Fortescue mit Sammelklage wegen sexueller Belästigung in Minen konfrontiert
Der viertgrößte Eisenerzförderer der Welt sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen an abgelegenen australischen Minenstandorten konfrontiert.

Der australische Bergbaukonzern Fortescue, weltweit viertgrößter Eisenerzförderer, ist am Donnerstag mit einer Sammelklage wegen weit verbreiteter sexueller Belästigung von Frauen an seinen abgelegenen Minenstandorten konfrontiert worden. Die Klage wurde von der Anwaltskanzlei JGA Saddler eingereicht. Dieselbe Kanzlei hatte bereits Ende 2024 ähnliche Sammelklagen gegen die Bergbauriesen Rio Tinto und BHP eingeleitet, die sich derzeit noch in den Instanzen befinden.
Die Vorwürfe sind gravierend: Laut der Erklärung von JGA Saddler enthält die Klage 45 Zeugenaussagen von Frauen, die bei Fortescue gearbeitet haben. „Immer wieder berichten uns Frauen, dass sie sich auf den Minengeländen von Fortescue nicht sicher fühlen", sagte Paris Hamrey, Prozessanwältin bei JGA Saddler. „Frauen erzählen uns, dass sie ihre tägliche Wäsche nicht waschen können, weil ihre Unterwäsche aus den öffentlichen Wäschereien gestohlen wird, oder dass sie nicht ins Fitnessstudio gehen können, weil Männer sie unangemessen berühren oder ihnen bis zu ihrem Zimmer folgen."
Eine der Zeuginnen schilderte in ihrer Aussage: „Ich kam eines Abends nach Hause und fand einen fremden Mann in meinem Zimmer vor." Hamrey ergänzte, dass Frauen bei Fortescue, die Vorfälle gemeldet hatten, degradiert, entlassen, zum Schweigen gebracht oder sogar auf die schwarze Liste der Branche gesetzt wurden.
Hintergrund: Branchenweites Problem in Australiens Bergbau
Das Problem sexueller Belästigung im australischen Bergbausektor ist nicht neu. Im Jahr 2022 empfahl die Regierung des Bundesstaates Western Australia weitreichende Branchenänderungen, nachdem sie Details über ein, wie sie es nannte, entsetzliches Verhalten gegenüber Frauen veröffentlicht hatte. Die Untersuchung stellte fest, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe im sogenannten Fly-in-Fly-out-Bergbausektor (FIFO) weit verbreitet waren. Bei diesem Arbeitsmodell werden Arbeitnehmer per Flugzeug zu entlegenen Minen eingeflogen und nach ihrer Schicht wieder ausgeflogen – ein in Australien gängiges Verfahren.
Australien ist der weltweit größte Produzent von Eisenerz, und viele der entlegenen Minen des Landes werden von FIFO-Arbeitern betrieben. Frauen machen derzeit 22 Prozent der Belegschaft in der Bergbauindustrie aus, gegenüber etwa 18 Prozent zu Beginn des Jahrzehnts.
Fortescue investiert 300 Millionen Dollar in Sicherheitsinfrastruktur
Fortescue-CEO für Metalle und Betrieb, Dino Otranto, reagierte auf die Vorwürfe mit einer offiziellen Stellungnahme: „Dies sind äußerst ernste Anschuldigungen, und Fortescue nimmt sie sehr ernst." Er betonte, dass sich das Unternehmen verpflichtet fühle, einen offenen und integrativen Arbeitsplatz zu gewährleisten. Zu spezifischen Vorwürfen lehnte er eine Stellungnahme ab.
Otranto räumte jedoch ein: „Haben wir noch mehr Arbeit vor uns? Ja. Die branchenweite Untersuchung vor einigen Jahren hat deutlich gemacht, dass der gesamte Sektor seine Standards anheben muss." Fortescue gab an, 300 Millionen US-Dollar zu investieren, um die Wohnquartiere an den Standorten zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Sicherheitsmaßnahmen wie Sicherheitsschlössern, Chipkarten-Zugangssystemen, Videoüberwachung und besserer Beleuchtung.
Vergleich mit Rio Tinto und BHP: Gemischtes Bild in der Branche
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Zur AktienanalyseEin Blick auf die Meldezahlen der drei großen Bergbaukonzerne zeigt ein gemischtes Bild. Fortescue meldete der Bergbausicherheitsbehörde von Western Australia im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 22 Fälle von sexueller Belästigung – ein Rückgang von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den drei Unternehmen war Fortescue das einzige, das einen Rückgang verzeichnete.
Bei Rio Tinto registrierte das sogenannte Care Hub, das Mitarbeiter bei der Meldung von respektlosem oder schädlichem Verhalten unterstützt, im vergangenen Jahr 702 Vorfälle – ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BHP meldete im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 429 Vorfälle sexueller Belästigung, ein Anstieg von 3 Prozent. In BHPs Jahresbericht wurde zudem angegeben, dass 100 verantwortliche Personen entweder entlassen wurden oder zurückgetreten sind.
Die Sammelklagen gegen alle drei Bergbaugiganten verdeutlichen, dass die australische Bergbaubranche trotz erster Fortschritte weiterhin erheblichen Handlungsbedarf beim Schutz von Frauen am Arbeitsplatz hat. Die laufenden Gerichtsverfahren dürften die Branche noch über Jahre beschäftigen.


