Glencore plant ASX-Listing und zielt auf australische Pensionsfonds
Der Schweizer Rohstoffriese will noch im Oktober an der australischen Börse notieren und damit einen 3,1-Billionen-Dollar-Markt erschließen.

Glencore (LSE: GLEN) treibt seine Expansionsstrategie voran: Der Schweizer Rohstoffhändler strebt bereits für Oktober eine Zweitnotierung an der Australian Securities Exchange (ASX) an. Ziel ist es, den australischen Pensionsfonds-Pool im Wert von umgerechnet rund 3,1 Billionen US-Dollar zu erschließen. CEO Gary Nagle bestätigte die Pläne im Rahmen einer Telefonkonferenz zu den Halbjahresergebnissen.
Die Initiative geht direkt auf Anfragen großer australischer Pensionsfonds zurück, deren Anlagemandate Auslandsallokationen beschränken. „Man hat uns signalisiert, dass bei einer Notierung an der ASX deutlich mehr in Glencore investiert werden könnte", sagte Nagle gegenüber Investoren. Er hob zudem hervor, dass der australische Markt eine anspruchsvolle Investorenbasis mit tiefgreifender Expertise in globalen Rohstoffen und der Volatilität von Rohstoffzyklen biete.
Das Listing erfordert keine neue Kapitalaufnahme und wird über sogenannte CHESS Depositary Interests abgewickelt – ein in Australien gängiges Instrument für ausländische Unternehmen, das den Handel von Aktien ohne direkte Ausgabe neuer Papiere ermöglicht. Innerhalb von zwölf Monaten nach der Notierung strebt Glencore die Aufnahme in den Leitindex S&P/ASX 200 an, wofür eine lokale Marktkapitalisierung von rund 1,5 Milliarden australischen Dollar (ca. 1,1 Milliarden US-Dollar) erforderlich ist.
Enormes Wachstumspotenzial im australischen Rentensektor
Der Hintergrund dieser Strategie ist beeindruckend: Australiens Superannuation-Sektor – das staatlich geförderte Rentensystem – verwaltet derzeit ein Vermögen von 4,4 Billionen australischen Dollar (rund 3,1 Billionen US-Dollar). Bis 2045 soll dieses Volumen auf 12,4 Billionen australische Dollar (ca. 8,7 Billionen US-Dollar) anwachsen. Für Glencore bietet sich damit ein langfristiger und wachsender Kapitalpool, der bislang nur eingeschränkt zugänglich war.
Die Expansionspläne fallen zeitlich mit dem Auslaufen eines sechsmonatigen Stillhalteabkommens über Fusionsgespräche mit Rio Tinto (ASX: RIO) zusammen. Nagle erklärte, dass eine Zweitnotierung die Mechanik einer potenziellen Fusion nicht verändern würde, räumte aber ein, dass die vorangegangenen Gespräche das Interesse lokaler Investoren geweckt hätten.
Starke Halbjahresergebnisse als Rückenwind
Der Vorstoß für das Börsenlisting folgt auf ein außergewöhnlich profitables erstes Halbjahr. Glencore meldete einen Anstieg des bereinigten Konzern-EBITDA um 86 Prozent auf 10,1 Milliarden US-Dollar. Der den Anteilseignern zuzurechnende Nettogewinn sprang um mehr als 5 Milliarden US-Dollar auf 4,4 Milliarden US-Dollar. Begünstigt wurde dieses Ergebnis durch extreme Volatilität an den globalen Energiemärkten infolge der Eskalation des Nahostkonflikts.
Gleichzeitig investierte das Unternehmen im ersten Halbjahr 4 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben, um sich den Zugang zu Landflächen und operative Flexibilität in seinem Kupferportfolio zu sichern. Glencore strebt bis 2028 eine annualisierte Kupferproduktion von 1 Million Tonnen an – bis 2035 soll diese auf 1,6 Millionen Tonnen steigen.
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Zur AktienanalyseRegulatorische Spannungen in der Demokratischen Republik Kongo
Während Glencore um australisches Kapital wirbt, sieht sich das Unternehmen in Zentralafrika mit regulatorischen Widerständen konfrontiert. Am 9. Juli versiegelten kongolesische Steuerbehörden die Büros der Glencore-Tochter Kamoto Copper in Kolwezi aufgrund eines milliardenschweren Zahlungsstreits. Die Razzia erfolgte, nachdem Vergleichsgespräche zwischen dem Unternehmen und der staatlichen Finanzbehörde gescheitert waren.
Die Eskalation zwang den kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi zum Eingreifen. Während einer Kabinettssitzung am 10. Juli wies er das Finanz- und das Bergbauministerium an, unvorhersehbare Kontenpfändungen und das Einfrieren von Vermögenswerten zu stoppen, und ordnete den sofortigen Abzug von Polizei und Soldaten von den Bergbaustandorten an. Der Streit beeinträchtigte die physische Förderung im Kamoto-Komplex nicht, an dem Glencore eine Beteiligung von 70 Prozent hält und jährlich rund 190.000 Tonnen Kupfer produziert.


