Fondsmanager Bruns: „Mit jeder Krise werden wir wohlhabender"
Christoph Bruns managt seit 20 Jahren seinen Aktienfonds – mit 20 Millionen Euro eigenem Geld drin. Ein Gespräch über Krisen, Japan und ETF-Kritik.

Christoph Bruns kennt das Fondsgeschäft von beiden Seiten. Mit Mitte 30 verantwortete er als Investmentchef bei Union Investment milliardenschwere Fonds. Heute lenkt er Fonds in kleinerem Maßstab – darunter den Aktienfonds Loys Philosophie Bruns, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Besonders bemerkenswert: Bruns hat 20 Millionen Euro seines eigenen Vermögens in diesem Fonds investiert.
Anlässlich des Jubiläums sprach die WirtschaftsWoche mit dem erfahrenen Fondsmanager – über seine Überzeugungen, seine Kritik an ETFs, Krypto und Immobilien sowie über Chancen in Japan, den USA und Asien.
7,7 Prozent Rendite pro Jahr – und kein Vergleich mit dem MSCI World
Der Fonds erzielte in 20 Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von 7,7 Prozent nach Kosten – das entspricht einer Verdreifachung des eingesetzten Kapitals. Der MSCI World schnitt über denselben Zeitraum etwas besser ab. Bruns stört das wenig: „Der Vergleich hinkt, denn die meisten Anleger, die auf den MSCI World verweisen, halten selbst nur einen Bruchteil ihres Vermögens in dem Index." Wer hingegen sein gesamtes liquides Vermögen in einem klug diversifizierten Aktienfonds anlege und dabei 7,7 Prozent nach Kosten erziele, stehe deutlich besser da als mit einem typischen gemischten Portfolio aus Aktien, Anleihen und Immobilien.
Sein persönliches Engagement im eigenen Fonds begründet Bruns mit einem einfachen Grundsatz: Man solle für andere nur das tun, was man auch mit dem eigenen Geld mache. Er sei inzwischen der erste und größte Investor in seinem eigenen Fonds.
„In der Krise kaufen, nicht verkaufen"
Den Satz „Liebste, wir werden mit jeder Krise wohlhabender" soll Bruns seiner Ehefrau gesagt haben – und er bestätigt ihn. Als er seinen Job bei Union Investment aufgab und mit ihr in die USA zog, machte sie sich Sorgen um die Finanzen. Sein Depot enthielt damals deutsche Mittelständler wie Fielmann, Douglas und Hugo Boss – Werte, die zwar ebenfalls rund ein Drittel verloren hatten, sich aber schnell erholten.
Für Bruns ist das der Kern erfolgreicher Aktienanlage: „Es ist der Kardinalfehler, in der Krise zu verkaufen. Die Tugend ist, in der Krise zu kaufen – zu Preisen, von denen man später selbst kaum glauben mag, dass sie einmal so niedrig waren." Kurz nach Auflage des Fonds traf die Finanzkrise die Märkte. Bruns sieht das als Bestätigung: Nach jeder Krise folgte für seinen Fonds die beste Zeit.
Krisen seien nicht vorhersehbar und jede verlaufe anders als die vorherige – aber sie gehörten dazu und gingen vorbei. Daran habe sich in 20 Jahren nichts geändert.
Japan, US-Aktien und Übernahmen im Portfolio
Zwölf Prozent des Fondsvermögens hat Bruns in japanische Aktien investiert. Japan überzeuge durch starke Unternehmensbilanzen, die niedrigsten Zinsen der Welt und kein Finanzierungsproblem. Jahrelang sei das Land von Investoren wegen vermeintlicher Stagnation und demografischer Schwäche gemieden worden. Inzwischen halte aber auch Corporate-Governance-Denken Einzug, und die Unternehmen erwiesen sich als deutlich besser als ihr Ruf. Allein in diesem Jahr stieg ein ETF auf den Nikkei 225 um rund ein Drittel. Zuletzt hat Bruns jedoch US-Aktien aufgestockt, die nun wieder die größte Länderposition im Fonds darstellen.
Zu seinen jüngsten US-Käufen zählen Accenture, Adobe und PayPal – Werte, die unter dem Druck durch Künstliche Intelligenz gelitten haben. Bruns hält an ihnen fest, weil er die Bewertungen für attraktiv hält und kein echtes Strukturrisiko sieht. Die These, KI werde klassische Software vollständig ersetzen, teilt er nicht.
Vier Unternehmen aus seinem Portfolio wurden in diesem Jahr bereits übernommen – laut Bruns kein Zufall, sondern eine jährliche Regelmäßigkeit. Gute, aber vom Markt vernachlässigte Unternehmen zögen Käufer an. Zuletzt gab es auch beim Modehersteller Boss ein Angebot der britischen Fraser-Group.
Kritik an ETFs, Immobilien und Krypto
Gegenüber ETFs zeigt sich Bruns skeptisch – nicht wegen der Kosten, sondern wegen der Denkweise dahinter. ETF-Käufer begründeten ihre Entscheidungen fast immer mit vergangener Wertentwicklung: „Sie schauen nach hinten, wie beim Autofahren mit Blick nur in den Rückspiegel." Er selbst suche hingegen nach Unternehmen, die heute günstig sind und morgen mehr wert sein könnten. Zudem orientiere sich der ETF-Trend an Größe statt Qualität – der früher nachweisbare Small-Cap-Effekt sei an der Oberfläche verschwunden, das inhaltliche Argument dahinter aber nicht.
Immobilien als Kapitalanlage hält Bruns für wenig überzeugend. Wer eine Wohnung in Frankfurt kaufen wolle, könne das tun – aber seinen Fonds zu schlagen, halte er für abwegig. Noch kritischer äußert er sich zu Kryptowährungen: „Da sehe ich keine erkennbare Substanz." Er erinnert an die Haltung einer großen amerikanischen Bank vor der Finanzkrise: Solange die Musik spiele, müsse man tanzen – bis plötzlich keine Stühle mehr da seien.
Auch das klassische Vier-Viertel-Portfolio aus Aktien, Anleihen, Immobilien und Alternativen kritisiert Bruns. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiere aktuell bei rund drei Prozent – bei einer Inflation ebenfalls über drei Prozent und nach Steuern bleibe real nichts übrig. Wer realen Vermögensaufbau anstrebe, verfehle dieses Ziel mit Anleihen sicher.
SpaceX, Zinspolitik und Chancen für die Zukunft
Den SpaceX-Börsengang hat Bruns aus ESG-Gründen nicht gezeichnet – konkret wegen fehlender Governance-Strukturen und einer aus seiner Sicht zu hohen Bewertung. Wer bereits SpaceX-Anteile halte und Glück gehabt habe, müsse sich nicht schämen. Allerdings warnt er: Die aktuell hohe Zahl an Neuemissionen sei erfahrungsgemäß oft ein Signal, dass Verkäufer die Preise für üppig hielten.
Zur Zinsentscheidung des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh, der die Zinsen entgegen Trumps Wunsch nicht senkte, sagt Bruns: „Das ist taktisch sicherlich sauber gewesen." Warsh sei klug genug, die erste Gelegenheit zu verpassen, eine Nähe zu Trump zu zeigen. Überinterpretieren solle man das aber nicht – er war Trumps Kandidat und werde sich erkenntlich zeigen.
Für die kommenden Jahre sieht Bruns Chancen vor allem in folgenden Bereichen:
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insgesamt – China exportiere Rekordmengen, auch über Drittländer wie Vietnam oder Thailand
Privatanlegern, die erstmals in Aktien investieren wollen, gibt Bruns einen klaren Rat: Vorsicht bei Neuemissionen, Geduld mitbringen und keine Panik in Krisen. Er zitiert Warren Buffett, der auf die Frage, warum nicht jeder seine simple Strategie kopiere, geantwortet haben soll: „Sie ist simpel, aber niemand will langsam reich werden."


