Galeria-Rabattaktion: Beunruhigende Parallelen zum Praktiker-Kollaps
Galeria bietet 25 % auf fast alles – doch hinter der Sparagktion stecken Mietrückstände, stockende Refinanzierung und ein bekannter Krisenberater.

Wer kennt ihn nicht, den legendären Werbeslogan der insolventen Baumarktkette Praktiker: „20 % auf alles – außer Tiernahrung"? Er gilt bis heute als einer der bekanntesten Werbesprüche der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nun zieht der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria nach – und übertrifft das Praktiker-Versprechen sogar. Unter dem Motto „Galeria hilft sparen" werden derzeit 25 % auf nahezu das gesamte Sortiment gewährt.
Wer die Filialen besucht, findet Sonderpreisschilder an Victorinox-Messern, Schiesser-Wäsche, Olymp-Hemden, Samsonite-Koffern und L'Occitane-Kosmetik. Das Ausmaß der Aktion gilt in der Branche als ungewöhnlich. Besonders brisant: Bei bestimmten Depot- und Concession-Verkaufsmodellen dürfen Händler Preise eigentlich nicht eigenständig ändern, wie ein Modemanager aus der Konkurrenz berichtet.
Zusätzlich zur Kundenaktion soll es laut „Lebensmittelzeitung" einen „außerordentlichen Personalkauf" geben. Dieser soll in der kommenden Woche starten und den rund 12.000 Galeria-Beschäftigten über zwei Wochen Rabatte von bis zu 30, teils sogar 40 Prozent ermöglichen. Ob sich das Gesamtpaket für die Warenhauskette rechnet, bleibt fraglich.
Was steckt wirklich hinter der Rabattschlacht?
Die entscheidende Frage lautet: Ist die Aktion ein gezielter Marketing-Coup – oder ein Zeichen der Not? Vieles deutet auf Letzteres hin. Galerias Warenbestellungen sollen zuletzt massiv gedrosselt worden sein. Das schafft ein Paradox: Läuft die Rabattaktion gut, leeren sich die Regale schnell – und ob rechtzeitig Nachschub kommt, ist offen. Bereits im vergangenen Sommer hatte eine ähnliche Sale-Aktion erhebliche Probleme verursacht.
Gleichzeitig benötigt Galeria in den nächsten Tagen dringend frische Liquidität. Mitarbeitergehälter müssen ausgezahlt, Mieten für alle 83 Standorte überwiesen werden. Genau bei den Mietzahlungen kam es zuletzt zu erheblichen Verzögerungen. Während Galeria von einer erbetenen Stundung spricht, sehen manche Vermieter die Sache anders.
Mietrückstände und offene Gespräche mit Vermietern
Besonders deutlich äußert sich die Commerz Real, der die Galeria-Flaggschiff-Immobilie am Berliner Alexanderplatz gehört. „Die Miete für April und auch für März wurde noch nicht voll gezahlt, die Miete für Mai ist Galeria nach wie vor säumig", teilt ein Sprecher gegenüber der WirtschaftsWoche mit. „Wir bemühen uns weiter um eine Lösung mit Galeria, sondieren aber auch nach wie vor Alternativen."
Die Mietrückstände sind damit zumindest in diesem Fall erheblich. Wie es für Galeria weitergeht, hängt nun maßgeblich von Verhandlungen über eine neue Finanzierung ab. Dem Vernehmen nach soll schon bald entschieden werden, ob ein dreistelliger Millionenkredit fließt. Insidern zufolge wurde die Unternehmensberatung AlixPartners beauftragt, ein sogenanntes Independent Business Review (IBR) zu erstellen – ein Gutachten, das Galerias ausreichende Substanz zur Krisenbewältigung belegen soll. Mit den frischen Mitteln soll unter anderem ein bestehender Großkredit des US-Investors Bain abgelöst werden.
Die Rolle von Gordon Brothers – und das Praktiker-Déjà-vu
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Zur AktienanalyseEines der Kreditangebote, auf die Galeria hofft, soll vom US-Unternehmen Gordon Brothers stammen. Die Firma ist darauf spezialisiert, Handelswaren zu bewerten und abzuwickeln. Als Kreditsicherheit würde Galerias Warenbestand dienen – was bedeutet, dass Gordon Brothers auch Liquidationsszenarien durchrechnen dürfte.
Genau hier schließt sich der Kreis zu Praktiker. Gordon Brothers war seinerzeit ebenfalls bei der Baumarktkette im Einsatz. Zunächst übernahm das Unternehmen laut einer eigenen Fallstudie „eine umfassende Bestands- und Vermögensprüfung", die „bei der Sicherung von Finanzmitteln helfen sollte". Der Versuch einer Refinanzierung scheiterte jedoch, weil Praktiker „bestimmte finanzielle Meilensteine nicht erreichte". Im Juli 2013 meldete die Kette Insolvenz an. Als auch die Investorensuche des Insolvenzverwalters für die deutschen Märkte erfolglos blieb, organisierte Gordon Brothers schließlich den Abverkauf der Ware in den geschlossenen Filialen.
Ob Galerias 25-Prozent-Aktion als Befreiungsschlag taugt oder als Auftakt zu einem großen Ausverkauf in die Geschichte eingeht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.


