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Glasfaser-Rekord: Düsseldorfer Anbieter zeigt, wie schneller Ausbau funktioniert

Während Kunden bundesweit jahrelang warten, liefert Net.D in sechs Wochen – BGH-Urteil setzt Branche unter Druck

Glasfaser-Rekord: Düsseldorfer Anbieter zeigt, wie schneller Ausbau funktioniert

Sechs Wochen vom Vertragsabschluss bis zur verlegten Glasfaser – was im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort Realität ist, klingt für die meisten Deutschen wie ein Märchen. Während bundesweit Eigenheimbesitzer oft zwei bis vier Jahre auf ihren Anschluss warten, demonstriert der Regionalanbieter Net.D, wie effizienter Glasfaserausbau funktionieren kann. Das Unternehmen, eine Tochter der Net.Cologne mit Beteiligung der Stadt Düsseldorf und der Stadtwerke, könnte zum Vorbild für eine ganze Branche werden.

Die Realität sieht andernorts düster aus: Lange Wartezeiten verunsichern Kunden massiv, berichtet Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW. Viele erhalten auf Nachfrage keinerlei Auskunft über den Projektstand oder Gründe für Verzögerungen. Wer dann vom Vertrag zurücktreten möchte, erlebt oft eine böse Überraschung: Zahlreiche Anbieter akzeptieren Kündigungen erst nach zwei Jahren Vertragslaufzeit – und fordern in dieser Zeit die volle Zahlung.

BGH-Urteil erschüttert Geschäftsmodelle

Diese Praxis ist seit Januar höchstinstanzlich verboten. Der Bundesgerichtshof entschied, dass die Vertragslaufzeit bereits mit der Auftragsbestätigung durch das Glasfaserunternehmen beginnt – nicht erst mit der tatsächlichen Verlegung. Dauert der Ausbau zu lange, können Kunden kündigen, ohne jemals gezahlt zu haben. Ein Schlag für die Kalkulation vieler Anbieter, die auf langfristige Kundenbindung gesetzt hatten.

Besonders hart trifft das Urteil die Branche in einer ohnehin kritischen Phase. Deutsche Giganetz und UGG mussten sich bereits restrukturieren, die Deutsche Glasfaser sucht nach frischer Finanzierung. Sollten nun viele Kunden abspringen, bleiben die Unternehmen auf hohen Baukosten sitzen. Die Telekommunikationsprofessorin Sandra Thomas von der Hochschule Provadis warnt: "Das Urteil macht das Leben der alternativen Netzbetreiber schwerer und spielt der Deutschen Telekom in die Karten."

Die Branche schiebt ihre Probleme gern auf externe Faktoren: lange Genehmigungsprozesse, Fachkräftemangel, teurere Baukosten und höhere Zinsen. Tatsächlich hat die Deutsche Telekom einen Vorteil, wenn Kunden während des Ausbaus weiter ihre DSL-Verträge beim gleichen Anbieter bezahlen. Das finanzielle Risiko alternativer Carrier, besonders im ländlichen Raum, steigt deutlich.

Erfolgsrezept: Planung vor Vermarktung

Net.D zeigt, wie es besser geht. Das Geheimrezept: Der Anbieter plant den Ausbau eines Viertels zunächst komplett durch. Bevor überhaupt mit der Vermarktung begonnen wird, liegen alle Baugenehmigungen vor und das Tiefbauunternehmen ist gebucht. Viele Wettbewerber machen ihre Entscheidung dagegen von einer Vorvermarktung abhängig – oft sind zwei Runden nötig, bis 30 Prozent der Haushalte zusagen. Allein das dauert meist sechs Monate oder mehr.

Auch bei der Bauausführung setzt Net.D auf Effizienz: Statt die ganze Straße aufzureißen, arbeitet der Bautrupp mit einer "Wanderbaustelle" minimalinvasiv von Haus zu Haus. Der Bürgersteig wird nur abschnittweise kurz geöffnet, Verlegung und Hausstich erfolgen in einem Rutsch. In ländlichen Regionen vergehen zwischen Straßenverlegung und Hausstich oft weitere Monate.

Selbst wenn Hausbesitzer keine Genehmigung zum Hausstich erteilen, bereitet Net.D einen "Abzweiger" vor – sogenanntes "Homes Passed Plus". Das vereinfacht die spätere Nachverdichtung erheblich, weil keine erneuten Erdarbeiten nötig werden. Von insgesamt geplanten 60.000 Haushalten in Düsseldorf liegt das Kabel bereits an 30.000 entlang, komplett angeschlossen sind erst 2.000.

Die nächste Bewährungsprobe steht bevor: Ab April beginnt der Ausbau vom Keller in die einzelnen Wohnungen, die Netzebene 4. Priorität haben Häuser mit vielen Vertragsabschlüssen – so optimiert Net.D den Cash-Flow. Erst nach Aktivierung des Anschlusses werden unterschriebene Verträge zu zahlenden Kunden. Ein Modell, das Schule machen könnte – wenn die Branche bereit ist zu lernen.

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