Ferrari Q2-Zahlen: Erwartungen verfehlt, Prognose trotzdem angehoben
Ferrari enttäuschte im zweiten Quartal die Analystenerwartungen, hob aber die Jahresprognose für 2026 an – lohnt sich der Einstieg?

Ferrari (RACE) hat mit seinen Ergebnissen für das zweite Quartal die hohen Erwartungen der Analysten nicht ganz erfüllt. Der Umsatz stieg zwar um 8 Prozent auf knapp 1,94 Milliarden Euro (rund 2,23 Milliarden US-Dollar), lag damit aber unter der Konsensschätzung von 2,15 Milliarden Euro. Der Aktienkurs gab daraufhin nach, der Rückgang hielt sich jedoch in Grenzen – ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen der Anleger in den Luxusautobauer grundsätzlich intakt bleibt.
Der Nettogewinn kletterte um 9 Prozent auf 463 Millionen Euro (533 Millionen US-Dollar), was einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 2,62 Euro (3,02 US-Dollar) entspricht. Analysten hatten hier 2,85 Euro (3,28 US-Dollar) je Aktie erwartet. Trotz der verfehlten Ziele zeigt die Richtung der Kennzahlen klar nach oben.
Bemerkenswert: Die Gesamtauslieferungen sanken im Quartal um 4 Prozent auf 3.366 Fahrzeuge. Der Rückgang betraf drei der vier vom Unternehmen erfassten Regionen – Amerika, Festlandchina/Hongkong/Taiwan sowie den übrigen asiatisch-pazifischen Raum. Einzig die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) legte zu: Dort stiegen die Auslieferungen um 13 Prozent auf 1.856 Fahrzeuge, was 55 Prozent des Gesamtabsatzes entspricht.
Elektroauto Luce sorgt für gemischte Reaktionen
Ein zentrales Thema des Quartals war die Vorstellung des Ferrari Luce, dem ersten vollelektrischen Fahrzeug der Marke, das im Mai enthüllt wurde. Ferrari hatte den Einstieg in den E-Auto-Markt jahrelang hinausgezögert. Die Ankündigung wurde von vielen Fans und Beobachtern nicht enthusiastisch aufgenommen – das klassische Ferrari-Bild ist das eines leistungsstarken Verbrenners, nicht eines Fahrzeugs an der Ladestation.
Die anhaltend kritische Stimmung rund um den Luce dürfte laut Analysten zum Kursrückgang nach den Quartalszahlen beigetragen haben. Einige Marktteilnehmer zeigen sich skeptisch gegenüber dem späten Bekenntnis des Unternehmens zur Elektromobilität. Gleichzeitig bleibt der globale E-Auto-Markt insgesamt unter Druck, was die Zurückhaltung der Anleger zusätzlich erklären könnte.
Positiv zu vermerken ist hingegen die Entwicklung im Kerngeschäft mit Automobilen, das 84 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Ferrari führte den zweistelligen Umsatzanstieg auf einen „positiven Produktmix" sowie eine gestiegene Nachfrage nach personalisierten Fahrzeugen zurück. Geringere Abschreibungen durch Modellwechsel trugen ebenfalls zur Gewinnsteigerung bei.
Prognose für 2026 angehoben
Das Management zeigte sich trotz der gemischten Quartalszahlen zuversichtlich für die kommenden Monate. Ferrari hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 7,5 Milliarden Euro auf rund 7,6 Milliarden Euro an. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,15 Milliarden Euro.
Auch die Prognose für den bereinigten Nettogewinn je Aktie wurde leicht nach oben korrigiert: Sie liegt nun bei 9,68 Euro (11,14 US-Dollar), gegenüber zuvor mindestens 9,45 Euro (10,88 US-Dollar). Im Jahr 2025 hatte Ferrari einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,96 Euro (10,32 US-Dollar) erzielt – die neue Prognose liegt damit deutlich darüber.
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Zur AktienanalyseBewertung: Luxusgut statt Autoaktie
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die Aktie trotz des hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von knapp 35 (auf Basis der erwarteten Gewinne) attraktiv ist. Zum Vergleich: Massenmarkt-Hersteller wie General Motors oder Toyota werden deutlich günstiger bewertet. Selbst der E-Auto-Pionier Tesla liegt in einer anderen Bewertungskategorie.
Ferrari rechtfertigt diesen Aufschlag aus zwei Gründen: Erstens fertigt das Unternehmen limitierte Stückzahlen extrem hochwertiger Spezialfahrzeuge und wird daher eher wie ein Luxusgüterhersteller bewertet als wie ein klassischer Autobauer. Zweitens gilt Ferrari als weitgehend rezessionsresistent – die wohlhabende Kundschaft legt Geld für High-End-Fahrzeuge beiseite, unabhängig von der konjunkturellen Lage. Diese Kombination aus Exklusivität und Krisenresistenz bleibt das stärkste Argument für ein Investment in die RACE-Aktie.


