Fed-Zinsentscheidung: Erstmals seit Jahren droht eine Zinserhöhung
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung ist auf rund ein Drittel gestiegen – so ungewiss war der Ausgang seit Jahren nicht mehr.

Die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve wird zur echten Zitterpartie. Noch im Mai gingen Händler an den Terminmärkten davon aus, dass eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt nahezu ausgeschlossen sei. Inzwischen ist die implizite Wahrscheinlichkeit für eine solche Anhebung auf rund ein Drittel gestiegen – ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung in kurzer Zeit.
Hintergrund dieser Entwicklung ist ein grundlegender Wandel in der Kommunikationsstrategie der Fed. Der neue Vorsitzende Kevin Warsh hat die sogenannte „Forward Guidance" – also das Prinzip, Märkte durch gezielte Andeutungen auf künftige Zinsentscheidungen vorzubereiten – aufgegeben. Stattdessen hat er versprochen, die Daten sprechen zu lassen. Damit ist die Vorhersehbarkeit, die Fed-Sitzungen zuletzt auszeichnete, vorerst Geschichte.
Warsh bricht mit der Tradition seiner Vorgänger
Dieser Kurswechsel hat unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte. Denn ohne klare Signale aus der Notenbank müssen Anleger und Händler stärker auf Konjunkturdaten und Marktentwicklungen reagieren – was die Volatilität erhöht. Der schleichende Verdacht, dass die Fed zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren die Zinsen anheben könnte, ist damit keineswegs abwegig.
Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf die jüngste Fed-Sitzung im Juni – die erste unter Warshs Vorsitz. Dort sahen neun von 18 Teilnehmern mindestens eine Zinserhöhung im laufenden Jahr voraus. Bei der vorangegangenen Sitzung hatte noch kein einziger Teilnehmer eine solche Erwartung geäußert. Von den 18 Teilnehmern sind allerdings nur 12 stimmberechtigt, was die tatsächliche Mehrheitsfindung zusätzlich spannend macht.
Marktumfeld bleibt angespannt
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld trägt zur Unsicherheit bei. Die Renditen von US-Staatsanleihen kokettieren mit Mehrjahreshochs, was den Druck auf die Notenbank erhöht. Noch im Mai hatten sich die Rahmenbedingungen entspannter dargestellt: Im Nahen Osten war Frieden eingekehrt, und die Ölpreise verzeichneten ihr schwächstes Quartal seit Jahren – beides Faktoren, die den Inflationsdruck milderten und eine Zinserhöhung unwahrscheinlich erscheinen ließen.
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Zur AktienanalyseInzwischen hat sich das Bild verändert. Die Ölpreise stiegen im laufenden Monat um ein Drittel an, gaben zuletzt jedoch wieder nach. Gleichzeitig laufen die befristeten Zölle von Präsident Trump aus – an ihre Stelle treten neue Maßnahmen gegen Zwangsarbeit, die nach Einschätzung von Beobachtern für Richter schwerer anfechtbar sein dürften. Eine Preisentlastung durch den Wegfall der meisten Abgaben wäre angesichts der hohen Anleiherenditen willkommen gewesen.
An den Aktienmärkten deuten die Futures nach dem Tech-Ausverkauf vom Donnerstag auf eine moderate Erholung zum Wochenabschluss hin. Für deutsche Anleger mit Engagements in US-Aktien oder Dollar-Anlagen bleibt die Lage damit unübersichtlich: Die kommende Fed-Sitzung dürfte zu einem der meistbeachteten geldpolitischen Ereignisse der jüngeren Zeit werden.


