Ford erreicht Qualitätsmeilenstein: CEO Farley verspricht fehlerfreie Fahrzeugstarts
Ford führt die USA bei Rückrufen an – doch CEO Jim Farley kündigt eine neue Ära der Qualität an.

DETROIT — Ford Motor präsentiert sich gerne als Grundpfeiler der amerikanischen Industrie und Marktführer bei Pickups. Doch der Detroiter Autobauer führt die USA auch in einem weniger rühmlichen Bereich an: Fahrzeugrückrufe und Qualitätsprobleme. Diese haben die Gewinne des Unternehmens über weite Teile des letzten Jahrzehnts belastet, das Kundenvertrauen untergraben und Fords Ruf nachhaltig beschädigt.
In diesem Jahr hat Ford bislang 53 Rückrufe für mehr als 12 Millionen Fahrzeuge veranlasst. Im Jahr 2025 wurde sogar ein Branchenrekord von 153 Rückrufen für 13 Millionen Pkw und Lkw verzeichnet. Diese Ära soll nun enden, erklärte CEO Jim Farley in einem exklusiven Interview gegenüber CNBC – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Ford einen wichtigen Qualitätsmeilenstein erreicht hat.
Milliardenschwere Garantiekosten als Antrieb für den Wandel
Die Qualitätsprobleme haben Ford unter Farleys fast sechsjähriger Führung Verluste in Milliardenhöhe gekostet. Die Garantiekosten des Unternehmens erreichten im Jahr 2023 einen Höchststand von 4,8 Milliarden US-Dollar. Seitdem arbeitet Ford intensiv daran, diese Kosten zu senken: Im Jahr 2025 gelang es dem Unternehmen, die Garantie- und Materialkosten volumen- und mixbereinigt um 1,5 Milliarden US-Dollar zu reduzieren. Für 2026 strebt Ford eine weitere Senkung dieser Kosten an.
Erst in dieser Woche erhöhte Ford seine Rückrufbilanz für 2026 durch den Rückruf von 741.195 SUVs und F-150 Pickups der Modelljahre 2018 bis 2021. Rückrufe können dabei von banalen Problemen wie Aufklebern auf Sonnenblenden oder Software-Updates bis hin zu schwerwiegenden, potenziell lebensgefährlichen Sicherheitsmängeln reichen.
J. D. Power zeichnet Ford als beste Volumenmarke aus
Eine externe Bestätigung für Fords jahrelange Qualitätsbemühungen lieferte vergangene Woche das renommierte Marktforschungsunternehmen J. D. Power. Die Marke Ford wurde im Qualitätsranking als beste Volumenmarke in den USA ausgezeichnet – das erste Mal seit 2010, dass Ford diese Studie anführt. Die Untersuchung bewertet die erwartete Neuwagenqualität anhand von Problemen, die Besitzer innerhalb der ersten 90 Tage nach dem Kauf melden.
Ford, das im Jahr 2023 noch auf Platz 23 lag, belegte nun den dritten Platz unter allen Marken – hinter den Luxusherstellern Porsche und Hyundais Marke Genesis, jedoch vor Toyotas Luxusmarke Lexus auf Platz 4. Ford verbesserte sich dabei in fast jeder von J. D. Power gemessenen Fahrzeugkategorie, darunter Software, Infotainment und Antriebsstränge. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse am 25. Juni stieg die Ford-Aktie um 2 Prozent – der zweitbeste Handelstag des Unternehmens in diesem Monat.
Strukturelle Neuausrichtung als Fundament des Qualitätswandels
Farleys Qualitätsoffensive basiert auf einer strukturellen Neuausrichtung der Unternehmensprozesse. Ziel ist es, Probleme so früh wie möglich in der Fahrzeugentwicklung zu identifizieren. Seit 2023 hat Ford 350 technische Stellen neu besetzt und eine neue Organisationsstruktur eingeführt. Zudem hat Farley die Unternehmensführung umstrukturiert, einschließlich der Anpassung von Boni und Anreizen mit Fokus auf Qualität. Auch die Prozesse von Zulieferern und anderen Partnern werden überarbeitet, um potenzielle Probleme proaktiver zu erkennen.
Farley betonte, Ford habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und werde dieses Wissen nutzen, um in den kommenden Jahren eine Vielzahl neuer Produkte fehlerfrei auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig räumte er ein, dass dies eine schwierige Aufgabe sei – insbesondere bei Fahrzeugen mit neuen Technologien wie softwaredefinierten Systemen und elektrifizierten Antrieben, bei denen ein einzelnes Problem eine gesamte Produktlinie betreffen kann.
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Zur AktienanalyseLangfristige Zuverlässigkeit bleibt eine Baustelle
Trotz des Erfolgs bei der Erstqualität gibt es noch Nachholbedarf. In der J. D. Power US-Fahrzeugzuverlässigkeitsstudie, die Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum untersucht und im Februar veröffentlicht wurde, belegten Ford und seine Luxusmarke Lincoln die Plätze 18 beziehungsweise 19 – deutlich unter dem Branchendurchschnitt.
Eine Prognose, wann Ford die Spitzenposition bei US-Rückrufen – die das Unternehmen seit 2024 innehat – abgeben wird, lehnte Farley ab. Er könne weder kontrollieren, was bei älteren Fahrzeugmodellen passiere, noch die Qualitätsbemühungen der Wettbewerber beeinflussen. Er betonte jedoch, dass alle aktuellen Maßnahmen „absolut zu einer massiven Reduzierung" künftiger Rückrufe bei aktuellen und zukünftigen Produkten führen werden.

