Gehebelte ETFs verdoppeln Vermögen – Anleger forcieren KI-Wetten
Das verwaltete Vermögen in gehebelten ETFs hat sich in nur zwei Monaten fast verdoppelt – angetrieben von wachsendem Hunger auf KI-Aktien.

Das verwaltete Vermögen in gehebelten ETFs ist in einem atemberaubenden Tempo gewachsen. Innerhalb von nur zwei Monaten hat es sich nahezu verdoppelt, da Anleger weltweit verstärkt auf ein maximales Engagement im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) setzen. Die Zahlen stammen aus einer Analyse von Goldman Sachs, die sich auf Daten des Datenanbieter EPFR stützt.
„Anleger nutzen zunehmend gehebelte Instrumente, die an den ‚KI-Trade' gekoppelt sind – das Vermögen in gehebelten ETFs mit Bezug zu KI- und Technologiethemen ist sprunghaft angestiegen", schrieb Christian Mueller-Glissmann von Goldman Sachs in seiner Analyse. Die erfassten Daten umfassen 573 gehebelte US-Aktien-ETFs, 52 ETFs auf Südkorea sowie 11 auf Taiwan.
Die Zahlen sind beeindruckend: Das gesamte Nettovermögen der gehebelten ETFs auf US-Aktien stieg von 39 Milliarden US-Dollar im April auf 84 Milliarden US-Dollar Ende Mai dieses Jahres. Gehebelte ETFs auf Südkorea und Taiwan kletterten im gleichen Zeitraum von 17 Milliarden auf 43,1 Milliarden US-Dollar.
Wie gehebelte ETFs funktionieren
Gehebelte ETFs nutzen Derivate, um tägliche Renditen zu erzielen, die das Doppelte oder sogar Dreifache der Rendite bestimmter Indizes oder Aktien betragen. Sie sind damit besonders attraktiv in einem Bullenmarkt, bergen aber erhebliche Risiken: Bei einem Rücksetzer können sich die Kapitalströme ebenso aggressiv oder sogar noch stärker umkehren, da den Anlegern in diesen Fonds hohe Verluste drohen.
„Es ist nicht überraschend, dass Anleger angesichts des Ausmaßes der KI-Manie zu Hebeln greifen – ein typisches Verhalten in allen Bullenmärkten", sagt Adam Crisafulli, Gründer von Vital Knowledge. Er weist jedoch darauf hin, dass KI bisher nur bei einer Handvoll Unternehmen tatsächlich Gewinne und Cashflow generiert – insbesondere bei Speicher- und Chipherstellern.
Südkorea und Taiwan im Fokus
Die Märkte in Südkorea und Taiwan sind besonders beliebt und haben kürzlich mehrere etablierte westliche Länder überholt. Dort sind einige der wichtigsten Unternehmen des gesamten KI-Ökosystems ansässig. SK Hynix, ein wichtiger Zulieferer des KI-Chip-Giganten Nvidia, und Samsung Electronics machen zusammen mehr als 40 Prozent des südkoreanischen Leitindex Kospi aus. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) stellt über 40 Prozent des taiwanischen Taiex-Index.
Crisafulli warnt dennoch, dass das Tempo der Rally schwer beizubehalten sein dürfte. „Es scheint sich in einem nicht nachhaltigen Bereich zu befinden", sagte er. „Große Aktien wie Dell haben sich innerhalb weniger Tage verdoppelt; eine solche parabolische Kursentwicklung kann normalerweise nicht ewig anhalten." Die Märkte werden in den kommenden Monaten zudem ein großes Angebot absorbieren müssen, was ein bedeutender Test sein wird.
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Zur AktienanalyseBillionen-Investitionen und Dotcom-Vergleiche
Die Rally findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem große Technologieunternehmen ihre Ausgaben für die KI-Infrastruktur massiv erhöhen. Es wird erwartet, dass Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon in diesem Jahr über 700 Milliarden US-Dollar in Investitionsausgaben fließen lassen. Analysten der Wall Street schätzen, dass die KI-Ausgaben bis 2027 auf über eine Billion US-Dollar steigen werden.
Crisafulli sieht im aktuellen Umfeld gewisse Ähnlichkeiten mit dem Tech-Boom der späten 1990er Jahre. Doch im Gegensatz zur Dotcom-Ära befinden sich einige der größten KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und xAI weiterhin in privater Hand – was die Marktbewertungen für Anleger schwer zugänglich macht und die Risikoeinschätzung zusätzlich erschwert.


