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Gerichtsurteil belastet Tecnimont

EuroChem erhält Milliardenbetrag und treibt Werksbau weiter voran

Gerichtsurteil belastet Tecnimont

Ein russisches Gericht hat dem Düngemittelhersteller EuroChem eine Zahlung von mehr als 171 Milliarden Rubel zugesprochen, nachdem das Unternehmen eine Klage gegen den italienischen Anlagenbauer Tecnimont und dessen Tochtergesellschaft eingereicht hatte. Die Entscheidung betrifft ein Großprojekt im nordwestlichen Teil Russlands, bei dem ein neues Werk zur Produktion von Ammoniak und Harnstoff entstehen sollte. EuroChem North-West-2, die regionale Einheit von EuroChem, hatte zuvor 202,7 Milliarden Rubel eingefordert und machte geltend, dass der Auftragnehmer seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt habe.

Die Verträge waren im Juni 2020 geschlossen worden und sahen die Fertigstellung der Produktionsanlage bis September 2023 vor. Der Bau wurde jedoch im Jahr 2022 unterbrochen, nachdem westliche Sanktionen den technischen und logistischen Ablauf beeinträchtigt hatten. Nach Angaben von Maire Spa, der Muttergesellschaft von Tecnimont, führten die politischen Entwicklungen zu erheblichen Einschränkungen bei der Beschaffung und dem Transport von Ausrüstung und Material, was den geplanten Projektfortschritt deutlich verzögerte. EuroChem erklärte daraufhin im August 2022 die Vertragsauflösung wegen ausbleibender Leistungen der Auftragnehmer.

EuroChem äußerte sich zufrieden über die gerichtliche Entscheidung und betonte die Bedeutung des Urteils für den weiteren Fortgang des Projekts. Die Fertigstellung der Anlage und deren Inbetriebnahme blieben weiterhin zentrale Ziele des Unternehmens. Tecnimont hingegen kündigte an, die Entscheidung energisch anzufechten. Die Unternehmensgruppe bezeichnete das Vorgehen der russischen Projektpartner als unrechtmäßig und kündigte an, mehr als 700 Millionen Euro Schadensersatz vor nationalen und internationalen Instanzen geltend zu machen.

Die rechtliche Auseinandersetzung wird seit 2022 auch vor dem Internationalen Schiedsgericht geführt, wo gegenseitige Forderungen geprüft werden. Die jüngste Gerichtsentscheidung in Russland stellt eine weitere Etappe in einem komplexen Streit dar, der sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Einflüsse widerspiegelt. Die finanziellen Dimensionen sind beträchtlich, da sich die Forderungen beider Seiten auf mehrere Milliarden Euro belaufen und das Projekt ursprünglich als eines der bedeutendsten Industrievorhaben seiner Art in der Region galt.

Die Entwicklung des Werks in Kingisepp bleibt trotz der juristischen Auseinandersetzungen ein strategisch wichtiges Vorhaben für EuroChem. Die Entscheidung des russischen Gerichts schafft eine neue Ausgangslage, während parallel internationale Verfahren weiterlaufen und die beteiligten Parteien ihre jeweiligen Positionen vor unterschiedlichen Instanzen vertreten.

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