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Finanzspritze für Krisenkonzern Baywa

Schuldenabbau durch Gesellschafterdarlehen und geplante Unternehmensverkäufe

Finanzspritze für Krisenkonzern Baywa

Der Krisenkonzern Baywa hat sich durch ein Darlehen seiner Gesellschafter finanziellen Spielraum verschafft. Das Unternehmen, ein hochverschuldeter Agrar- und Baustoffhändler, steht weiterhin unter großem Druck. Die Eigentümer aus dem Genossenschaftssektor haben dem Unternehmen eine Liquiditätsspritze in Form eines Darlehens zugesagt. Branchenkreise bezeichneten dies als positives Signal, wiesen jedoch darauf hin, dass die Kernprobleme damit nicht gelöst seien.

Baywa geriet durch eine aggressive Expansion in Schwierigkeiten. In Zeiten niedriger Zinsen weitete das Unternehmen seine Geschäfte weltweit aus und übernahm beispielsweise ein Apfelgeschäft in Neuseeland. Die Schulden stiegen auf über fünf Milliarden Euro, was sich mit der Zinswende rächte. Im vergangenen Jahr verzeichnete Baywa aufgrund hoher Zinszahlungen erstmals in ihrer Geschichte Verluste. Daraufhin beauftragte der Konzern die Beratungsgesellschaft Roland Berger mit einem Sanierungsgutachten.

Das Gesellschafterdarlehen soll ein Volumen von 50 bis 60 Millionen Euro haben. Diese Pläne wurden auch im „Platow Brief“ thematisiert und sind nun in trockenen Tüchern. Baywa wollte die Informationen jedoch nicht kommentieren. Parallel dazu finden intensive Verhandlungen mit den Gläubigern statt, da niemand ein Interesse daran hat, dass Baywa in noch größere Schwierigkeiten gerät.

Die Mehrheit an Baywa wird vom Genossenschaftssektor gehalten. Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs AG ist mit 33,8 Prozent und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest AG mit 28,3 Prozent beteiligt. Rund 38 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. In den letzten Wochen hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert und sank am Mittwoch zeitweise auf etwa 9,50 Euro.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) versucht, die Interessen enttäuschter Anleger zu bündeln. Viele Landwirte, die auch Aktionäre sind, sehen die Baywa-Aktie als wichtigen Teil ihrer Altersvorsorge. Die Anleihegläubiger benötigen eine starke Vertretung, um im Zuge der Sanierung nicht benachteiligt zu werden, so DSW-Geschäftsführerin Daniela Bergdolt.

Ein erster Schritt der Sanierung sieht vor, dass Baywa die Mehrheit an der Tochtergesellschaft Baywa Re, die unter anderem Solar- und Windparks entwickelt, abgibt. Anteile sollen an den Mitgesellschafter, den schweizerischen Infrastrukturinvestor EIP, verkauft werden. Kurzfristig wird jedoch kein Abschluss erwartet, da aktuell akutere Themen im Vordergrund stehen.

Baywa Re ist für einen Teil der Probleme des Konzerns verantwortlich. Die Zinswende erschwert den Verkauf fertiger Projekte, was das gebundene Kapital länger bindet und Projektrisiken erhöht. Der Verkaufserlös könnte den Schuldenberg des Konzerns verringern. Das Solarhandelsgeschäft mit PV-Modulen soll jedoch zunächst bei Baywa verbleiben, da es besser zum Kerngeschäft passt.

Erste personelle Konsequenzen wurden bereits gezogen. Die Finanzvorständin der Baywa Re musste mit sofortiger Wirkung gehen, und ein Organisationsexperte soll die Kontrolle im Vorstand der Tochtergesellschaft verbessern. Weitere personelle Veränderungen im Konzern sind wahrscheinlich.

Die Baywa Re erzielte zuletzt einen Umsatz von etwa 5,8 Milliarden Euro, hauptsächlich durch die Entwicklung von Solar- und Windparks. Die steigenden Zinsen erschweren jedoch den Verkauf nach Fertigstellung der Projekte. Baywa selbst expandierte im Laufe der Jahrzehnte in verschiedene Felder und Regionen. Im vergangenen Jahr sanken die Erlöse um elf Prozent auf knapp 24 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis um 40 Prozent auf 304 Millionen Euro einbrach. Unter dem Strich stand ein Verlust von 93 Millionen Euro.

Die Probleme führten auch zu einem Machtkampf zwischen dem ehemaligen Baywa-Chef Klaus Josef Lutz und seinem Nachfolger Marcus Pöllinger. Lutz verlor und trat als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. In einem Interview kritisierte er Pöllinger und äußerte Zweifel an dessen Eignung für die aktuellen Herausforderungen. Die Unternehmensstruktur von Baywa, die genossenschaftlich geprägt und zugleich börsennotiert ist, trägt zur Komplexität der Situation bei.

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