Finanzsektor im Fokus: Goldman Sachs, FASB und UK-Reformen
Drei wichtige Entwicklungen bewegen den globalen Finanzdienstleistungssektor: Goldman Sachs in Kanada, neue FASB-Regeln und britische Deregulierung.

Die Bank of Canada hat Goldman Sachs offiziell als Distributor und Händler für Schatzanweisungen und Anleihen der kanadischen Regierung zugelassen. Damit darf Goldman Sachs künftig am Tender- und Auktionsverfahren für kanadische Staatsanleihen teilnehmen. Die Bank of Canada fungiert dabei als Fiskalagent der kanadischen Regierung und ist für die Abwicklung dieser Auktionen verantwortlich.
Wichtig für Anleger: Goldman Sachs ist nicht in die Gruppe der sogenannten Primärhändler aufgenommen worden. Diese exklusive Untergruppe darf Gebote für bis zu 25 Prozent der auktionierten Beträge abgeben. Als Distributor ist Goldman Sachs hingegen auf Gebote von maximal 9 Prozent der Auktionsvolumina beschränkt. Die Aufnahme in den Händlerkreis stärkt dennoch die Marktpräsenz der US-Investmentbank im kanadischen Staatsanleihenmarkt.
FASB prüft neue Offenlegungsregeln für Private-Credit-Fonds
Das Financial Accounting Standards Board (FASB) – die zuständige US-Behörde für Rechnungslegungsstandards – hat beschlossen, ein Projekt zur potenziellen Standardsetzung für Private-Credit-Investmentfonds in seine Agenda aufzunehmen. Hintergrund sind zunehmende Turbulenzen im Sektor, darunter Gewinnrückgänge infolge von Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, steigende Kreditausfälle sowie wachsende Sorgen der Anleger.
Private-Credit-Fonds bewerten ihre Anlagen nach bestehenden Regeln zum beizulegenden Zeitwert, dem sogenannten Fair Value. Dabei stützen sie sich stark auf nicht beobachtbare Parameter wie intern erstellte Cashflow-Prognosen – ein Verfahren, das Kritikern zufolge wenig Transparenz bietet. Anders als andere Unternehmen sind Private-Credit-Fonds bislang nicht verpflichtet, bestimmte kreditspezifische Offenlegungen zu leisten.
FASB-Vorstandsmitglieder erklärten, das neue Projekt solle darauf abzielen, Anlegern bessere Einblicke in die zugrunde liegenden Investitionen zu ermöglichen. Für deutsche Privatanleger, die zunehmend in alternative Kreditfonds investieren, könnte eine erhöhte Transparenzpflicht in den USA als Vorbild für europäische Regulierungsinitiativen dienen.
Großbritannien: Chancen und Risiken der Finanzmarktreformen
Während das Vereinigte Königreich dringend benötigte Reformen für seinen Finanzsektor vorlegt, mahnt Hugh Fairclough von der Beratungsgesellschaft RSM zur Vorsicht. Laut Fairclough ist die Produktivität im britischen Finanzsektor seit 2010 um 11 Prozent gesunken – eine direkte Folge der nach der globalen Finanzkrise 2008 verschärften Regulierungen.
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Zur AktienanalyseEin Abbau dieser regulatorischen Belastung könnte das Wachstum ankurbeln, so Fairclough. Gleichzeitig warnt er jedoch vor den Risiken einer unkontrollierten Deregulierung: Verbraucherschutz und die Vermeidung von Betrug sowie einer erneuten Finanzkrise müssten oberste Priorität bleiben.
„Wachstumsorientierte Reformen sind nur dort erfolgreich, wo Deregulierung mit einer strengeren Rechenschaftspflicht und nicht mit schwächerem Schutz einhergeht", betonte Fairclough. Diese Einschätzung ist auch für die laufende Debatte in der Europäischen Union und Deutschland relevant, wo ähnliche Abwägungen zwischen Wettbewerbsfähigkeit und regulatorischer Stabilität geführt werden.


