Generation Z und das Auto: Zwischen Pragmatismus und Technologiehunger
Was junge Menschen wirklich vom Auto erwarten – und warum Marken, Statussymbole und Besitz an Bedeutung verlieren.

Das Klischee hält sich hartnäckig: Die Generation Z fährt kein Auto mehr. Doch die Realität ist deutlich differenzierter. Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung betont, dass es „die eine Gen Z" schlicht nicht gibt. Wer auf dem Land lebt, ist oft auf das Auto angewiesen – schlicht weil Bus und Bahn selten fahren. Und: „Je höher der Bildungsabschluss, desto geringer die Autonutzung", so Knie.
Auch der Umweltgedanke spielt eine weniger dominante Rolle als oft angenommen. Knie stellt klar, dass junge Menschen keine ideologischen Entscheidungen gegen das Auto treffen. Es gehe vielmehr um Pragmatismus – wer mobil sein will, wählt das verfügbare und bequemste Mittel.
Desillusioniert, aber mobilitätshungrig
Eine Studie der ADAC Stiftung zeichnet ein ernüchterndes Bild: Keine Generation ist so unzufrieden mit den bestehenden Mobilitätsangeboten wie die heute 16- bis 27-Jährigen. Gleichzeitig blicken sie so pessimistisch in die Zukunft der Mobilität wie keine andere Altersgruppe. Der Grund ist oft schlicht der fehlende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs – viele junge Menschen sind deshalb trotzdem auf ein Auto angewiesen.
Komfort bleibt also ein entscheidender Faktor. Wer von A nach B muss, will das möglichst unkompliziert und zuverlässig tun – unabhängig vom Verkehrsmittel.
Technologie schlägt Marke
Eine Konsumentenstudie der Beratungsgesellschaft McKinsey zeigt: Angehörige der Generation Z sind deutlich weniger markentreu als frühere Generationen. Statt auf das Prestige eines Herstellers zu setzen, rücken andere Kriterien in den Vordergrund: Technologie im Fahrzeug, modernes Design und Nachhaltigkeit. Auch gegenüber autonomem Fahren zeigt sich die junge Generation aufgeschlossener als ihre Vorgänger.
Mobilitätsforscher Knie ergänzt einen weiteren Aspekt: Während der Fahrt online sein und produktiv bleiben zu können, ist für junge Menschen besonders wichtig. „Junge Menschen leben in einer digitalen Welt. Sie sind permanent online. Und das lässt sich schwer machen, wenn man länger in einem Auto sitzt und selbst fahren muss."
Automobilexperte Harald Wimmer von der Beratungsfirma PwC bringt die Wünsche der Generation Z auf den Punkt: „Junge Menschen wünschen sich ein bezahlbares, gut vernetztes Auto mit nahtloser Smartphone-Integration, soliden Assistenzsystemen sowie einfacher App-basierter Nutzung. Weniger Gimmicks, mehr gute User Experience." Viele bevorzugen dabei die eigene Smartphone-Spiegelung gegenüber integrierten Infotainment-Systemen der Hersteller.
Besitz verliert seinen Reiz
Das eigene Auto als Statussymbol? Für die Generation Z ein Auslaufmodell. Knie beschreibt den Wandel deutlich: „Die alte Idee: Ich fahre, also bin ich – wie das meine Generation der Babyboomer noch verstanden hat mit dem Auto als Maß für Freiheit, Wohlstand und Zufriedenheit –, das ist heute anders." Wer kurzfristig ein Fahrzeug braucht, mietet, leiht oder nutzt ein Auto-Abo.
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Zur AktienanalyseDennoch beobachtet Knie eine Art Renaissance des Autos bei jungen Menschen – allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Die Lebensrealität hat sich verändert, und damit auch die Anforderungen an das Fahrzeug.
Preis bleibt die größte Hürde
Trotz aller Offenheit gegenüber neuen Mobilitätskonzepten bleibt der Preis das zentrale Problem. Wimmer erklärt: „Die Finanzierung ist eine der großen Fragestellungen für die junge Generation. Und hier ist klar ersichtlich, dass Finanzierung und Leasing im Vordergrund stehen." Auto-Abos existieren laut Wimmer bislang eher in der Nische.
Hinzu kommt eine weitere finanzielle Belastung: der Führerschein. In Deutschland kostet der Pkw-Führerschein der Klasse B im Schnitt rund 3.400 Euro – eine erhebliche Hürde für viele junge Menschen. Die Bundesregierung plant, den Führerscheinerwerb durch eine Reform ab 2027 günstiger zu gestalten. Für Anleger, die den Automobilsektor im Blick behalten, liefern diese Trends wichtige Hinweise: Hersteller, die auf Konnektivität, Bezahlbarkeit und flexible Nutzungsmodelle setzen, dürften bei der nächsten Käufergeneration die Nase vorn haben.

