Ford-Betriebsräte fordern Klarheit für europäische Standorte
Unsicherheit über Elektroautos und Jobverluste: Betriebsräte schicken Brandbrief an die US-Zentrale

Die Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft der europäischen Ford-Standorte hat in den letzten Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht. In einem offenen Brief, der derzeit auf dem Weg zur US-Konzernzentrale in Dearborn, Michigan, ist, fordern Betriebsräte von Ford aus Deutschland, Spanien und Großbritannien klare Antworten auf drängende Fragen zur Produktionsstrategie für die Jahre ab 2026/27. In dem Schreiben, das für Aufsehen sorgt, heißt es: "Wir verlangen von der US-Konzernzentrale in Dearborn zeitnah eine Produktionsstrategie für die Jahre ab 2026/27." Konkret möchten die Betriebsräte wissen, welche Pkw-Modelle geplant sind, wie viele Fahrzeuge produziert werden sollen, wer für die Entwicklung verantwortlich ist und wo die Autos hergestellt werden.
Die Forderungen der Betriebsräte werden von Benjamin Gruschka, dem Gesamtbetriebsratschef der deutschen Ford-Werke, unterstrichen. Er betont, dass die Belegschaft dringend Gewissheit über ihre Zukunft benötigt, insbesondere im Hinblick auf langfristige Perspektiven. Die Unsicherheit am Arbeitsplatz macht vielen Mitarbeitern große Sorgen. Ford plant in den kommenden Jahren den verstärkten Bau von Elektroautos und eine Reduzierung seiner Präsenz in Europa. In diesem Zusammenhang sollen bis zu 3800 Arbeitsplätze in den nächsten drei Jahren auf dem Kontinent abgebaut werden, wovon die meisten in Deutschland und Großbritannien betroffen sind.
Besonders die Stellen in der Entwicklung stehen aufgrund der aktuellen Pläne zur Disposition. In Deutschland gab es in jüngster Zeit mehrere Hiobsbotschaften von Ford. Ein Sorgenstandort ist Saarlouis, wo immer noch unklar ist, wie es nach dem Auslaufen der Produktion des Verbrennermodells Focus im Jahr 2025 weitergeht. Verhandlungen mit einem möglichen Großinvestor sind gescheitert, und die Zukunft der Belegschaft an der Saar ist weiterhin unsicher.
Am Standort Aachen wird Ford bis Mitte 2024 sein Forschungszentrum schließen und einen Teil der 200 Stellen nach Köln verlagern, wobei auch Stellen gestrichen werden. Ford-Deutschlandchef Martin Sander erklärte in einem Schreiben an die Belegschaft, dass Kräfte gebündelt werden müssten, um im globalen Wettbewerb flexibler agieren zu können.
Auch am Hauptstandort Köln herrscht Unsicherheit. Obwohl das Management zuletzt die Absicht bekräftigte, zwei neue Elektromodelle in der rheinländischen Fabrik herzustellen, wurde der Produktionsstart des ersten Modells verschoben. Statt Anfang 2024 wird der Explorer nun erst im Sommer 2024 auf den Markt kommen. Die offizielle Begründung für die Verzögerung ist ein technischer Aspekt, nämlich die Einführung eines neuen Batteriestandards. Branchenkenner vermuten jedoch, dass auch andere Gründe für die Verzögerung eine Rolle spielen könnten.
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Zur AktienanalyseDie Belegschaft in Köln nutzt die Übergangszeit, um sich auf die Transformation zur Elektromobilität vorzubereiten, unter anderem durch Schulungen. Bis vor Kurzem wurde am Standort im Stadtteil Niehl noch der Kleinwagen Fiesta produziert. Ford hat ehrgeizige Elektrifizierungsziele für Europa, darunter die Produktion ausschließlich von Elektroautos ab 2030. Bereits 2024 sollen neun Elektromodelle das Ford-Portfolio erweitern. Trotz dieser Pläne fehlt jedoch eine klare Perspektive für die Zeit danach, insbesondere im Pkw-Bereich, wie von Betriebsratschef Benjamin Gruschka betont wird.
Die Betriebsräte informierten die Mitarbeiter in außerordentlichen Betriebsratsinfos an den verschiedenen Standorten über den offenen Brief. In der kommenden Woche sind Betriebsversammlungen an den deutschen Standorten geplant, um die Fragen und Sorgen der Belegschaft weiter zu besprechen. Ford ist der einzige Autobauer weltweit, der die Verluste seines Elektrogeschäfts in seiner Bilanz transparent ausweist. Im dritten Quartal 2023 beliefen sich diese Verluste auf 1,33 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal. Angesichts der schwachen Nachfrage und des intensiven Wettbewerbs im Elektrosegment plant der US-Autobauer, die Produktion seines Elektro-Mustangs Mach-E zu reduzieren und die Investitionen in diesem Bereich zu verringern. Ein geplantes Batteriewerk in Kentucky wird ebenfalls später als ursprünglich geplant gebaut.


