Globaler Tech-Ausverkauf und Ölpreisverfall erschüttern die Märkte
Zwei massive Ausverkäufe dominieren den Handel: Technologieaktien brechen weltweit ein, während Rohölpreise trotz neuer Spannungen in der Straße von Hormus weiter fallen.

Der globale Aktienmarkt steht unter massivem Druck. Zwei dominierende Kräfte bestimmen den Handel an diesem Freitag und setzen damit den Schlusspunkt unter eine turbulente Woche: ein eskalierender Tech-Ausverkauf und ein anhaltender Rückgang der Rohölpreise. Beide Bewegungen treffen Anleger weltweit hart und sorgen für erhebliche Nervosität über alle Anlageklassen hinweg.
Der Nasdaq hat bereits den vierten Tag in Folge nachgegeben. Die Verluste an der Wall Street haben eine neue Verkaufswelle in Asien ausgelöst, die dort besonders drastische Ausmaße angenommen hat. US-Futures deuten im frühen Handel auf eine weitere Eröffnung im Minus hin.
Tech-Ausverkauf trifft Asien besonders hart
Der südkoreanische Kospi verzeichnete einen Einbruch von über 8 Prozent – ein so starker Rückgang, dass die Börse den Handel für rund 20 Minuten aussetzen musste. Auch der japanische Nikkei erlitt erhebliche Verluste. Unter besonderem Verkaufsdruck stehen Softbank und SK Hynix, zwei Schwergewichte der asiatischen Technologiebranche. Hintergrund sind wachsende Sorgen über die steigenden Kosten für die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz.
Bereits an der Wall Street hatte der Vortag für Schlagzeilen gesorgt. Apple verlor 6 Prozent, nachdem das Unternehmen Preiserhöhungen für iPads und MacBooks ankündigte – ein Signal für steigende Nachfrage nach Speicherkomponenten. Microsoft fiel um mehr als 3 Prozent, nachdem der Konzern höhere Preise für seine Xbox-Spielekonsolen mit Verweis auf explodierende Komponentenkosten bekanntgab. Auch die Tech-Giganten Alphabet und Meta Platforms schlossen den Handelstag schwächer.
Die Preiserhöhungen bei Microsoft sind konkret: Ab dem 1. August steigt der Preis für die Xbox Series S mit 512 GB Speicher um 100 US-Dollar auf rund 500 Dollar. Modelle mit 1 TB werden sogar um 150 Dollar teurer. Die Einsteigerversion der Xbox Series X beginnt künftig bei etwa 750 Dollar. Microsoft erklärte in einem Blogpost, man habe bereits im Oktober vergangenen Jahres die Preise um 20 bis 70 Dollar erhöht und gehofft, eine weitere Anhebung vermeiden zu können – doch die Verhandlungen mit Lieferanten hätten keine ausreichenden Alternativen ergeben.
Ölpreise fallen trotz Angriff in der Straße von Hormus
Parallel zum Tech-Ausverkauf weiten die Rohölpreise beider Referenzsorten ihre Verluste aus – und das trotz eines neuen Sicherheitsvorfalls in einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Ein US-Beamter erklärte gegenüber MS NOW, dass der Iran hinter einem Angriff auf ein Frachtschiff nahe der Küste von Oman in der Straße von Hormus stecke. Das Schiff fuhr laut Wall Street Journal unter der Flagge Singapurs. Die United Kingdom Maritime Trade Operations meldete, dass weder Opfer noch Umweltschäden zu verzeichnen seien.
Trotz des Vorfalls nähern sich die Ölpreise weiter dem Niveau vor der Iran-Krise an. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte den Angriff nicht als eskalierenden Faktor bewerten – möglicherweise auch, weil in der vergangenen Woche ein Rahmen für ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran erreicht wurde.
Zusätzlichen Druck auf den Ölmarkt übt die OPEC-interne Lage aus. Nachdem die Vereinigten Arabischen Emirate das Kartell im Mai verlassen haben, droht nun ein weiterer Austritt: Berichten zufolge hat der Irak eine höhere Produktionsquote gefordert und der OPEC mitgeteilt, dass er austreten könnte, falls diese Forderungen nicht erfüllt werden. Der Irak ist der zweitgrößte Produzent innerhalb des Kartells.
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Zur AktienanalysePolitische Unsicherheit in Großbritannien und Rekordhitze in Europa
Auch politische Entwicklungen belasten die Märkte. In Großbritannien steht der designierte Premierminister Andy Burnham unter Druck, seine Wirtschaftspolitik detailliert darzulegen. Spekulationen über die Besetzung von Schlüsselpositionen in seiner neuen Regierung nehmen zu. Als Favoriten für das Amt des Finanzministers – des sogenannten Chancellor of the Exchequer – gelten Ed Miliband und Wes Streeting. Der britische Gilt-Markt und die Kreditkosten rücken in den Fokus, da Händler einen fiskalisch interventionistischeren Regierungsstil erwarten.
Während die politischen Temperaturen in Westminster steigen, schwitzt Europa unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle. Mehrere Länder gaben rote Wetterwarnungen heraus. Das Vereinigte Königreich knackte am Mittwoch seinen Allzeit-Temperaturrekord für den Monat Juni, Frankreich verzeichnete den zweiten Tag in Folge den heißesten Tag seiner Geschichte. Es ist bereits die zweite sogenannte Hitzeglocke, die Europa in nur zwei Monaten erlebt. Profiteure dieser Entwicklung sind Aktien aus den Bereichen Klimatisierung und Gebäudeeffizienz, die am Donnerstag ihre Gewinne ausweiteten.

