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Fernsteuerung statt Fahrer: Innovation in deutschen Häfen

Start-up und Hafenbetreiber testen autonome Trucks zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung

Fernsteuerung statt Fahrer: Innovation in deutschen Häfen

In deutschen Häfen wird bald ein neues Kapitel in der Logistik aufgeschlagen: Fernride, ein Münchener Start-up, entwickelt ferngesteuerte Zugmaschinen, die mithilfe eines sicherheitsvalidierten Systems des TÜV Süd bereits erste Testeinsätze absolvieren. Gemeinsam mit der Hamburger Hafengesellschaft HHLA testet Fernride das Konzept im Hafen von Tallinn, Estland. Durch ferngesteuerte Lkw und Zugmaschinen versprechen sich die Unternehmen erhebliche Kosteneinsparungen. Die Technologie ermöglicht es, Fahrzeuge aus der Ferne zu starten, zu lenken und zu stoppen, wodurch die Abhängigkeit von der zunehmend knappen Ressource menschlicher Lkw-Fahrer reduziert wird.

Das Fehlen von Lkw-Fahrern ist ein gravierendes Problem in Deutschland, wo Branchenstudien zufolge 70.000 Fahrer fehlen. Während vollständig autonome Lkw im Straßenverkehr aufgrund der komplexen Anforderungen noch eine Vision bleiben, ermöglichen Betriebsflächen in Häfen und Logistikzentren eine begrenzte Automatisierung. Die europäische CE-Zertifizierung, die Fernride derzeit anstrebt, wäre ein weiterer Schritt, um den Betrieb der Zugmaschinen in verschiedenen EU-Ländern zu ermöglichen. Diese Zertifizierung stellt sicher, dass die Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz der EU erfüllt werden.

Im Hamburger Hafen teilen sich Computer und ein Lkw-Fahrer die Steuerung der Fahrzeuge. Lange Strecken zwischen Verladekränen werden autonom zurückgelegt, während sich ein Fahrer für komplexe Manöver wie Rangierarbeiten aus der Ferne zuschaltet. Dabei sitzt er in einer Zentrale, verfolgt die Bewegungen der Fahrzeuge über Kameras und steuert sie bei Bedarf. Für diese Arbeit sind ein Lkw-Führerschein und eine spezielle Schulung erforderlich. Fernride plant, dass ein Fahrer künftig bis zu einhundert Zugmaschinen gleichzeitig betreuen könnte.

Die Zugmaschinen sind mit hochentwickelten Sensoren wie Lidar, Radar und Kameras ausgestattet, die kontinuierlich Daten sammeln, das Verhalten in bestimmten Situationen erlernen und so das System optimieren. Hendrik Kramer, Vorstandschef und Mitgründer von Fernride, beschreibt diese Weiterentwicklung als eine Transformation der Fahrer zu einer „Art Fluglotsen“. Durch die Automatisierung könnten die Personal- und Transportkosten, die in der Logistik einen großen Anteil der Gesamtkosten ausmachen, drastisch gesenkt werden.

Fernride, eine Ausgründung der Technischen Universität München, konnte bereits rund 70 Millionen Euro Kapital von Investoren wie Munich Re, HHLA und Schenker einsammeln. Neben der technischen Ausrüstung sieht das Start-up einen wertvollen Vorteil in den Daten, die zur Optimierung des Systems beitragen. Der nächste Schritt ist die Automatisierung weiterer Bereiche wie Betriebshöfe von Logistikunternehmen oder Baustellen.

HHLA LKWsTechnologie

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