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Galicien: Warum Klimabewusste hier Zweitwohnsitze kaufen

Regen statt Sonne: Nordspaniens Rías Baixas zieht klimabewusste Ausländer an, die Kühle und Nachhaltigkeit suchen.

Galicien: Warum Klimabewusste hier Zweitwohnsitze kaufen

Galicien, die regnerische Nordwestecke Spaniens, entwickelt sich zum überraschenden Hotspot für ausländische Zweitwohnsitzkäufer. Der Grund ist ungewöhnlich: Nicht Sonne und Wärme locken die neuen Interessenten, sondern Kühle, Regen und Resilienz gegenüber dem Klimawandel. Rund 40 Prozent der potenziellen Käufer nennen laut dem Maklerbüro Lucas Fox in Vigo genau diese Faktoren als Hauptmotiv.

Lee Braver, ein emeritierter Philosophieprofessor aus Florida, steht exemplarisch für diesen Trend. Er verbrachte fast ein Jahr damit, Tabellenkalkulationen zu erstellen, in denen er Modelle für politische Stabilität, Hitze, Bodenfruchtbarkeit und Wasserknappheit analysierte. Das Ergebnis führte ihn in die Rías Baixas, eine Gruppe fjordähnlicher Meeresarme an der spanischen Atlantikküste direkt oberhalb von Portugal. Für rund 260.000 Euro erwarb er ein 120 Quadratmeter großes Stadthaus mit Meerblick – per Zoom-Besichtigung, ohne das Dorf je zuvor besucht zu haben.

Klimaflüchtlinge als neue Käufergruppe

„Wir haben viele ausländische Käufer, die sich selbst als Klimaflüchtlinge bezeichnen", sagt Rafael Rosendo, Leiter des Lucas-Fox-Büros in Vigo. Das Unternehmen eröffnete 2018 eine Niederlassung in Galicien und verzeichnet dort das schnellste Wachstum bei ausländischen Anfragen unter allen spanischen Regionen, die die Agentur abdeckt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Anfragen ausländischer Käufer um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Käufer sind in der Regel keine Milliardäre, die sich Bunker in der Wildnis Alaskas kaufen. Es handelt sich vielmehr um gebildete Fachkräfte, die pragmatisch auf den Klimawandel reagieren. Anfragen nach Immobilien mit eigenen Wasserquellen und Land für den Lebensmittelanbau sind laut Rosendo inzwischen so häufig, dass er sie nicht mehr als ungewöhnlich betrachtet.

Die Sommertemperaturen an der Küste der Rías Baixas liegen tagsüber im Durchschnitt bei etwa 25 Grad Celsius, nachts fünf bis zehn Grad kühler. Heftige Atlantikstürme sind im Winter üblich. Die moosigen Wälder und nebligen Berge erinnern eher an einen Regenwald als an das klassische Spanienbild. „Vor vier oder fünf Jahren hatten wir null ausländische Käufer. Jetzt erhalte ich ein paar Dutzend Anrufe pro Woche, meist von Briten und Nordeuropäern, die genug von der Hitze im Süden haben", sagt Caroline Harris von Galicia & Green Spain Property.

Noch ein Geheimtipp unter Ausländern

Trotz des wachsenden Interesses ist die Region international noch wenig bekannt. Laut dem spanischen Immobilienportal Idealista stammen fast ein Drittel aller ausländischen Suchanfragen für Häuser an der Costa Brava oder Costa del Sol von außerhalb Spaniens. In den Rías Baixas liegt dieser Wert bei nur etwa sieben Prozent. Das Preisniveau spiegelt diesen Status wider: Einfache Steinhütten sind bereits ab rund 200.000 Euro erhältlich, der Großteil der Zweitwohnsitz-Transaktionen bewegt sich zwischen 300.000 und einer Million Euro.

Wer mehr investieren möchte, findet in den sogenannten Pazos eine besondere Kategorie: herrschaftliche Granit-Herrenhäuser, die vom galicischen Adel zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erbaut wurden, typischerweise mit Kapelle, gepflegten Gärten und Wappen über der Tür. Die Preise beginnen hier in der Regel bei über zwei Millionen Euro. Fincas mit denselben dicken Steinmauern, aber ohne den aristokratischen Stammbaum, starten bei etwa 700.000 Euro.

Laurence Keena und seine Frau Beth zogen 2022 nach ihrer Pensionierung von Dallas, Texas, ins Zentrum von Vigo. „Wir wollten uns nicht mit Wasserknappheit oder extremer Hitze auseinandersetzen, also haben wir uns auf Galicien konzentriert", sagt er. Sie schätzen die Nähe zum Flughafen und eine neue Hochgeschwindigkeitszugverbindung nach Madrid.

Bürokratie und politische Unsicherheit

Wer in Galicien renovieren möchte, braucht Geduld. Laut Eva Penado, die alte Gebäude in Pontevedra saniert, kann eine leerstehende Immobilie jahrzehntelang unberührt geblieben sein, wobei das Eigentum auf ein Dutzend Verwandte verteilt ist, die alle dem Verkauf zustimmen müssen. Nach dem Kauf dauert es in der Regel noch zwei weitere Jahre, bis die Arbeiten beginnen können.

Politisch gibt es ebenfalls Unsicherheit: Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez schlug im vergangenen Jahr eine zusätzliche Steuer für Nicht-EU-Bürger vor, die Zweitwohnungen in Spanien kaufen – in Höhe von bis zu 100 Prozent des Kaufpreises. Der Vorschlag stieß auf Widerstand; Makler in Galicien bezweifeln, dass er Gesetz wird.

Für Professor Braver überwiegen die Vorteile deutlich. Er genießt Spaniens Hochgeschwindigkeitszugnetz sowie die gute Anbindung an nordamerikanische Städte vom Flughafen Porto, der etwa zwei Stunden entfernt liegt. „In den Staaten könnte ich mir so einen Ort nicht leisten", sagt er. „Man kommt hierher und – wow! Alle Städte sind so gut zu Fuß zu erkunden – und das Essen!"

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