Globale Chemiekonzerne schließen und verkaufen Werke
Überkapazitäten in China und hohe Kosten in Europa zwingen zur Neuordnung der Branche

Eine tiefgreifende Umstrukturierung der globalen Petrochemiebranche ist in vollem Gange. Unternehmen weltweit reagieren mit Werksschließungen, Verkäufen und strategischen Neuausrichtungen auf Überkapazitäten in China sowie steigende Kosten in Europa. Besonders die Europäische Union ist von dieser Entwicklung betroffen, während sich die Märkte in den USA und dem Nahen Osten bisher als stabiler erweisen. Auch in Asien wird die Produktion reduziert, jedoch weniger drastisch als in Europa.
Das US-Unternehmen LyondellBasell verhandelt derzeit exklusiv mit der Münchner Investmentgesellschaft AEQUITA über den Verkauf von vier Anlagen zur Olefin- und Polyolefinproduktion in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Zusätzlich prüft das Unternehmen Optionen für seine Standorte in den Niederlanden und Italien. Dow Inc kündigte Anfang Juli an, drei Werke in Europa zu schließen: ein Ethylenwerk in Böhlen sowie Chlor-Alkali- und Vinylanlagen in Schkopau, beide in Deutschland, sowie eine Siloxan-Anlage in Barry, Großbritannien. Bereits im Januar hatte der Konzern die Stilllegung eines Crackers in den Niederlanden bekannt gegeben.
ExxonMobil bestätigte im vergangenen Jahr die Schließung seines Dampfreformators und der Chemieproduktion im französischen Gravenchon. Der Standort sei seit 2018 mit über 500 Millionen Euro im Minus und wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Shell hat im April seinen Energie- und Chemiepark in Singapur verkauft. Das Unternehmen überprüft derzeit sein Chemiegeschäft – auch in Europa und den USA – und hat dazu die Investmentbank Morgan Stanley eingeschaltet.
BP sucht seit Februar nach Käufern für seine Raffinerie Ruhr Oel samt Cracker und Downstream-Anlagen in Gelsenkirchen. TotalEnergies will bis Ende 2027 den ältesten Dampfreformator im belgischen Antwerpen schließen. Grund sei ein deutlicher Überschuss an Ethylen in Europa. Der italienische Ölkonzern Eni plant, bis Jahresende seine beiden letzten Crack-Anlagen in Brindisi und Priolo zu schließen. Außerdem wurde bereits ein Polyethylenwerk in Ragusa stillgelegt.
Auch der polnische Konzern Orlen kündigte an, seine Investitionen in ein Olefinprojekt zurückzufahren und die Produktionsaufnahme auf frühestens 2030 zu verschieben. Huntsman wird sein Polyurethan-Werk im bayerischen Deggendorf stilllegen und weitere europäische Standorte verkleinern. Eine Anlage in Moers soll noch im laufenden Quartal geschlossen werden.
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Zur AktienanalyseJapans größter Ölkonzern Eneos erwägt, 2027 die Ethylenproduktion in Kawasaki teilweise einzustellen. Zudem sollen in Yokohama bis März 2028 Schmierstoffe und weitere Produkte schrittweise vom Markt genommen oder an andere Standorte verlagert werden. SABIC aus Saudi-Arabien kündigte im Vorjahr an, einen seiner beiden Naphtha-Cracker im niederländischen Geleen dauerhaft zu schließen.


