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Gallium und Scandium: Warum Regierungen Nebenprodukten strategisch vertrauen

Kein Bergbauunternehmen eröffnet eine Mine nur für Gallium oder Scandium – dennoch sichern Regierungen weltweit deren Versorgung mit Milliardeninvestitionen.

Gallium und Scandium: Warum Regierungen Nebenprodukten strategisch vertrauen

Gallium und Scandium sind keine gewöhnlichen Rohstoffe. Niemand eröffnet eine Mine, um sie primär zu fördern. Gallium fällt als Nebenprodukt bei der Bauxit-Raffination an, Scandium entsteht laut dem U.S. Geological Survey (USGS) ausschließlich als Beiprodukt aus Nickel- und Titanströmen sowie verarbeiteten Rückständen. Beide Metalle stehen auf der im November 2025 veröffentlichten USGS-Liste der 60 kritischen Mineralien – und genau diese Abhängigkeit von Trägermetallen macht ihre Versorgung so fragil.

Das Angebot an Nebenprodukten richtet sich nicht nach dem eigenen Preis, sondern danach, wie sich das jeweilige Trägermetall entwickelt. Diese strukturelle Besonderheit erklärt, warum Regierungen zunehmend direkt eingreifen, anstatt auf Marktkräfte zu vertrauen. Die Einsatzgebiete der Metalle machen die Dringlichkeit deutlich: Gallium wird in Chips für Militärradare, LEDs, Telefonnetze und die Elektronik von Elektrofahrzeugen verwendet. Scandium macht Aluminium fester und leichter und findet daher Anwendung im Flugzeugbau. Seltene Erden werden für Permanentmagnete in Elektromotoren, Windturbinen und Verteidigungssystemen benötigt.

Chinas Dominanz und die Exportbeschränkungen

Das eigentliche Problem liegt in der geografischen Konzentration der Produktion. Der USGS beziffert Chinas Anteil an der weltweiten Primärproduktion von Gallium auf etwa 99 Prozent und bezeichnet das Land als führenden Scandiumproduzenten. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass China rund 60 Prozent des Abbaus von Seltenen Erden und 91 Prozent der Raffination kontrolliert. Peking schränkte die Galliumexporte bereits 2023 ein, verhängte im Dezember 2024 ein vollständiges Exportverbot für die USA und nahm Scandium im April 2025 in seine Exportkontrollen auf. Die Versorgung außerhalb Chinas ist damit längst von einer kommerziellen zu einer strategischen Frage geworden.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Explorationsprojekte außerhalb Chinas erheblich an Bedeutung. Spark Energy Minerals Inc. (CSE: SPRK, OTCPK: SPARF) hat Ergebnisse von elf weiteren RC-Bohrungen (Umkehrspülbohrungen) bei Cruzeta gemeldet, einem Teil seines Arapaima-Projekts im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der gemeldeten Bohrungen auf dem Zielgebiet seit Beginn der Arbeiten im Dezember 2025 auf 28.

Die Ergebnisse liefern den bisher stärksten Galliumwert bei Cruzeta: 91,4 g/t Galliumoxid über zwei Meter innerhalb eines 32-Meter-Intervalls ab der Oberfläche mit einem Gehalt von 73,9 g/t. Gallium tritt in allen elf Bohrlöchern ab der Oberfläche auf. Darunter setzt sich die Seltenerdzone fort, wobei Bohrloch ARA-RC-023 über 42 Meter 1.767 ppm Gesamtseltenerdoxide lieferte und Spitzenproben über zwei Meter innerhalb der Charge 4.668 ppm erreichten.

Scandium als überraschende dritte Komponente

Die möglicherweise folgenreichste Entdeckung betrifft Scandium. Das Element war bereits seit der ersten Bohrkampagne bei Cruzeta Teil des routinemäßigen Multi-Element-Analysespektrums und erscheint in den Zertifikaten jedes Bohrlochs. Neu ist, dass Spark erstmals den vollständigen Datensatz aus 28 Bohrungen zusammengestellt und ausgewertet hat. Sieben Bohrlöcher weisen ein Scandium-Intervall ab der Oberfläche auf. Das beste Ergebnis stammt aus ARA-RC-021: 30 Meter ab der Oberfläche mit 21,5 g/t Scandiumoxid, einschließlich 26,1 g/t über zwei Meter in einer Probe, die gleichzeitig 75,3 g/t Galliumoxid aufwies.

Diese räumliche Überschneidung ist die entscheidende geologische Erkenntnis. Das Scandium bei Cruzeta folgt dem Eisen- und Titanoxidanteil des Verwitterungsprofils – demselben Anteil, der auch das Gallium führt – und nicht dem Tonanteil, in dem die adsorbierten Seltenen Erden vorkommen. Spark beabsichtigt, Scandium in den metallurgischen Untersuchungsumfang aufzunehmen, der derzeit bei der Australian Nuclear Science and Technology Organisation (ANSTO) läuft. ANSTO führt bereits Testarbeiten für Gallium und Seltene Erden für das Cruzeta-Material durch.

Staatliche Investitionen als Maßstab der Knappheit

Wie ernst Regierungen die Gallium-Frage nehmen, zeigt das Beispiel der Alcoa Corporation (NYSE: AA). Am 14. Juli 2026 trafen Alcoa sowie Regierungs- und Industriepartner aus Australien, Japan und den USA eine endgültige Investitionsentscheidung für eine Galliumanlage in Alcoas Tonerde-Raffinerie Wagerup in Westaustralien. CEO William F. Oplinger bezeichnete dies als gemeinsames Engagement von Regierungen und Industrie zur Stärkung der Lieferketten für kritische Mineralien. Dass drei Regierungen gemeinsam einen Kreislauf für ein Nebenprodukt finanziell absichern, ist ein deutliches Maß dafür, wie begrenzt die Alternativen sind.

Bei Scandium ist Rio Tinto (NYSE: RIO) in einer vergleichbaren Position. Der Sorel-Tracy-Komplex in Quebec wurde 2022 zum ersten nordamerikanischen Produzenten von Scandiumoxid. Dabei wird ein intern entwickeltes Verfahren eingesetzt, um hochreines Material aus Titandioxid-Abfallströmen zu gewinnen – ohne zusätzlichen Bergbau. Im November 2025 gab Rio Tinto eine Transaktion mit dem Canada Growth Fund bekannt, der rund C$25 Millionen investiert, um die Nennkapazität auf neun Tonnen pro Jahr zu erweitern. Zum Vergleich: Der USGS schätzt den weltweiten Verbrauch für 2025 auf 60 Tonnen pro Jahr. Neun Tonnen entsprechen damit etwa 15 Prozent des globalen Bedarfs – das verdeutlicht, in welch kleinen Dimensionen sich dieser Markt bewegt.

Brasilien im Fokus der US-Rohstoffstrategie

Ein Großteil der westlichen Suchbewegung hat nach Brasilien geführt, dem Land mit den weltweit zweitgrößten Reserven an Seltenen Erden. Im Februar 2026 schloss die U.S. International Development Finance Corporation (DFC) eine Finanzierungsvereinbarung über 565 Millionen US-Dollar mit Serra Verde ab, dem Betreiber der Ionen-Ton-Mine Pela Ema in Goiás. Im April 2026 stimmte USA Rare Earth (Nasdaq: USAR) der Übernahme von Serra Verde für rund 2,8 Milliarden US-Dollar zu.

Auch Aclara Resources (TSX: ARA) erhält DFC-Mittel von bis zu 5 Millionen US-Dollar für sein Projekt Carina für schwere Seltene Erden, ebenfalls in Goiás. Diese Mittel können in Eigenkapital umgewandelt werden, sollte Aclara Baukapital aufnehmen. Zusätzlich wurde Aclara vom US-Energieministerium für eine Bundesförderung zur Verarbeitung schwerer Seltener Erden ausgewählt, vorbehaltlich der Verhandlungen über die Vergabe. Im März 2026 besuchte eine behördenübergreifende US-Delegation aus Außen-, Energie- und Handelsministerium den Bundesstaat Minas Gerais, wo sich das Arapaima-Projekt befindet.

Investoren sollten jedoch die Risiken im Blick behalten. Spark Energy Minerals bleibt ein Unternehmen im Explorationsstadium. Für Arapaima wurden noch keine Mineralressourcen geschätzt und keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt. Eine metallurgische Gewinnung von Gallium, Seltenen Erden oder Scandium wurde bisher nicht nachgewiesen. Zudem lagen bei den 28 Bohrungen bei Cruzeta 41 Prozent der Scandium-Proben an oder unter der analytischen Nachweisgrenze – weshalb eine geplante Re-Analyse mit niedrigeren Grenzwerten von Bedeutung ist. Was die jüngsten Ergebnisse dennoch leisten: Sie erweitern den Datensatz, liefern den bisher stärksten Galliumwert und verwandeln eine Routinemessung in ein drittes kritisches Mineral, das weitere Untersuchungen rechtfertigt.

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