Fed warnt Großbanken vor erneutem Widerstand gegen Kapitalregeln
Fed-Vizepräsidentin Bowman signalisiert Banken: Aggressive Lobbykampagnen gegen neue Basel-III-Regeln sind unerwünscht.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat Führungskräfte von Großbanken diskret aufgefordert, keinen massiven Widerstand gegen die überarbeiteten Eigenkapitalregeln zu leisten. Michelle Bowman, die für die Bankenaufsicht zuständige Vizepräsidentin der Fed, übermittelte diese Botschaft in Treffen mit Bankmanagern in den vergangenen Wochen. Dies berichten drei mit den Vorgängen vertraute Personen gegenüber Reuters.
Die Fed hatte im vergangenen Monat gelockerte Neuentwürfe der sogenannten „Basel III"-Regeln sowie der „GSIB-Zuschläge" vorgestellt. Nach Schätzungen der Zentralbank würden diese Entwürfe die Kapitalausstattung der US-Großbanken um rund 4,8 Prozent senken – ein erheblicher Sieg für die Branche. Zum Vergleich: Der ursprüngliche Plan der Fed aus dem Jahr 2023 hatte noch Kapitalerhöhungen von bis zu 20 Prozent vorgesehen und war von den Banken erbittert bekämpft worden.
Ungleiche Verteilung der Vorteile
Dennoch sind nicht alle Institute gleichermaßen zufrieden. In einer überraschenden Wendung erklärte JPMorgan, die größte US-Bank, dass ihre Kapitalquote unter dem neuen Plan tatsächlich um rund 4 Prozent steigen würde. JPMorgan-Chef Jamie Dimon bezeichnete die Vorschläge in seinem jährlichen Aktionärsbrief als weiterhin „sehr fehlerhaft" und nannte Aspekte davon „unamerikanisch". Andere Großbank-Führungskräfte äußerten sich während der Gewinnbekanntgaben dieser Woche und kündigten an, der Fed im Rahmen der offiziellen 90-tägigen Kommentierungsfrist Rückmeldungen zu geben.
Die Botschaft der Fed ist klar: Die Kommentare der Branche, die bis etwa Mitte Juni fällig sind, sollen begrenzt und spezifisch sein. Ein Sprecher der Fed lehnte eine offizielle Stellungnahme ab. Bowman und andere Fed-Vertreter betonten in den Gesprächen, dass sie hart daran gearbeitet hätten, die Beschwerden der Banken zu berücksichtigen – und erwarten daher keine Wiederholung der aggressiven Taktiken von 2023.
Erinnerung an die Lobbyschlacht von 2023
Die Großbanken hatten den Kapitalplan von 2023 mit einer beispiellosen Kampagne bekämpft. Diese umfasste intensive Lobbyarbeit bei Kongressabgeordneten, Plakatwände im Großraum Washington D.C., Werbespots zur Hauptsendezeit sowie Klagedrohungen. Die Banken argumentierten, strengere Kapitalanforderungen würden die Kreditvergabe einschränken und der Wirtschaft schaden. Jener ursprüngliche Plan war noch unter Bowmans demokratischem Vorgänger Michael Barr ausgearbeitet worden.
Bowman, eine Ernannte von Präsident Donald Trump, und Finanzminister Scott Bessent vertreten die Ansicht, dass Wirtschaftswachstum die Finanzstabilität stärke und die neuen Regeln sensibler auf reale Risiken reagieren würden. Kritiker hingegen warnen, dass lockerere Kapitalvorschriften Risiken für das gesamte Finanzsystem mit sich bringen könnten.
Zeitdruck durch Zwischenwahlen
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Zur AktienanalyseNeben dem inhaltlichen Druck spielt auch der politische Kalender eine Rolle. Die US-Zwischenwahlen im November gelten als weiterer Grund zur Eile, wie Führungskräfte und Analysten berichten. Diese Wahlen könnten eine oder beide Kammern des Kongresses den Demokraten zusprechen, die die Prüfung der Vorschläge verschärfen könnten. Einige Kritiker haben die gelockerten Regeln bereits als „Geschenk an die Wall Street" bezeichnet.
Bowman ist zudem darauf bedacht, die Unterstützung der demokratischen Fed-Gouverneure Lisa Cook und des stellvertretenden Vorsitzenden Philip Jefferson nicht zu verlieren, die für ihre Vorschläge gestimmt haben. Barr, der im vergangenen Jahr von seinem Posten in der Bankenaufsicht zurückgetreten war, aber weiterhin im Vorstand sitzt, stimmte dagegen. Obwohl die Republikaner im Fed-Vorstand die Mehrheit haben, strebt die Zentralbank traditionell nach breitem Konsens.
Bei einer Konferenz des Institute of International Finance in Washington signalisierte Bowman, dass sie die Regeln noch in diesem Jahr finalisieren wolle. „Ich bin sicher, dass nicht alles positiv sein wird, aber ich hoffe, dass wir das richtige Gleichgewicht gefunden haben. Ich halte es für einen sehr moderaten, vernünftigen Vorschlag", sagte sie. Für deutsche Anleger und Banken ist die Entwicklung relevant, da die Basel-III-Regeln international abgestimmte Standards darstellen und eine Lockerung in den USA den globalen Regulierungsrahmen beeinflussen könnte.


