FTI in akuter Finanznot
Bund verweigert weitere Hilfen – Investor Certares unschlüssig

Der Münchener Reisekonzern FTI steht vor einem bedeutenden Rückschlag in seinem Bemühen um finanzielle Stabilität. Der Bund hat weitere finanzielle Hilfen für Europas drittgrößten Reiseanbieter abgelehnt, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfahren hat. Bei FTI hat sich kurzfristig eine Finanzierungslücke in zweistelliger Millionenhöhe ergeben, die der neue Investor Certares nicht bereit ist zu schließen. FTI hatte sich daher erneut an den Bund gewandt, um frisches Geld zu erhalten. Bereits während der Coronapandemie hatte der Bund dem Konzern mit etwa 600 Millionen Euro geholfen.
Die Zukunft des Konzerns ist derzeit unklar. Ob Certares letztlich doch noch Geld bereitstellen wird, ist ebenfalls offen. Vor einigen Wochen hatte es noch so ausgesehen, als wäre die Rettung des hochverschuldeten Unternehmens gesichert. Im April gab FTI bekannt, dass ein Konsortium um Certares die Gruppe übernehmen und 125 Millionen Euro frisches Kapital bereitstellen würde. Anfang Mai hieß es dann, dass Certares auch die Finanzverbindlichkeiten übernehmen würde. Die Transaktion unterliegt jedoch noch den notwendigen behördlichen Genehmigungen.
Es gab zuletzt auch Probleme bei der Übernahme der während der Coronapandemie erhaltenen staatlichen Hilfen. Von den 595 Millionen Euro, die FTI aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhalten hatte, wurde bisher nur ein kleiner Teil zurückgezahlt. Der Bund hatte offiziell einen Schuldenschnitt abgelehnt, sich aber offen für eine Lösung gezeigt, die einem Schuldenerlass nahekommt. Das Bundesfinanzministerium hatte signalisiert, die Forderungen gegenüber FTI „zum Marktpreis“ an Dritte verkaufen zu wollen. Dieses Vorgehen könnte einen Schuldenschnitt durch die Hintertür bedeuten, falls die Forderungen zu niedrigen Preisen an Certares-nahe US-Gesellschaften verkauft werden.
Die Konkurrenz von FTI, darunter Tui und Lufthansa, die ihre staatlichen Hilfen bereits vollständig zurückgezahlt haben, reagierte mit starkem Widerstand auf diese Möglichkeit. Beide Unternehmen haben sich beim Finanzministerium beschwert und teils mit Klagen gedroht. Was aus dem möglichen Schuldenerlass für FTI wird, ist nach dem Wochenende weiterhin unklar.
FTI steht seit Jahren unter finanziellem Druck. Die Gruppe war durch eine aggressive Expansion und günstige Urlaubsangebote, die kaum Gewinne abwarfen, hoch verschuldet. Als die Pandemie den Reisemarkt zusammenbrechen ließ, geriet das Unternehmen in eine existenzielle Krise. Der WSF sicherte FTI damals mit stillen Einlagen und Nachrangkrediten in Höhe von fast 600 Millionen Euro ab. Der Bund und das Land Bayern bürgten zudem zu 90 Prozent für einen 280 Millionen Euro schweren Kredit der Hausbank Unicredit.
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Zur AktienanalyseDie Suche nach einem finanzkräftigen Partner für die mit rund einer Milliarde Euro verschuldete FTI-Gruppe war ein offenes Geheimnis in der Branche. Anfang 2023 gab es Gespräche mit der Rewe-Tochter DER Touristik, die jedoch ebenfalls ergebnislos blieben. Im April 2024 verkündete FTI schließlich die Einigung mit Certares, doch auch diese Rettung steht nun auf der Kippe. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft von FTI steht weiterhin aus, während das Unternehmen und seine Investoren nach einer tragfähigen Lösung suchen.

