Frasers Group bietet 1,73 Milliarden Pfund für Hugo Boss
Mike Ashleys Einzelhandelskonzern will die deutsche Modemarke vollständig übernehmen und bewertet Hugo Boss mit 38 Euro je Aktie.

Die britische Frasers Group von Unternehmer Mike Ashley hat ein Übernahmeangebot für den deutschen Modekonzern Hugo Boss vorgelegt. Der Konzern bietet insgesamt 1,98 Milliarden Euro (rund 1,73 Milliarden Britische Pfund) für die verbleibenden Anteile an Hugo Boss, die Frasers noch nicht besitzt. Das Angebot bewertet die Hugo-Boss-Aktie mit 38 Euro – ein Aufschlag gegenüber dem Schlusskurs von 36,50 Euro am Mittwoch.
Frasers hält bereits etwas mehr als ein Viertel der Anteile an Hugo Boss und hat diese Beteiligung seit 2020 schrittweise aufgebaut. Mit dem wachsenden Anteil nähert sich das Unternehmen nun der 30-Prozent-Schwelle, ab der das deutsche Recht ein Pflichtangebot für das gesamte Unternehmen vorschreibt. Frasers kommt dieser Verpflichtung nun mit dem offiziellen Übernahmeangebot zuvor.
Hugo Boss reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß. Der Konzern bezeichnete das Angebot als „unaufgefordert" und „nicht mit dem Unternehmen abgestimmt". Man werde das Angebot jedoch „eingehend prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben" sowie „Aktionäre und die Öffentlichkeit über weitere Entwicklungen und nächste Schritte informieren".
Strategischer Kurswechsel für Frasers
Frasers, früher unter dem Namen Sports Direct bekannt, hat sich in der Vergangenheit vor allem durch den Kauf insolventer Einzelhandelsmarken einen Namen gemacht. Zum Portfolio gehören heute unter anderem House of Fraser, Game, Jack Wills und Evans Cycles. Die jahrelange, schrittweise Aufstockung der Beteiligung an dem profitablen Unternehmen Hugo Boss stellt jedoch einen anderen, strategischeren Ansatz dar.
Frasers selbst betonte am Mittwoch, über eine „starke Erfolgsbilanz bei strategischen Investitionen" zu verfügen. Das Unternehmen bezeichnete sich als „langfristigen Investor" bei Hugo Boss und erklärte, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorstandsvorsitzenden weiterhin „unterstützend gegenüberzustehen". Den Abschluss der Übernahme erwartet Frasers bis Ende dieses Jahres, sofern alle rechtlichen Prüfungen bestanden werden.
Spannungsfeld mit Boohoo
Weniger harmonisch verläuft die Beziehung von Frasers zu Boohoo, dessen größter Aktionär Ashley ebenfalls ist. Boohoo hatte die Marke Debenhams aus der Insolvenz erworben, nachdem Frasers auf einen Kauf verzichtet hatte. Als Boohoo sich im vergangenen Jahr offiziell in Debenhams umbenennen wollte, nutzte Frasers seine Stimmrechte, um die Namensänderung zu blockieren.
Boohoo-Chef Dan Finley erklärte der BBC, das Unternehmen werde „faktisch als Debenhams Group agieren". Die formelle Eintragung im Handelsregister sei lediglich an dem erforderlichen Sonderbeschluss gescheitert. Finley gab an, nicht zu wissen, warum Frasers die Änderung blockiert habe. Seit seinem ersten Investment bei Boohoo im Jahr 2023 hat Frasers mehrere offene Briefe verfasst und das Unternehmen öffentlich scharf kritisiert – ein Großteil der Kritik richtete sich dabei gegen Boohoo-Mitgründer Mahmud Kamani.
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Zur AktienanalyseMike Ashley: Eine umstrittene Figur
Mike Ashley, der Frasers einst als Sports Direct gründete, bleibt der größte Aktionär der Gruppe. Sein Schwiegersohn fungiert als CEO des Konzerns. Ashley ist eine schillernde und polarisierende Persönlichkeit in der britischen Wirtschaftswelt: Er bezeichnete unzufriedene Investoren öffentlich als „Heulsusen", sah sich Kritik wegen der Arbeitsbedingungen in Sports-Direct-Lagern ausgesetzt und sorgte mit einem Vorfall bei einem Geschäftstreffen in einem Pub für Schlagzeilen.
Bekannt ist Ashley auch als ehemaliger Eigentümer des Fußballclubs Newcastle United. Während seiner 14-jährigen Amtszeit verärgerte er die Fans durch umstrittene Managemententscheidungen – darunter die vorübergehende Umbenennung des St. James' Park in „Sports Direct Arena". Die geplante Übernahme von Hugo Boss wäre nun sein bislang größter und ambitioniertester Zukauf im Premiumsegment.


