GIC: Chinesische KI-Modelle senken Einführungskosten weltweit drastisch
Singapurs Staatsfonds GIC sieht chinesische KI-Modelle als Kostentreiber nach unten – mit globalen Folgen für die KI-Einführung.

Singapurs Staatsfonds GIC, einer der weltweit größten KI-Investoren, bewertet das Aufkommen chinesischer Sprachmodelle als positive Entwicklung für das globale KI-Ökosystem. Das Aufkommen von Modellen aus chinesischen Laboren wie Moonshot und DeepSeek verschärfe den Wettbewerb mit US-Rivalen erheblich und werde die Implementierungskosten weltweit senken, so die Einschätzung des Fonds. GIC hat KI ins Zentrum seiner Investmentstrategie gerückt und in den vergangenen Jahren Milliarden von Dollar in die Technologie investiert.
Bryan Yeo, Chief Investment Officer von GIC, erklärte gegenüber der Financial Times: „Wir beobachten das Aufkommen von mehr dieser Open-Weight-Modelle, von denen einige aus China stammen, und wir halten das für eine positive Entwicklung für das globale KI-Ökosystem, da es die Kosten senken wird." Durch sinkende Kosten werde die Einführung von KI in vielen Unternehmen und Branchen schneller und breiter voranschreiten. Die Anwendungsfälle würden infolgedessen „exponentiell wachsen", so Yeo weiter.
Milliardenbewertungen unter Druck
Die Aussagen des GIC-Chefinvestors kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für die US-amerikanische KI-Branche. OpenAI und Anthropic wurden in diesem Jahr von Investoren mit zusammen fast einer Billion US-Dollar bewertet – basierend auf der Annahme, dass sie weiterhin weltweit führende Modelle entwickeln können. Die Verfügbarkeit günstigerer chinesischer Open-Weight-Modelle, die frei zum Download verfügbar sind, könnte diese hohen Bewertungen infrage stellen.
GIC selbst ist tief in das US-KI-Ökosystem investiert: Im Februar leitete der Fonds eine Finanzierungsrunde über 30 Milliarden US-Dollar für Anthropic – das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude. Sollte Anthropic seine Pläne für einen Börsengang in diesem Jahr umsetzen, könnte GIC damit einen massiven Gewinn erzielen. Yeo wollte sich dennoch nicht dazu äußern, ob die neuesten chinesischen Modelle eine direkte Bedrohung für US-Labore wie Anthropic und OpenAI darstellen könnten.
Weißes Haus wirft China Technologiediebstahl vor
Die US-Regierung sieht die Leistungssprünge chinesischer KI-Modelle kritisch. Michael Kratsios, der wissenschaftliche Berater von Präsident Donald Trump, erklärte, das neueste Modell von Moonshot sei aus dem Flaggschiff-System von Anthropic „destilliert" worden. „Groß angelegte, verdeckte industrielle Destillation mit dem Ziel, geschützte US-Technologie zu stehlen und die amerikanische Forschung zu untergraben, ist inakzeptabel", sagte Kratsios. Das Weiße Haus behauptet damit, dass die jüngsten Fortschritte chinesischer Modelle auf dem Trittbrettfahren auf US-Entwicklungen beruhen.
GIC veröffentlichte zeitgleich seinen Jahresbericht für die zwölf Monate bis Ende März. Der Fonds – einer der weltweit größten staatlichen Kapitalgeber – gibt die Gesamtgröße seines Portfolios nicht bekannt. Die jährliche inflationsbereinigte Rendite über die letzten zwei Jahrzehnte lag im vergangenen Jahr bei 3,4 Prozent – der niedrigste Wert seit 2020. GIC gibt keine Renditen für einzelne Jahre bekannt.
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Geografisch hat GIC sein Portfolio in den vergangenen Jahren deutlich in Richtung Amerika verschoben. Seit 2024 stieg das Engagement in Nord- und Südamerika von 44 Prozent auf 53 Prozent des Portfolios, während der Anteil im asiatisch-pazifischen Raum von 28 Prozent auf 22 Prozent sank. Trotz des starken Wachstums chinesischer KI-Unternehmen zeigt sich GIC bei Investitionen in chinesische Start-ups vorsichtig. Yeo betonte, man müsse diese Unternehmen „viel genauer unter die Lupe nehmen" – insbesondere hinsichtlich ihrer Fähigkeit, weiterhin in Forschung und Entwicklung zu investieren.
Darüber hinaus kündigte GIC an, in den nächsten drei Jahren 30 Milliarden US-Dollar in Hedgefonds zu investieren. Das Engagement des Fonds in dieser Anlageklasse hat sich im letzten Jahrzehnt bereits verdreifacht. Die 1981 gegründete Government of Singapore Investment Corporation investiert die Reserven des Landes international und hat den Auftrag, Renditen oberhalb der Inflationsrate zu erwirtschaften. Ab dem nächsten Jahr wird GIC zudem eine neue Performance-Benchmark einführen, die auf einem strategischen Portfolio basiert und die Risikobereitschaft sowie die langfristigen Renditeerwartungen der singapurischen Regierung widerspiegelt.


