Frauen sparen mehr fürs Alter, haben aber weniger 401(k)-Guthaben
Neue Vanguard-Daten zeigen: Frauen sind diszipliniertere Sparerinnen, kämpfen aber mit strukturellen Nachteilen bei der Altersvorsorge.

Frauen sparen einen größeren Anteil ihres Gehalts für die Altersvorsorge als Männer – und trotzdem sind ihre Kontostände deutlich niedriger. Das zeigt der neue Bericht „How America Saves 2026" von Vanguard, einem der größten Vermögensverwalter der Welt. Die Studie wertet Daten von fast fünf Millionen Sparern aus mehr als 1.300 betrieblichen Vorsorgeplänen aus.
Das durchschnittliche 401(k)-Guthaben bei Männern belief sich im Jahr 2025 auf 194.597 US-Dollar. Bei Frauen lag dieser Wert mit 146.476 US-Dollar deutlich darunter – eine Lücke von rund 48.000 US-Dollar. Der 401(k)-Plan ist das in den USA verbreitete betriebliche Altersvorsorgemodell, vergleichbar mit der deutschen betrieblichen Altersversorgung (bAV).
Bessere Spargewohnheiten, schlechtere Ausgangslage
Trotz der niedrigeren Kontostände zeigen Frauen laut dem Vanguard-Bericht insgesamt bessere Spargewohnheiten. Unabhängige Untersuchungen bestätigen dieses Bild: Eine Analyse von Fidelity Investments, die die jährliche Performance von 5,2 Millionen Konten im Zeitraum von Januar 2011 bis Dezember 2020 auswertete, ergab, dass die Anlageportfolios von Frauen die der Männer im Durchschnitt um 40 Basispunkte – also 0,4 Prozent – übertrafen.
Dieser Trend setzt sich fort. Jüngere Untersuchungen von Wells Fargo aus dem Jahr 2025 zeigen, dass Frauen ähnliche oder sogar bessere Renditen erzielen als Männer – und dabei gleichzeitig weniger Risiken bei ihren Anlagen eingehen. Das deutet auf eine strukturell vorsichtigere und langfristig orientierte Anlagestrategie hin.
Lohnlücke und Pflegearbeit als zentrale Ursachen
Warum sind die Kontostände dennoch niedriger? Experten nennen mehrere Faktoren. Ein zentraler Punkt ist das Lohngefälle: Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen laut dem US-Arbeitsministerium nur etwa 81 Prozent dessen, was ihre männlichen Kollegen erhalten. Wer weniger verdient, kann auch weniger in die Altersvorsorge einzahlen – selbst wenn der prozentuale Sparanteil höher ist.
Hinzu kommen Unterbrechungen der Erwerbsbiografie. „Teilzeitarbeit oder die vorübergehende vollständige Einstellung der Erwerbstätigkeit, um sich um Kinder, alternde Eltern oder einen kranken Ehepartner zu kümmern", nennt die zertifizierte Finanzplanerin Patti Black von Savant Wealth Management in Birmingham, Alabama, als weitere beitragende Faktoren. Solche Auszeiten reduzieren nicht nur das laufende Einkommen, sondern auch die Einzahlungen in die Altersvorsorge über Jahre hinweg.
Dass Frauen überproportional häufig Pflegeaufgaben übernehmen, belegt auch ein gemeinsamer Bericht von AARP und der National Alliance for Caregiving, einer gemeinnützigen Forschungs- und Interessenvertretungsorganisation. Die meisten pflegenden Angehörigen sind demnach Frauen – mit direkten Konsequenzen für ihre finanzielle Absicherung im Alter.
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Zur AktienanalyseRelevanz für deutsche Anlegerinnen
Auch wenn sich der Vanguard-Bericht auf das US-amerikanische Rentensystem bezieht, sind die Erkenntnisse für deutsche Anlegerinnen und Anleger relevant. Das Rentengefälle zwischen Männern und Frauen – der sogenannte Gender Pension Gap – ist auch in Deutschland ein bekanntes Phänomen. Frauen erhalten hierzulande im Durchschnitt deutlich niedrigere Renten als Männer, unter anderem aufgrund ähnlicher Faktoren: Lohnunterschiede, Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen durch Pflegeaufgaben.
Die Vanguard-Daten unterstreichen, dass diszipliniertes Sparen allein nicht ausreicht, wenn strukturelle Ungleichheiten die Ausgangsbedingungen verzerren. Für Privatanlegerinnen bedeutet das: Frühzeitiges und konsequentes Investieren ist besonders wichtig, um Lücken in der Altersvorsorge zu schließen.


