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Frachtkosten belasten den Einzelhandel stark

Reeder nutzen Sicherheitsrisiken und Wetterprobleme zur Preiserhöhung; Lidl profitiert von eigenen Schiffen

Frachtkosten belasten den Einzelhandel stark

Der drastische Anstieg der Frachtraten für Container auf See verschärft die Krise im deutschen Einzelhandel. Der Preis für einen Standardcontainer von Shanghai nach Europa hat sich seit Jahresbeginn auf fast 5000 Dollar vervielfacht, im Vergleich zu lediglich 763 Dollar im Juli des Vorjahres. Diese Preissteigerungen stellen viele Einzelhändler vor erhebliche Herausforderungen, da sie die höheren Kosten nur schwer kompensieren können. Ein Beispiel hierfür ist die Handelskette Depot, die kürzlich Insolvenz anmelden musste, unter anderem wegen der stark gestiegenen Frachtkosten. Depot hat in den vergangenen Jahren bereits etwa 70 Millionen Euro an Liquidität durch diese erhöhten Kosten verloren.

Die Reeder erklären die exorbitanten Frachtraten mit den Umwegen, die aufgrund der Sicherheitslage im Suez-Kanal notwendig geworden sind, sowie mit den Auswirkungen von Unwettern. Seit der Suez-Kanal wegen der Angriffe der Huthi-Miliz nicht mehr sicher passierbar ist, haben Schiffe alternative Routen, wie den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung, nehmen müssen. Diese Umwege verlängern die Transportzeiten erheblich und erhöhen die Kosten. Weitere Unwetter haben zudem für zusätzliche Probleme gesorgt.

Die Händler äußern sich skeptisch und sehen die Preissteigerungen als nicht gerechtfertigt an. Kik-Chef Patrick Zahn und Kay Schiebuhr von der Otto Group kritisieren, dass die Frachtraten auf einem unrealistisch hohen Niveau liegen und sogar als „Piraterie“ bezeichnet werden. Die tatsächlichen Ursachen für die plötzliche und drastische Erhöhung der Frachtraten bleiben jedoch teilweise unklar. Experten vermuten, dass neben den politischen und wetterbedingten Faktoren auch eine künstliche Verknappung von Schiffsressourcen durch die Reeder zur Preissteigerung beiträgt.

In der Seefrachtbranche gibt es unterschiedliche Einschätzungen zu den Ursachen der aktuellen Situation. Während einige Experten auf die angespannte Sicherheitslage im Roten Meer und die verlängerten Routen verweisen, führen andere die hohen Preise auf zusätzliche Faktoren wie veränderte Lagerbestände und unerwartet hohe Nachfrage zurück. Die Reedereien selbst, wie Hapag-Lloyd und CMA CGM, haben in den letzten Monaten zusätzliche Asien-Europa-Dienste gestartet, um die Kapazität zu erhöhen, doch die Preise bleiben bis zum Ende der Hochsaison hoch.

Der Einzelhändler Lidl hat hingegen von den gestiegenen Preisen profitiert, da er vor zwei Jahren in die Schifffahrt eingestiegen ist. Die Tochtergesellschaft Tailwind Shipping Lines betreibt eigene Containerfrachter und kann so die hohen Transportkosten teilweise ausgleichen. Die Lidl-Reederei hat sich in der Branche als Premiumdienstleister etabliert und profitiert von der Nachfrage nach verlässlichen Transportlösungen.

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