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Fed und EZB könnten Ölmarkt-Entlastung durch US-Iran-Deal ignorieren

Ein mögliches US-Iran-Abkommen würde die Ölpreise kaum dauerhaft senken – Zentralbanken bleiben laut ING vorsichtig.

Fed und EZB könnten Ölmarkt-Entlastung durch US-Iran-Deal ignorieren

Ein potenzieller Durchbruch in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran weckt Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus. Doch Analysten der ING dämpfen die Erwartungen: Selbst eine erzielte Einigung würde die großen Zentralbanken kaum zu einer schnellen geldpolitischen Kehrtwende bewegen. Das Institut warnt in einer aktuellen Mitteilung, dass „ein Durchbruch wenig an der schnell näher rückenden Runde der Zentralbanksitzungen ändern würde".

Die ING weist darauf hin, dass Spekulationen über eine Wiederöffnung der strategisch wichtigen Meerenge kein neues Phänomen sind. Solche Schlagzeilen, so die Bank, „hätten zu fast jedem Zeitpunkt in den letzten zwei Monaten geschrieben werden können". Die Märkte scheinen das Szenario dennoch ernst zu nehmen: Aktien erreichen neue Höchststände, und die zweijährigen Swap-Sätze – ein wichtiger Indikator für geldpolitische Erwartungen – haben angesichts sinkender Rohölpreise begonnen zurückzugehen.

Warum der Ölpreis kaum weiter fallen dürfte

Trotz des Marktoptimismus sieht die ING strukturelle Gründe, warum der Ölpreis selbst nach einer Einigung nicht deutlich weiter sinken wird. Dem Markt werden „nach Abschluss des Ganzen mehr als 1,6 Milliarden Barrel fehlen", schreibt die Bank. Strategische Reserven müssen wieder aufgebaut und beschädigte Produktionskapazitäten wiederhergestellt werden – beides zeitaufwendige Prozesse, die das Angebot kurzfristig begrenzen.

Das Energieteam der ING erwartet daher nicht, dass Rohöl in diesem Jahr „unter 90 US-Dollar pro Barrel fallen wird, selbst wenn die Ölflüsse bis Juli wieder annähernd normal verlaufen". Diese Einschätzung ist für Anleger und politische Entscheidungsträger gleichermaßen bedeutsam, da sie die Hoffnung auf eine rasche Entspannung an den Energiemärkten relativiert.

Auch die europäischen Gasmärkte senden ähnliche Signale. Die ING warnt, dass Europa im weiteren Jahresverlauf mit einer erneuten Verknappung konfrontiert sein könnte. Eine mögliche Preisentspannung könnte sich damit als nur vorübergehend erweisen – ein Risiko, das die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihren geldpolitischen Entscheidungen kaum außer Acht lassen kann.

Zentralbanken bleiben auf Vorsichtskurs

Für die Fed und die EZB ergibt sich daraus ein klares Bild: Die Inflationsrisiken bleiben eng mit der Entwicklung der Energiepreise verknüpft. Solange keine nachhaltige und strukturelle Entspannung am Ölmarkt erkennbar ist, werden die Notenbanken laut ING zögern, auf kurzfristigen Marktoptimismus zu reagieren.

Die Botschaft der ING-Analysten ist damit eindeutig: Geopolitische Fortschritte allein reichen nicht aus, um die Geldpolitik zu drehen. Zentralbanken wie die Fed und die EZB orientieren sich an nachhaltigen Datentrends – und die zeigen beim Energiesektor noch keine klare Entwarnung. Anleger, die auf rasche Zinssenkungen infolge eines US-Iran-Deals spekulieren, könnten daher enttäuscht werden.

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