Ferrari-Aktie erholt sich: Warum Analysten weiteres Potenzial sehen
Nach dem Kursrückgang durch das Elektromodell Luce notiert Ferrari 14% höher – und Analysten sehen noch deutlich mehr Luft nach oben.

Ferrari hat die Kursdelle nach der Präsentation seines ersten Elektrofahrzeugs überwunden. Die Aktie des italienischen Luxusautoherstellers notiert inzwischen 14% höher als vor dem Debüt des Modells Luce, das Ende Mai vorgestellt wurde. Investoren und Konsumenten hatten das Design des Elektroautos als zu weit von der Markenphilosophie entfernt kritisiert – ein Urteil, das den Kurs zunächst deutlich belastete.
Trotz der jüngsten Erholung befindet sich Ferrari noch immer in einer längeren Schwächephase. Im vergangenen Jahr verlor die Aktie insgesamt 24% an Wert. Besonders schmerzhaft war der Oktober 2025, als das Papier allein um 17% einbrach – ausgelöst durch enttäuschende Finanzprognosen des Managements.
Analysten sehen erhebliches Aufwärtspotenzial
Die Bank of America bekräftigte Anfang letzter Woche ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 403 auf 458 US-Dollar an. Das impliziert ein Aufwärtspotenzial von knapp 22% gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Einen Tag später nahm auch Wolfe Research die Beobachtung der Ferrari-Aktie mit einer Kaufempfehlung auf und nannte ein impliziertes Kursziel von 436 US-Dollar für die italienische Notierung. Laut dem Datenanbieter LSEG bewerten 14 von 15 Analysten, die Ferrari beobachten, die Aktie mit „Buy" oder „Strong Buy".
Ausschlaggebend für den neuen Optimismus ist unter anderem die Vorstellung des Ferrari 12 Cilindri Manuale – eines Zwölfzylinders mit 6-Gang-Schaltgetriebe und elektronischer Kupplung zum Preis von 675.000 US-Dollar. Bank-of-America-Analyst Horst Schneider sieht in dem Modell einen direkten Ausgleich für die erwarteten geringeren Absatzzahlen des Luce. „Wir senken unsere Prognose für den Luce (BEV) ab dem Geschäftsjahr 2027 von 1.000 auf 500 Einheiten, addieren jedoch 500 Einheiten für den 12 Cilindri Manuale im Zeitraum 2027 bis 2029. Der Umsatzausgleich ist nahezu perfekt, da beide Fahrzeuge auf einem weitgehend ähnlichen Preisniveau liegen", schrieb Schneider.
Der Analyst betonte zudem die strategische Bedeutung des neuen Modells: „Für Optimisten ist der Manuale nach den Design-Bedenken beim Luce eine große Erleichterung; für Skeptiker verringert er das Risiko, dass die Unsicherheit um den Luce zu einem Gewinnproblem in den Jahren 2027 bis 2029 wird."
Elektrifizierungsrisiko laut Wolfe übertrieben
Auch Wolfe-Research-Analyst Emmanuel Rosner sieht das Elektrifizierungsrisiko bei Ferrari als überschätzt an. Ferrari habe bereits Schritte unternommen, Elektrofahrzeugen eine geringere Priorität einzuräumen, und gleichzeitig „entscheidendes Know-how aufgebaut, das es vor die Konkurrenz stellen wird, falls der Markt verstärkt elektrifizierte Fahrzeuge nachfragt", so Rosner. „Das Unternehmen hat aus seiner ersten Begegnung mit alternativen Antriebssträngen wichtige Lehren gezogen."
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Zur AktienanalyseRosner sieht das laufende Jahr als Übergangsjahr, das Ferrari auf ein rasches Wachstum im Jahr 2027 vorbereite, wenn neue Modelle das Absatzvolumen und die Gewinnmargen ankurbeln sollen. Dabei spricht die Unternehmenshistorie für Ferrari: Mit Ausnahme der Corona-Pandemie habe der Konzern „beständig Ergebnisse geliefert, die über den ursprünglichen Prognosen lagen", so der Analyst. Ferrari neige dazu, tiefzustapeln und dann die Erwartungen zu übertreffen.
Der nächste Quartalsbericht von Ferrari wird voraussichtlich Ende Juli veröffentlicht. Anleger dürften dann genauer hinschauen, wie sich die Nachfrage nach dem Luce entwickelt und ob das Management seine Prognosen erneut konservativ formuliert.


