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Fed unter Warsh hält Zinsen stabil – was das bedeutet

Die neue Fed-Führung unter Kevin Warsh lässt die Zinsen unverändert – trotz anhaltend hoher Inflation und wachsender Belastung für US-Haushalte.

Fed unter Warsh hält Zinsen stabil – was das bedeutet

Die US-Notenbank Federal Reserve hält auf ihrer aktuellen Sitzung die Zinssätze stabil. Es ist die erste Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh, der von Präsident Donald Trump nominiert wurde. Für Millionen amerikanischer Haushalte, die unter hohen Lebenshaltungskosten leiden, bringt diese Entscheidung wenig Erleichterung.

Warsh hatte zuvor angedeutet, Zinssenkungen in Betracht zu ziehen. Doch die aktuelle Inflationsrate liegt etwa doppelt so hoch wie das langfristige Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent. Experten halten unter diesen Umständen eine Zinserhöhung für wahrscheinlicher als eine Senkung. „Amerikaner sollten damit rechnen, dass die Zinsen in naher Zukunft höher bleiben werden, als ihnen lieb ist", warnte Matt Schulz, Chef-Kreditanalyst bei LendingTree.

Neuer Maßstab für Inflation: Der „gestutzte Mittelwert"

Ein bemerkenswerter Aspekt des Führungswechsels an der Fed-Spitze ist Warshs bevorzugte Methode zur Inflationsmessung. Während Ökonomen und politische Entscheidungsträger – darunter auch der scheidende Vorsitzende Jerome Powell – traditionell auf die „Kerninflation" setzen, sprach sich Warsh bei seiner Bestätigungsanhörung im US-Senat im April für den sogenannten „gestutzten Mittelwert" (trimmed mean) aus.

Die Kerninflation klammert Energie- und Lebensmittelpreise aus, da diese von Monat zu Monat stark schwanken können. Der gestutzte Mittelwert geht einen Schritt weiter: Er schließt jene Kategorien von Waren und Dienstleistungen aus, bei denen die Preisänderungen im jeweiligen Monat am extremsten ausfielen – sowohl nach oben als auch nach unten. Die Annahme dahinter: Solche extremen Ausschläge beruhen auf „idiosynkratischen Faktoren", die sich von selbst abschwächen, und spiegeln keinen dauerhaften Inflationsdruck wider, erklärte Mark Zandi, Chefökonom bei Moody's.

Diese Unterscheidung ist für die Zinspolitik von erheblicher Bedeutung. Denn die beiden Messgrößen senden derzeit unterschiedliche Signale, wie Joe Seydl, Senior Markets Economist bei der J.P. Morgan Private Bank, betonte. Kerninflation und gestutzter Mittelwert entwickelten sich zuletzt in entgegengesetzte Richtungen: Die Kerninflation steige, während der gestutzte Mittelwert sinke. Welchem Maßstab die Fed künftig mehr Gewicht beimisst, könnte die Richtung der US-Geldpolitik maßgeblich beeinflussen.

Wie die Fed-Zinspolitik Verbraucher direkt trifft

Die Federal Reserve legt den sogenannten Fed Funds Rate fest – den Zinssatz, den sich Banken gegenseitig für kurzfristige Übernachtkredite berechnen. Dieser Leitzins wirkt sich direkt auf viele Kredit- und Sparzinsen für Verbraucher aus. Erhöht die Fed den Leitzins, verteuern sich Kredite für Verbraucher und Unternehmen, was die Wirtschaft und damit die Inflation abkühlen kann. Eine Zinssenkung hingegen kann die Ausgaben ankurbeln, birgt aber das Risiko steigender Preise.

Dabei gilt: Kurzfristige Zinssätze wie Kreditkartenzinsen sind eng an den Fed-Leitzins gekoppelt. Längerfristige Zinssätze wie Hypothekenzinsen werden stärker von der Inflation und anderen wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst. Für deutsche Anleger und Beobachter ist dies ein wichtiger Unterschied, da die Europäische Zentralbank (EZB) nach ähnlichen Mechanismen vorgeht.

K-förmige Erholung: Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter

Die anhaltend hohen Zinsen treffen nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich hart. Ökonomen sprechen von einer sogenannten „K-förmigen" Wirtschaftsentwicklung: Haushalte mit höherem Einkommen stehen zunehmend besser da, während einkommensschwächere Haushalte immer größere Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Zusätzlich belasten Zölle und geopolitische Spannungen die Budgets amerikanischer Familien. Eine Schätzung des Joint Economic Committee des US-Kongresses (Minderheitsfraktion) ergab, dass Zölle und der Krieg mit dem Iran jeden Haushalt zwischen 2025 und Mai 2026 mehr als 3.100 US-Dollar kosteten. Angesichts steigender Energiekosten und hoher Kreditkosten stehen viele US-Haushalte damit vor einer doppelten finanziellen Belastung – eine Entwicklung, die auch internationale Märkte und Anleger aufmerksam verfolgen.

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