dass Unternehmen das Gefühl hätten, „keine andere Wahl als Preiserhöhungen zu haben", sollten die Energiekosten nicht schnell sinken. Dies könnte eine Lohn-Preis-Spirale begünstigen und die Inflation weiter verfestigen.
Trotz des Inflationsdrucks zeigte sich Hammack mit Blick auf die Gesamtwirtschaft verhalten optimistisch. Die Wirtschaft erweise sich als widerstandsfähig, der Arbeitsmarkt sei stabil, und die Arbeitslosenquote liege nahe der Vollbeschäftigung. Auch die Finanzierungsbedingungen stützten eher das Wachstum, „anstatt es zu bremsen", so die Notenbankerin. Für deutsche Anleger und Beobachter der US-Geldpolitik bleibt die Frage zentral, ob die Fed tatsächlich zu Zinserhöhungen gezwungen sein wird – und welche Auswirkungen das auf globale Märkte hätte.


