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FEV in der Krise: Aachener Ingenieursschmiede sucht neues Geschäftsmodell

Verluste, Stellenabbau und sinkende Umsätze: Der Ingenieurdienstleister FEV kämpft mit den Folgen der Autokrise und setzt auf neue Branchen.

FEV in der Krise: Aachener Ingenieursschmiede sucht neues Geschäftsmodell

Der Aachener Ingenieurdienstleister FEV präsentierte auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA zuletzt seine Visionen für die Energiewende in der Luft. Hocheffiziente Brennstoffzellen sollen künftig Leichtflugzeuge und Tragschrauber antreiben, daneben arbeitet das Unternehmen an Wasserstoffverbrennungsmotoren, alternativen Flugkraftstoffen und Batteriesystemen. Der Blick gen Himmel kommt nicht von ungefähr: Am Boden, im kriselnden Automotive-Geschäft, läuft es für FEV derzeit alles andere als rund.

Dabei galten die Aachener lange als die deutsche Auto-Ingenieursschmiede schlechthin. Franz Pischinger, damals Professor für Verbrennungskraftmaschinen an der RWTH Aachen, gründete das Unternehmen 1978 unter dem Namen „Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren". FEV half Autoherstellern und -zulieferern, ihre Antriebe weiterzuentwickeln, expandierte auf fast alle Kontinente und wuchs rasant.

Solange deutsche Fahrzeuge weltweit gefragt waren, zeigte die Kurve nach oben. Selbst Konjunkturdellen konnten durch den Trend zu mehr Fahrzeugtechnik und den Umbau zur Elektromobilität abgefedert werden. Doch nach dem Corona-bedingten Einbruch erholte sich das Geschäft nur schleppend – erst 2023 schrieb FEV wieder schwarze Zahlen. Nur ein Jahr später traf die Autoindustriekrise das Unternehmen mit voller Wucht.

Rote Zahlen und schrumpfende Umsätze

Im Geschäftsjahr 2024 verbuchte die FEV Group GmbH einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 22,9 Millionen Euro. Der Umsatz brach um 121,3 Millionen Euro auf 748,7 Millionen Euro ein, auch der Auftragseingang gab deutlich nach. Im Jahresabschluss spricht das Unternehmen selbst von einem „Transformations- und Restrukturierungsprozess".

Für 2025 prognostizierte die Geschäftsführung einen weiteren Rückgang der Gesamtleistung auf 624 Millionen Euro sowie einen Vorsteuerverlust von 64,5 Millionen Euro. Erst 2026 soll sich die Lage stabilisieren – allerdings mit einem immer noch negativen Vorsteuerergebnis von rund 4 Millionen Euro. Ob diese Prognosen eingetreten sind, ließ ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der WirtschaftsWoche offen.

Klar äußerte sich FEV jedoch zu den Ursachen: Der Mobilitätssektor befinde sich in einem tiefgreifenden Wandel, kombiniert mit Unsicherheiten über künftige Antriebsformen. Hinzu kämen eine instabile Weltwirtschaftslage und unklare politische Rahmenbedingungen. „Wir spüren daher eine erhöhte Kostensensibilität bei unseren Kunden" und eine „Zurückhaltung der Industrie bei Entwicklungsinvestitionen", so der FEV-Sprecher. Kunden übernähmen Entwicklungsumfänge zunehmend selbst oder setzten diese ganz aus.

Energie, Verteidigung, Luftfahrt: Sieben neue Wachstumsfelder

Um die Rückgänge im Automotive-Bereich zu kompensieren, hat FEV sieben neue Zielbranchen identifiziert: Neben der Energiewirtschaft sollen die Schifffahrts-, Bahn- und Verteidigungsindustrie sowie der Aerospace-Sektor künftig für Wachstum sorgen. Diese Diversifizierung sei in den Jahren 2024 und 2025 mit einmaligen Aufwendungen verbunden gewesen, solle aber langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Der Weg vom Automotive-Spezialisten zum Allround-Ingenieursdienstleister ist jedoch steinig. Neue Geschäftsfelder erfordern teils langwierige Genehmigungsverfahren – etwa im Rüstungsbereich. Zudem lässt sich das spezialisierte Know-how von Kfz-Ingenieuren nicht ohne Weiteres auf andere Industrien übertragen. Der Stellenabbau spiegelt diese Herausforderungen wider: 2023 beschäftigte FEV noch 7.400 Mitarbeiter, aktuell sind es weltweit noch rund 5.600.

Im Vergleich zu Wettbewerbern wie IAV fiel der Personalabbau bislang noch moderat aus. Auch die Finanzlage ist trotz der Verluste nicht hoffnungslos: Die Eigenkapitalquote lag 2024 bei soliden 25,5 Prozent. Im Dezember 2025 sicherte sich FEV zudem einen neuen Konsortialdarlehensvertrag, der bis Ende 2028 eine Finanzierung von 184,3 Millionen Euro bereitstellt – vorausgesetzt, die vereinbarten Kreditauflagen (Covenants) werden eingehalten.

Bis Ende 2028 hat FEV damit Zeit, den Konzernumbau erfolgreich abzuschließen. Spätestens dann muss das Unternehmen liefern – zu Land, zu Wasser und in der Luft.

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