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Firmenpleiten in Deutschland auf Rekordniveau

Experten sehen Nachholeffekt, Standortprobleme und auslaufende Corona-Hilfen als Ursachen

Firmenpleiten in Deutschland auf Rekordniveau

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland nimmt weiter zu und erreicht Höchststände, wie sie zuletzt vor rund zehn Jahren beobachtet wurden. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Juni 2,4 Prozent mehr Regelinsolvenzen bei den Amtsgerichten angemeldet als im Vorjahresmonat. Zwar war im Mai erstmals seit März 2023 ein rückläufiger Trend bei den Insolvenzzahlen zu erkennen, doch der erneute Anstieg im Juni deutet auf eine weiterhin angespannte Lage hin.

Besonders deutlich wurde der Trend im April: Mit 2.125 endgültig beantragten Firmeninsolvenzen wurde der höchste April-Wert seit elf Jahren registriert – ein Anstieg um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht darin eine Fortsetzung einer zunehmenden Insolvenzwelle. Betroffen sind vor allem die Bereiche Verkehr und Lagerei, das Baugewerbe sowie das Gastgewerbe. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich aktuell auf rund 2,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein deutlicher Rückgang, damals hatten wirtschaftlich bedeutendere Firmen aufgegeben, was zu Forderungen in Höhe von 11,4 Milliarden Euro geführt hatte.

Auch Creditreform meldet eine deutliche Zunahme der Firmenpleiten: Für das erste Halbjahr wird ein Anstieg um 9,4 Prozent auf rund 11.900 Fälle erwartet. Damit würden die Zahlen erstmals wieder das Niveau von 2015 überschreiten. Damals wurden im gleichen Zeitraum 11.530 Insolvenzen gezählt.

Die Ursachen für die steigenden Zahlen sind vielfältig. Genannt werden unter anderem eine schwache Nachfrage, gestiegene Energiepreise, zunehmende Bürokratie sowie die auslaufenden staatlichen Hilfen aus der Pandemiezeit. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland bereiten vielen Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten. DIHK-Chefanalyst Volker Treier warnt vor den anhaltenden Standortproblemen und mahnt eine zügige Umsetzung des Investitionssofortprogramms der Bundesregierung an.

Gleichzeitig wird aus Expertensicht auch ein gewisser Nachholeffekt beobachtet. Über Jahre hinweg hatten niedrige Zinsen und staatliche Stützungsmaßnahmen zahlreiche Insolvenzen verhindert. Seit Mitte 2022 führe der Wegfall dieser Unterstützungen zusammen mit dem gestiegenen Zinsniveau nun zu einer Marktbereinigung, so Steffen Müller vom IWH. Der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbandes (VID), Christoph Niering, sieht keine flächendeckende Wirtschaftskrise und bezeichnet Insolvenzen in Zeiten ökonomischen Umbruchs als normalen Vorgang.

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