Friedenshoffnung im Iran-Konflikt treibt Weltbörsen auf Rekordhochs
Hoffnungen auf ein US-Iran-Friedensabkommen beflügeln Aktienmärkte weltweit, während Ölpreise um 8 Prozent einbrechen.

Hoffnungen auf ein baldiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran haben die weltweiten Aktienmärkte am Mittwoch auf neue Höchststände getrieben. Gleichzeitig brachen die Ölpreise massiv ein: Brent-Rohöl fiel kurzzeitig unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel – ein Rückgang von rund 8 Prozent. Der Rückgang der Energiepreise sorgte für Erleichterung an den Finanzmärkten, die seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar unter erheblichem Druck gestanden hatten.
Die wichtigsten Aktienindizes weltweit profitierten von der neuen Stimmung. Der MSCI World, der MSCI Schwellenländer sowie der MSCI Asien (ohne Japan) erreichten allesamt neue Rekordhöchststände. Auch der S&P 500 und der Nasdaq in den USA kletterten auf Allzeithochs. In Europa legten die Märkte ebenfalls deutlich zu: Sowohl der europäische Gesamtmarkt als auch der britische FTSE 100 gewannen rund 2 Prozent.
Der Volatilitätsindex VIX, das sogenannte „Angstbarometer" der Wall Street, sank am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit über drei Monaten. Er liegt damit sogar unter dem Niveau zu Beginn des Iran-Krieges Ende Februar – ein deutliches Signal, dass Anleger derzeit wenig Bedarf an Absicherungen über den Optionsmarkt sehen.
KI-Chip-Boom überrascht selbst Tech-Optimisten
Ein weiterer Treiber der Markteuphorie war der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz. Im S&P 500 legten neun von elf Sektoren zu, angeführt von Technologie, Kommunikationsdienstleistungen und Industrie mit jeweils mehr als 2 Prozent. Besonders auffällig waren die Kursgewinne einzelner Technologiewerte: AMD schoss um 19 Prozent nach oben, Super Micro Computer sogar um 25 Prozent. Dell gewann 10 Prozent, Uber 9 Prozent und Nvidia 6 Prozent. Einziger großer Verlierer war der Energiesektor: Chevron verlor 4 Prozent.
Samsung trat am Mittwoch dem exklusiven Club der Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar bei. Die Aktien des südkoreanischen Technologieriesen stiegen um 14 Prozent. Samsung ist nach dem taiwanesischen Chiphersteller TSMC das zweite asiatische Unternehmen, das diese Bewertungsschwelle überschreitet. Befeuert wurde der Kursanstieg unter anderem durch Berichte, wonach das KI-Unternehmen Anthropic 200 Milliarden US-Dollar für Cloud-Dienste und Chips von Google ausgeben will. Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte des Cloud-Auftragsbestands von 2 Billionen US-Dollar bei Google, Microsoft, Oracle und Amazon von nur zwei Unternehmen – Anthropic und OpenAI.
Schwellenländer zeigen bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit
Bemerkenswert ist die Robustheit der Schwellenländer in diesem Umfeld. EM-Aktien befinden sich auf einem Rekordhoch, und die Renditeaufschläge bei Anleihen sind so gering wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Auch an den Devisenmärkten spiegelte sich die neue Risikobereitschaft wider: Der US-Dollar verlor 0,5 Prozent, der japanische Yen stieg erstmals seit Beginn des Iran-Krieges auf 155 Yen pro US-Dollar. Der südafrikanische Rand (ZAR), der chilenische Peso (CLP) und der südkoreanische Won (KRW) – letzterer verzeichnete seinen besten Tag in diesem Jahr – legten ebenfalls deutlich zu.
Am Anleihemarkt sanken die Renditen auf breiter Front. Britische Staatsanleiherenditen fielen um 10 Basispunkte oder mehr, US-Renditen am kurzen Ende gaben um 8 Basispunkte nach, was zu einem sogenannten Bull-Flattening der Zinskurve führte. Gold gewann 3 Prozent, Silber sogar 6 Prozent.
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Zur AktienanalyseLuftfahrtbranche unter Druck – Kerosinkosten explodieren
Während viele Branchen von der Entspannung profitierten, bleibt die Lage für Fluggesellschaften angespannt. US-Airlines gaben im März über 5 Milliarden US-Dollar für Kerosin aus – ein Anstieg von 1,8 Milliarden US-Dollar oder 56 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der durchschnittliche US-Benzinpreis liegt inzwischen über 4,50 US-Dollar pro Gallone. Die kollektiven Einbußen beim Nettoergebnis der Fluggesellschaften weltweit gehen in die Milliarden, und Tausende von Flügen wurden bereits gestrichen. Neben den hohen Preisen drohen auch physische Engpässe, sollten wichtige Versorgungsrouten nicht bald wieder geöffnet werden.
Für den weiteren Marktverlauf bleiben die Entwicklungen im Nahen Osten der entscheidende Faktor. Auf der Agenda stehen zudem Zinsentscheidungen in Norwegen, Schweden und Mexiko sowie Reden mehrerer Notenbanker, darunter New York Fed-Präsident John Williams und Minneapolis Fed-Präsident Neel Kashkari. Aus der Unternehmensberichtssaison werden Quartalszahlen von McDonald's, Gilead Sciences, CoreWeave und Airbnb erwartet.


