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Gen Z und der amerikanische Traum: Ein Versprechen erodiert

Forscher und Ökonomen warnen: Für die jüngste Generation ist der amerikanische Traum kaum noch erreichbar.

Gen Z und der amerikanische Traum: Ein Versprechen erodiert

Die Gen Z – die heute 14- bis 29-Jährigen – wächst in einer Zeit auf, die von beispiellosen wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen geprägt ist. Laut David Blanchflower, Arbeitsökonom und Dozent am Dartmouth College, hat keine US-Generation seit der „Silent Generation" (heute 81- bis 98-Jährige) so viele Krisen erlebt. Die Covid-19-Pandemie, ein volatiler Arbeitsmarkt, explodierende Immobilienpreise und wachsender Inflationsdruck setzen der Generation schwer zu.

Mark Rank, Professor und Forscher zum Thema „American Dream" an der Washington University in St. Louis, bringt es auf den Punkt: „Dieser Pakt erodiert." Die Maxime, dass harte Arbeit und das Einhalten der Regeln zu wirtschaftlichem Wohlstand führen, gelte schlicht nicht mehr. Der amerikanische Traum, der in der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg populär wurde, habe für jede nachfolgende Generation seit den Babyboomern an Realisierbarkeit verloren.

Vom Wirtschaftswunder zur Stagnation

Ökonomisch begann der Verfall mit der Globalisierung: Unternehmen verlagerten Standorte aus den USA und drückten damit die Löhne. „Was männliche Vollzeitbeschäftigte heute verdienen, entspricht inflationsbereinigt in etwa dem Niveau von 1973", stellt Rank fest. Die Generation X trat dann in einen Arbeitsmarkt ein, der von Stellenabbau und Massenentlassungen geprägt war, wie Lindsey Pollak, Autorin und Generationenforscherin, erklärt.

Millennials trafen es noch härter: Sie schlossen ihr Studium in eine Wirtschaft ab, die vom Platzen der Dotcom-Blase und der Großen Rezession erschüttert wurde. Der Harvard-Ökonom Raj Chetty liefert dazu eine ernüchternde Zahl: „Von den in den 1940er Jahren geborenen Kindern verdienten etwa 90% mehr als ihre Eltern, verglichen mit etwa 50% bei den in den 1990er Jahren geborenen Kindern."

Die Gen Z sieht sich nun mit einer noch längeren Liste an Herausforderungen konfrontiert: Unterbeschäftigung, die Nachwirkungen der Pandemie, Handelszölle, der Aufstieg von künstlicher Intelligenz und Automatisierung sowie das sogenannte „Job-Hugging" – das Festhalten älterer Arbeitnehmer an ihren Stellen – verschärfen den Wettbewerb um Einstiegspositionen zusätzlich.

Was Umfragen zeigen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer aktuellen „American Dream Pulse"-Umfrage von CNBC und SurveyMonkey geben 42 Prozent der Gen Z an, dass der amerikanische Traum nicht für jeden, sondern nur für einige wenige erreichbar sei. Eine Gallup-Umfrage ergab zudem, dass 49% der befragten Amerikaner mit den Aufstiegschancen bei harter Arbeit zufrieden waren – ein drastischer Rückgang gegenüber 76% im Jahr 2001. Jeff Jones, Senior Editor bei Gallup, weist darauf hin, dass dieser Rückgang überproportional von jüngeren Befragten getrieben wurde.

Blanchflower belegt die psychologischen Folgen mit Forschungsdaten: Die traditionelle U-förmige Glückskurve – wonach Menschen in der Lebensmitte am unglücklichsten sind und danach wieder zufriedener werden – hat sich abgeflacht. Junge Menschen werden laut einer von ihm mitgeleiteten Studie vom August 2025 im Laufe ihres Lebens zunehmend unglücklicher. Ältere Vertreter der Gen Z, die bereits „gute Jobs" ergattert haben, kämpfen demnach mit Sorgen, Stress und Depressionen.

Strukturelle Hürden und die Hoffnung auf Wandel

Ein Hochschulabschluss ist längst kein garantierter Weg mehr zu einem stabilen Arbeitsplatz. Das Einstiegsgehalt reicht oft nicht aus, um steigende Kosten für Wohnen und Gesundheitsversorgung zu decken – geschweige denn, um explodierende Studienschulden nennenswert zu reduzieren. Zwar werden Millennials und die Gen Z irgendwann Billionen von US-Dollar durch Vermögensübertragungen ihrer Eltern erhalten, doch Immobilienforscher warnen: Dieses Erbe kommt für viele zu spät, um die finanzielle Entwicklung im frühen Erwachsenenalter entscheidend zu beeinflussen.

Dennoch gibt es vorsichtigen Optimismus. Einige Historiker und Ökonomen glauben an die Fähigkeit junger Menschen, sich anzupassen, ihre Ziele neu zu definieren und schrittweise Fortschritte zu erzielen. Raj Chetty sieht die Zukunft der sozioökonomischen Mobilität in Amerika eng verknüpft mit Investitionen in Schulen, Nachbarschaften und soziale Netzwerke sowie mit stärkerer Unterstützung durch Gemeinschaften und politische Entscheidungsträger auf allen Regierungsebenen. Der Weg zum Erfolg existiert noch – er sieht nur anders aus als der amerikanische Traum der Elterngeneration.

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