Fed-Zinserhöhungen setzen Märkte, Gold und Aktien unter Druck
Märkte preisen bis zu drei Fed-Zinserhöhungen ein – Realrenditen steigen, Dollar erstarkt, Risikoanlagen geraten ins Wanken.

Die US-Notenbank Federal Reserve tritt am Mittwoch zusammen, wobei Fed-Funds-Futures und Overnight Index Swaps keine unmittelbare Änderung der Geldpolitik erwarten. Dennoch preisen die Swaps bereits eine Wahrscheinlichkeit von 42 % für eine Zinserhöhung ein. Da vor der Sitzung kaum neue Daten vorliegen, gilt der September als nächste realistische Gelegenheit für einen Zinsschritt – möglicherweise gefolgt von ein oder zwei weiteren Erhöhungen.
Der Markt nimmt diese Entwicklung bereits vorweg. Die Rendite der 3-monatigen US-Schatzanweisungen (T-Bills) ist gegenüber ihrem Tiefststand zu Jahresbeginn um rund 25 Basispunkte gestiegen. Der 12-Monats-Forward-Satz preist weitere 50 Basispunkte über diesem Niveau ein – was insgesamt bis zu drei Zinserhöhungen in den nächsten zwölf Monaten impliziert.
Auch die Realrenditen haben kräftig zugelegt: Der 5-jährige Realzins liegt bei etwa 2,16 %, der 10-jährige bei 2,40 %. Bemerkenswert ist dabei, dass die 5-jährige Breakeven-Rate trotz eines Ölpreisanstiegs von rund 70 Dollar je Barrel Anfang Juli auf 89 Dollar bei etwa 2,24 % verharrt. Während Breakeven-Raten beim ersten Ölpreissprung noch reagierten, blieb eine Bewegung diesmal aus – ein Hinweis darauf, dass der Markt eine Fed einpreist, die aktiv reagiert und die Finanzierungsbedingungen bereits im Vorfeld verschärft.
Dollar erstarkt, Yen auf Jahrzehnte-Tiefs
Der US-Dollar hat gegenüber dem Yen, dem Euro und dem Pfund Sterling deutlich an Stärke gewonnen. Der Euro scheint technisch eine Bärenflagge gebildet zu haben. Beim Yen sind Niveaus erreicht worden, die seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden – jenseits der Marke von 164 gibt es kaum Widerstand bis 180 oder gar 200. Rein technisch würde eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation bei einem Durchbruch der Nackenlinie sogar in Richtung 260 deuten, was jedoch mit großen Fragezeichen versehen bleibt.
Im internationalen Vergleich der Notenbanken zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Bank of Japan hat bislang keine einzige Zinserhöhung eingepreist. Die Bank of Korea hingegen hat die Zinsen bereits am 15. Juli angehoben und dürfte im August rund 3 % erreichen, mit einer weiteren Erhöhung im November. Der südkoreanische Won hat infolgedessen deutlich an Wert gewonnen. Die Fed dürfte aggressiver vorgehen als EZB, Bank of England und Bank of Japan – jedoch weniger aggressiv als die Bank of Korea.
Kreditmärkte zeigen erste Warnsignale
Im Kreditbereich zeigen sich erste, noch schwache Auswirkungen der veränderten Zinserwartungen. Der optionsbereinigte Spread für AAA-Anleihen hat sich wieder auf das Niveau vom März ausgeweitet. High-Yield-Spreads haben sich zwar noch nicht ausgeweitet, doch wäre dies zu erwarten, sollten AAA-Spreads ihren Trend fortsetzen. Auch die ETFs HYG und LQD haben sich zuletzt schwach entwickelt.
Noch braut sich kein größeres Kreditproblem zusammen, doch die sich ausweitenden Unternehmensspreads sind ein weiteres Zeichen für eine Straffung der Finanzierungsbedingungen – auch wenn der wöchentliche, nachlaufende NFCI (National Financial Conditions Index) dies noch nicht widerspiegelt.
Gold, Silber und Bitcoin unter Druck
Für Risikoanlagen ist die Kombination aus steigenden Realrenditen, einem stärkeren Dollar und strafferen Finanzierungsbedingungen keine günstige Ausgangslage. Gold musste deutliche Einbußen hinnehmen und konnte nicht signifikant über seinem gleitenden 20-Tage-Durchschnitt schließen – das Momentum ist abwärts gerichtet, Unterstützungen liegen nicht weit darunter. Silber zeigt ein ähnliches Bild. Bitcoin scheiterte an einem Widerstand, sodass ein Einbruch der Momentum-Indikatoren auch hier eine Trendwende signalisieren könnte.
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Zur AktienanalyseBei den Aktien schloss der Nasdaq 100 unter einem früheren Intraday-Tief, das die Nackenlinie eines Konsolidierungsmusters markieren könnte – ein Hinweis auf weiteren Rückgangsdruck. Der Halbleiter-ETF SMH befindet sich in einem Abwärtstrend, und sein Volatilitätsindex steigt nicht mehr mit dem Kurs. Diese Abweichung deutet auf eine Rückkehr zum normalen Marktregime hin, bei dem Volatilität steigt und Kurse fallen – anstatt der zuletzt beobachteten Dynamik aus steigender Volatilität, steigenden Spot-Preisen und Gamma-Squeezes.
Der erstarkende Won spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Samsung und SK Hynix profitieren von einem schwächeren Won. Sollte der Won Teil eines Carry-Trades bei Halbleiterwerten gewesen sein, wäre dessen Auflösung ein weiterer Belastungsfaktor für den Sektor.
Der S&P 500 versuchte zuletzt einen Ausbruch nach oben, fällt nun aber durch ein Diamant-Muster wieder unter seinen exponentiellen 10-Tage-Durchschnitt zurück. Knapp darunter liegen noch beträchtliche Unterstützungen, die erst durchbrochen werden müssten. Sollten die Realrenditen weiter steigen, könnten die Märkte unter Druck bleiben. Und wenn der Markt weiterhin bis zu drei Zinserhöhungen einer Fed einpreist, die weniger Forward Guidance gibt, könnte unter der Oberfläche eine Momentum-Wende stattfinden – bei der bisher erfolgreiche Trades aufgelöst werden, während angeschlagene Aktien zu einer Erholung ansetzen.


